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THW Kiel Umbruch macht Filip Jicha Sorgen
Sport THW Kiel Umbruch macht Filip Jicha Sorgen
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07:50 05.08.2013
Von Wolf Paarmann
Der Trainer und eine wichtige Figur in seinem Ensemble: Alfred Gislason (li.) tauscht sich mit seinem Kapitän Filip Jicha aus. Quelle: pae
Kiel

Warum Sind Sie Kapitän des THW Kiel geworden?

 Eigentlich ist bis heute nicht darüber gesprochen worden, ob ich das werden will. Ich bin von Uli Derad (ehemaliger THW-Manager, Anm. d. Red.) und Alfred (Gislason, d. Red.) vor einigen Jahren gefragt worden, ob ich Stellvertreter von Marcus Ahlm werden möchte. Das war für mich ein logischer Schritt, also habe ich zugestimmt.

Und...

 ...dann gab es im vergangenen Oktober ein Gespräch mit Alfred, in dem wir diskutiert haben, ob wir den weiteren Weg gemeinsam gehen wollen. Dass wir an unserem erfolgreichen Spielsystem festhalten, was mir persönlich sehr wichtig ist. In diesem Gespräch stand für Alfred bereits fest, dass ich Nachfolger von Marcus werde. Aber gefragt hat er mich nie.

Was hätten Sie denn geantwortet?

 Dass es eine große Ehre für mich sein würde. Ich bin zwar Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft, und war es auch im Jugendbereich regelmäßig, aber noch nie in einer Vereinsmannschaft. Davon habe ich schon als 13-Jähriger geträumt, wie schön es sein könnte, als Kapitän diese Mannschaft in die Halle führen zu dürfen.

Zurück zum System: Ihre Mannschaft durchlebt gerade einen erneuten Umbruch. Glauben Sie, dass der THW weiter erfolgreich sein wird?

 Was das betrifft bin ich tatsächlich besorgt. Aber vielleicht sieht es in drei Wochen ganz anders aus. In der Saison, die wir mit 68:0 Punkten beendeten, wussten wir, dass wir nicht verlieren können, wenn wir unser System beibehalten. Da ging es stets nur darum, an Kleinigkeiten zu feilen. Es muss unser Ziel sein, dieses Niveau wieder zu erreichen.

 Wie werden Sie als Kapitän mit Konflikten umgehen?

 Es ist wichtig, in einer Mannschaft eine Hierarchie zu haben. Die haben wir. Aber ich bin der Letzte, der sich überall einmischt, der glaubt, immer im Recht zu sein. Ich habe mich beispielsweise vor drei Jahren einmal mit Palle (Andreas Palicka, d. Red.) im Training geprügelt. Wir spielten Basketball, waren alle müde, er hat mich gefoult – da sind wir beide von der Leine gegangen. Geschadet hat es unserem Verhältnis nicht. Eingemischt hat sich keiner, auch der Trainer hat nur zugesehen.

Was werden Sie ändern?

 Eine Sache habe ich schon beschlossen: Bislang war es üblich, dass jeder selbst entscheiden konnte, ob er bei der Anreise zu einem Spiel in der Champions League eine Krawatte trägt oder nicht. Ich finde, das geht nicht. Zu einem Anzug gehört eine Krawatte, da können die Kollegen mit mir nur diskutieren, wenn die 40-Grad-Grenze überschritten ist.

 Werden Sie mehr Mitsprache bei Personalentscheidungen haben?

 Ich glaube nicht, dass diese Rolle mit der Binde zusammenhängt. Ich bin zur Verpflichtung von Domagoj Duvnjak (kommt 2014, d. Red.) befragt worden, und wenn einer wissen will, wen ich mir als Nachfolger von Christian Zeitz (geht 2014 nach Veszprem, d.Red.) wünsche, hätte ich dazu auch eine Meinung.

 Welche?

 Ich würde mir das Duo Kim Andersson/Marko Vujin wünschen. Kim kennt unser System sehr gut und passt auch menschlich super zu uns. Mit ihm und Duvnjak wären wir bestens aufgestellt, allerdings hat Kim in Kolding noch einen Vertrag bis 2015.

 Sie haben sich mit Tschechien für die EM in Dänemark qualifiziert, Ihrem Vereinstrainer wäre es wahrscheinlich lieber, Sie hätten dieses Turnier verpasst, um sich in Ruhe auf die Rückrunde vorbereiten zu können...

 ..das ist wohl so. Aber eine Motivation, sich für ein solches Turnier zu qualifizieren, ist auch, dass dann die Vorbereitung mit dem THW im Januar ausfällt. Ich bin nicht traurig darüber, dass ich diesmal fehlen werde, wenn die Kollegen in Schönkirchen bei Minusgraden 20 Mal über die 400-Meter-Bahn rennen. In Dänemark werde ich mich auch fit halten, allerdings in einer warmen Halle.

 Was sagt Ihre Frau Hana dazu, dass durch das neue Amt das Zeitfenster für die Familie noch kleiner werden wird?

 Wir haben darüber im Urlaub intensiv gesprochen. Über unsere Rollen, schließlich haben wir zwei kleine Kinder, unser Leben hat sich zuletzt stark verändert. Wir haben uns viel Zeit genommen, uns zugehört, versucht zu verstehen, was den anderen bewegt. Ich kann diese Rolle in Kiel nur ausfüllen, wenn Hana mir dabei hilft. Wenn sie sich beispielsweise um die Frauen der anderen Spieler kümmert, für sie Ansprechpartnerin ist. Das ist wichtig, auch die Frauen und Familien müssen sich in Kiel wohlfühlen. Ich werde tun, was ich kann, um Zeit für meine Familie zu haben. Darunter wird mein Golfspiel leiden, auch wenn mir das als Ausgleich sehr wichtig ist (lacht).

 Mit wem werden Sie sich denn beraten, wenn Sie ein Problem haben?

 Mit Marcus Ahlm (jetzt Aufsichtsrat, d.Red.) ist der ehemalige Kapitän ja noch immer da. Er wird ein wichtiger Ansprechpartner sein. Ich kenne nur wenige Menschen, die so gut verstehen, wie der Mannschaftssport funktioniert. Marcus ist ein großer Analytiker.

 Was würden Sie sich von ihm noch wünschen?

 Er soll sich immer sofort bei mir melden, wenn er in Kiel ist. Auch wenn er einmal THW-Präsident sein sollte, so viel Zeit muss sein. Macht er das nicht, gibt es Ärger. Und: Ich hoffe, dass er hungrig und kritisch bleibt. Dass er so seinen Teil dazu beiträgt, dass wir den Handball wieder dominieren, die Champions League gewinnen, ein Mythos bleiben. Und nicht eines Tages ein ganz normaler Verein sind, dessen Besonderheit es ist, dass viele Fans zu den Heimspielen kommen.

Das Interview führte Wolf Paarmann. Die komplette Fassung lesen Sie in unserer THW-Saisonbeilage, die in der Sonnabend-Ausgabe am 24. August erscheinen wird.

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