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THW Kiel THW Kiel: Remis bei Paris Saint-Germain
Sport THW Kiel THW Kiel: Remis bei Paris Saint-Germain
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18:11 27.03.2018
Von Tamo Schwarz
Nikola Karabatic (Paris) wirft auf das Tor. Quelle: imago/KevinDomas/Panoramic
Paris/Kiel

Der THW Kiel trifft nach dem 29:29 (11:16) bei Paris Saint-Germain im Achtelfinale auf den ungarischen Vertreter Pick Szeged. Angenehmer Nebeneffekt: das Heimrecht im Achtelfinal-Rückspiel.

Man werde, hatte THW-Abwehrchef Patrick Wiencek nach dem Melsungen-Spiel gesagt, „nicht nur nach Paris fahren, um den Eiffelturm zu sehen“. Was der Kieler Hüne da noch nicht wusste: Mit Christian Zeitz (suspendiert), Domagoj Duvnjak (Wade), René Toft Hansen (Adduktoren), Steffen Weinhold (Oberschenkel) und Rune Dahmke (Schambeinentzündung) traten gleich fünf Zebras den Weg an die Seine gar nicht erst an. Beim Gastgeber, der sich vor dem Match als Gruppensieger bereits souverän direkt für das Viertelfinale qualifiziert hatte, fehlte nur Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer grippekrank.

Dissinger, Nilsson und Vujin beginnen im Rückraum

Ein wenig furchteinflößend ist es schon, wie die PSG auf riesengroßen Transparenten hinter den Toren dreinschauen. Auf der einen Seite legt Nikola Karabatic unter dem Slogan „Rêvons plus grand“ („Größer träumen“) die Stirn in Falten, auf der anderen stellen Mikkel Hansen und Co. unmissverständlich klar: „Ici c’est Paris“ („Hier ist Paris“). Kielce, Veszprém, Flensburg – alle haben gegen den THW gespielt, und vor dem Anpfiff ist klar: Ein Punkt muss her. Für dieses Unterfangen schickt THW-Coach Alfred Gislason Christian Dissinger, Lukas Nilsson und Marko Vujin im Rückraum auf das Feld. Raul Santos und Niclas Ekberg bilden die Flügelzange, Patrick Wiencek am Kreis und Niklas Landin im Tor runden die Start-Sieben ab, in der Ole Rahmel in der Abwehr für Vujin eingewechselt wird und Sebastian Firnhaber an der Seite von Wiencek im Innenblock gefragt ist.

Erste Minute, erste Zeitstrafe gegen die Franzosen. Es trifft Nikola Karabatic, und so richtig protestiert niemand, denn PSG setzt ganz bewusst auf rustikales Spiel mit seiner schnellbeinigen, flexiblen 6:0-Deckung, die immer wieder zu etwas Offensivem mutiert. Luka Karabatic, Nedim Remili stoßen weit raus bis auf neun, zehn Meter, und schnell haben besonders Dissinger und Nilsson von Halblinks aus Probleme. Nach einer Viertelstunde steht es 8:3 für die Hausherren, und doch ist alles anders als vor fast genau einem Jahr am 12. März 2017, als die Zebras hier im Stade Pierre de Coubertin ein 24:42-Desaster erlebten. Anders, denn die Kieler knicken nicht ein, nehmen das Muskelspiel an, bieten den finsteren Gesichtern die Stirn. Ganz schlecht ist das Kombinationsspiel nicht. Einzig die Wurfausbeute lässt wieder einmal zu wünschen übrig. Schön wird der Raum für Dissinger freigespielt, doch der Rechtshänder scheitert an PSG-Torwart Rodrigo Corrales. Paris greift weiter beherzt zu, Wortgefecht zwischen Rahmel und Jesper Nielsen (21.) – hier knallt’s so richtig.

Andreas Wolff pariert drei Siebenmeter

„Weiter beherzt zupacken, besser mit den Chancen umgehen“ – eine Kabinenpredigt von Gislason gibt es nicht. Die Mannschaft habe auch während der ersten 30 Minuten schon „Charakter“ gezeigt. Beim 11:17 (32.) sieht es düster aus. Dann nimmt eine moralische Glanzleistung ihren Lauf. Getragen von Andi Wolff, der unter anderem drei Siebenmeter pariert, spielen sich die Kieler so richtig in Rage. Rahmel ersetzt den irgendwie schwächelnden Ekberg auf Rechtsaußen, Miha Zarabec ordnet das Kieler Angriffsspiel, und Marko Vujin spielt nicht nur seine Erfahrung aus, sondern avanciert mit elf Toren zum besten Kieler Schützen. Der THW hinterläuft das Pariser Abwehrbollwerk, Santos und Rahmel tauchen immer wieder am Kreis auf, wo der Rückraum erst zu selten, dann aber immer konsequenter auch Patrick Wiencek in Szene setzt. Vujins Anschlusstreffer zum 22:23 (48.) in den Winkel ist ein Wurf wie ein Gemälde. Und dann wird es so richtig irre: Dreimal in Folge trifft der junge Schwede Lukas Nilsson – der hatte zuvor vier Fahrkarten gezogen. Kopf ausgeschaltet, abgehoben, rein damit! Wolff pariert gegen Nedim Remili (56.), Nikola Bilyk scheitert am Ex-Kieler Thierry Omeyer (58.), Nilsson sieht Sebastian Firnhaber, Santos wieder stark. Auf einmal führt der THW mit 29:28 (60.), und doch gelingt Luc „Skywalker“ Abalo im Gegenzug der Ausgleich. Handball, wie er dramatischer nicht sein könnt. Und: Dem THW gelingt, was keiner Mannschaft in dieser Saison gelang – ein Punktgewinn in Paris. Gislason: „Ich bin wirklich beeindruckt.“

Liveticker Paris Saint-Germain - THW Kiel:
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