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THW Kiel THW Kiel verliert Derby und Meisterschaft
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19:34 16.05.2016
Von Niklas Schomburg
Marko Vujin fasst sich an den Kopf. Ob es an seiner Leistung lag? Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Der THW begann mit einer offensiven 3:2:1-Deckung, die aber keinen richtigen Zugriff fand. Die Gäste aus Flensburg gingen schnell mit 2:0 in Führung, und die Zebras zogen sich auf eine kompakte 6:0-Formation zurück. Auch im Angriff startete der THW holprig ins Landesderby, gegen die 5:1-Abwehr der SG mit Kentin Mahé auf der Spitze fanden die Zebras zunächst nur schwer ein Mittel. Nach elf Minuten hatten sich die Flensburger etwas abgesetzt, lagen mit 7:3 in Führung.

Man konnte Böses vermuten, denn die Kieler zeigten viele überhastete, unglückliche Aktionen, wirkten nicht voll da. Doch angetrieben von einem wieder einmal überragenden Niklas Landin im Tor, der in den ersten 30 Minuten zehn Paraden zeigte, kam der THW zurück. Im Angriff waren es nun vor allem Domagoj Duvnjak und Niclas Ekberg, die mehr und mehr Akzente setzen konnten und die Zebras beim 8:8 (18.) endgültig ins Spiel zurückgebracht hatten. Doch damit nicht genug: Unterstützt von einer emotionalen, lauten Halle zog der THW an den Gästen vorbei, profitierte von vier Siebenmetern und ebenso vielen Zeitstrafen der SG, zog auf 14:11 davon. Holger Glandorf verkürzte nochmals für Flensburg, mit 14:12 ging es in die Kabinen.

Hier finden Sie Fotos vom Match THW Kiel gegen SG Flensburg Handewitt.

Doch die frenetische Stimmung war in der zweiten Hälfte schnell verflogen: Der THW leistete sich wie schon zu Beginn der Partie einige unnötige Fehler und Ballverluste, der blasse Christian Dissinger und der überfordert wirkende Marko Vujin waren nicht in der Lage, entscheidende Impulse im Angriff der Zebras zu setzen. Flensburg nutzte diese Schwächephase und ging erneut in Führung (17:16 (36.). Prompt folgte die Auszeit von THW-Coach Alfred Gislason.

Freude währte nur kurz

Und die Worte des Isländers schienen gefruchtet zu haben, 90 Sekunden später lagen die Kieler wieder vorn. Doch auch diese Freude währte nur kurz. Als wäre die Luft nach zwei Minuten schon wieder raus gewesen, fielen die Zebras in alte Muster zurück, leisteten sich Ungenauigkeiten und harmlose Abschlüsse am laufenden Band – angefangen mit einem zu lässig abgeschlossenen Tempogegenstoß von Ekberg beim Stand von 19:18 – und sahen sich schnell einem Drei-Tore-Rückstand gegenüber (19:22/43.). Die Konsequenz: erneute Auszeit von Gislason.

Wenig später sahen sich die Kieler gar einem Fünf-Tore-Rückstand gegenüber. Zu leicht erzielte der Flensburger Rückraum, vor allem in Persona Holger Glandorf nun Tore, vorn blieb der THW zu oft hängen. Was nun? Gislason brachte Rune Dahmke, in der Abwehr nahm der Linksaußen den Shooter Glandorf kurz, versuchte so, die Konstanz der leichten Flensburger Tore zu brechen. Das schien zunächst auch zu klappen, ohne ihren Rückraumakteur war der Flensburger Angriff eine Zeit lang zahnlos. Doch auch der THW war an diesem Abend einfach nicht griffig genug, um die SG nochmal in Gefahr zu bringen.

Zwei Aufreger hatten die letzten zehn Minuten trotz kontinuierlicher Führung der Flensburger zu bieten, an beiden waren die insgesamt schwachen Schiedsrichter Schulze/Tönnies aus Magdeburg beteiligt: Christian Dissinger sah in der 57. Minute die Rote Karte nach Foulspiel an Flensburgs Mahé – eine schwer zu beurteilende Szene, da der Franzose in Diensten der SG für eine gewisse Theatralik bekannt ist, Dissinger ihn aber zweifellos traf. Die Schiedsrichter zückten nach kurzer Beratung Rot. Nummer zwei: Einen Ball auf den Flensburger Kasten begrub Torhüter Mattias Andersson unter sich – aus Sicht der meisten Kieler Fans war der Ball hinter der Linie. Andersson sagte nein, die Schiedsrichter schlossen sich dieser Meinung an.

So sollte es keine Kieler Aufholjagd geben, die SG brachte ihren Vorsprung über die Zeit, auch wenn dieser zwischenzeitlich auf zwei Tore zusammengeschmolzen war (24:26/57.). In den letzten drei Minuten blieb es dabei. Der THW war an diesem Abend einfach nicht stark genug, die SG nahm die zwei Punkte nicht unverdient mit an die nördlichere Förde. Damit ist endgültig klar: Der Zug Meisterschaft fährt in diesem Jahr ohne den THW ab. Erster Verfolger der Rhein-Neckar Löwen bleibt die SG Flensburg-Handewitt mit einem Punkt Rückstand. Sollten die Löwen in den verbleibenden drei Spielen verlieren, hätte die SG noch eine Chance.

Statistik

THW Kiel: Landin (1.-60. Minute/18 Paraden), Katsigiannis (bei einem 7m/0) – Duvnjak 6, Mamelund n.e., Dissinger 2, Wiencek 2, Ekberg 7/5, Cañellas, Dahmke, Jaanimaa 3, Klein 4, Brozovic, Vujin 2.

SG Flensburg-Handewitt: Andersson (1.-60. Minute/14 Paraden), Møller (bei einem 7m/0) – Karlsson, Glandorf 5, Mogensen 6, Svan 3, Wanne 3, Djordjic, Jakobsson, H. Toft Hansen 1, Gottfridsson 2, Mahé 6/5, Kozina 2.

Schiedsrichter: Robert Schulze/Tobias Tönnies (Magdeburg) – Strafminuten: THW 8 (Duvnjak, Ekberg, Wiencek, Dissinger), SG 18 (Svan, Mahé, Jakobsson, Toft Hansen, 2x Karlsson, 2x Kozina, Mogensen) – Rote Karte: Dissinger (57.; grobes Foul) – Siebenmeter: THW 5/5, SG 5/3 – Spielfilm: 0:2, 2:5 (6.), 3:7, 5:7 (12.), 8:8 (18.), 11:10 (25.), 14:11, 14:12 – 16:14 (34.), 16:17 (36.), 19:18, (40.), 19:22 (43.), 20:25 (49.), 22:26, 24:26 (57.), 24:28, 26:28 – Zuschauer: 10.285 in der Sparkassen-Arena.

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