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Steffen Weinhold: Raffis Achterbahnfahrt

KN-Sportlerwahl 2016, 1. Platz Steffen Weinhold: Raffis Achterbahnfahrt

Das vergangene Jahr glich für Steffen Weinhold einer Achterbahnfahrt. „Das war schon ein Wechselbad der Gefühle“, sagt Kiels Sportler des Jahres 2016. Er meint damit nicht nur sich selbst, seine zwölf Monate zwischen privatem Glück und Verletzungen, die ihn sportlich immer wieder zurückwarfen.

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Kiels Sportler des Jahres Steffen Weinhold kämpfte sich im vergangenen Jahr nach Verletzungen immer wieder zurück, will im März wieder für den THW Kiel auf der Platte stehen und jubeln.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Sondern auch die Momente zwischen großem Jubel und Enttäuschung beim THW Kiel und in der Nationalmannschaft. Mit den Zebras der Einzug ins Final Four der Champions League und dann das Halbfinal-Aus nach Verlängerung, am Ende eine titellose Saison. Mit den „Bad Boys“ der Gewinn des Europameistertitels und der olympischen Bronzemedaille, aber auch das Scheitern in letzter Sekunde im Halbfinale von Rio. Highlights und Rückschläge, hin und her, gewinnen und verlieren. Und immer wieder zurückkämpfen.

 Auch im Februar 2017 ist Weinhold auf dem Weg zurück. Zwölf Wochen Pause nach Syndesmoseriss lautete die Prognose Anfang Dezember. „Ich bin auf einem guten Weg“, sagt der 30-Jährige, der die deutsche Nationalmannschaft vor gut einem Jahr als Kapitän zum EM-Titel führte. „Das Turnier war eine große Herausforderung ohne viele Stammkräfte“, erinnert er sich. „Aber wir haben uns hineingekämpft.“ Im Hauptrundenspiel gegen Russland warf sich Weinhold kurz vor Schluss bedingungslos in einen Zweikampf, opferte sich für den Erfolg des Teams. Mit einem Muskelabriss im Adduktorenbereich war er danach zum Zuschauen verdammt. „Das war natürlich ein Wermutstropfen“, sagt er. „Aber der Titelgewinn überwiegt definitiv.“

 Es folgten zwei Monate Reha, Aufbautraining, Behandlungen. Zwei Monate, in denen Weinhold an seinem Körper und der Rückkehr arbeitet, die manchmal eintönig sind, wie er verrät. „In so einer Zeit ist man mehr Einzel- als Mannschaftssportler. Und man hat es sich ja ausgesucht, in einem Team Sport zu betreiben, das vermisst man dann“, erklärt er. Dieses Gefühl, nicht helfen zu können, bei Heimspielen in der Arena auf der Tribüne zu sitzen statt auf der Platte zu stehen, also „am falschen Platz zu sein“ – das kann nerven. Endlich, im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona ist Weinhold wieder da. Und wird gleich wieder zurückgeworfen. Raul Entrerrios tritt ihm auf die rechte Hand, Weinhold spielt weiter, läuft auch im Rückspiel auf, schafft den Final-Four-Einzug. Doch danach muss die gebrochene Hand operiert werden, wieder sind es fünf Wochen Pause. Immerhin: Der Linkshänder kann seine Master-Arbeit am heimischen Arbeitsplatz schreiben, muss nicht in Bus und Flugzeug an den Laptop.

 Rechtzeitig für Olympia ist er wieder fit, absolviert sein Kolloquium zur Master-Arbeit direkt vor der Abreise nach Rio, fliegt als frisch gebackener Sportökonom nach Brasilien. Und kehrt mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück, mit Bronze, aber auch mit der Erinnerung an die bittere Niederlage gegen Frankreich im Halbfinale. Auch deshalb sagt er: „Bei allen Titeln, die wir gewonnen haben, haben wir auch oft große Spiele verloren. Es liegt immer alles nah beieinander.“ Höhen und Tiefen, Freud und Leid.

 Viel Freud erlebte „Raffi“ 2016 abseits des Handballfeldes: Das abgeschlossene Studium, die Hochzeit mit Freundin Ina, die Geburt von Söhnchen Jakob.

 Das nächste Leid folgte Anfang Dezember. Wieder verletzt, wieder Reha, wieder nur Zuschauen, wieder wenig Kontakt zur Mannschaft. „Ich habe so viele Termine, meine Tage sind vollgepackter als wenn ich nicht verletzt wäre. Es sind nur weniger Reisen“, sagt er. Dazu kommt auch noch schlechtes Timing. „Ich bin irgendwie immer verletzt, wenn wir viele Heimspiele haben, und fit, wenn wir viel reisen müssen – das hätte ich gern andersherum“, sagt Weinhold lachend. Natürlich mache er sich Gedanken über die Verletzungen. „Aber wenn man das zusammenzählt in meinen jetzt zehn Jahren Bundesliga, waren es wenige. Wenn das die nächsten zehn Jahre genau so viele werden, würde ich das sofort unterschreiben“, sagt er.

 Weinhold blickt positiv auf 2016 zurück. Und er freut sich sehr über die Wahl zu Kiels Sportler des Jahres – „auch wenn ich es Niklas Landin sehr gegönnt hätte“, sagt er. „Es ist eine große Ehre, vor allem wenn man sieht, wer diese Wahl in den vergangenen Jahren gewonnen hat.“ Weinhold, der Teamplayer, der Kämpfer. Im März will er für den THW wieder auf der Platte stehen. Am richtigen Platz.

Die Preisverleihung findet am Mittwoch in der Sparkassen-Arena nach dem Match THW Kiel gegen KC Veszprém statt.

Wahlergebnis 2016

Damen

1. Angelique Kerber (Tennis) 9530 Punkte

2. Maya Rehberg (Leichtathle.) 3349

3. Frida Hämmerling (Rudern) 2579

4. Marie Arnold (Rudern) 2189

5. Anjuli Knäsche 2011

6. Carolina Werner (Segeln) 1959)

7. Jule Wirlmann (Tischtennis) 1647

8. Nancy Prievenau (Kegeln) 1329

Herren

1. Steffen Weinhold (Handball) 4955

2. Niklas Landin (Handball) 3887

3. Dominick Drexler (Fußball)1953

4. Patrick Herrmann (Fussball)1757

5. Lennard Biere (Leichtathletik) 1552

6. Thiadric Hansen (Football) 1499

7. Eric Heil/Th. Plößel (Segeln) 1493

8. Vincent Langer (Surfen) 1440

9. Chris McClendon (A. Football) 1252

10. Dominic Ressel (Judo) 1196

11. Tom T. Schuur (Rolltanzen) 1141

12. Daniel Michel (Rugby) 932

13. Paul Kohlhoff (Segeln) 872

14. Da.&Be. Poniewaz (Beachvol.) 611

 

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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