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Digitale Woche Kiel 2017 Die Stadt der Zukunft denkt mit
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09:46 16.09.2017
Von Jonas Wirth
Bestes Beispiel einer vernetzten Stadt: Die Solar-Mülleimer „Big Belly Solar“ melden sich über das Mobilfunknetz beim Abfallwirtschaftsbetrieb, wenn sie geleert werden müssen. Quelle: Christoph Jürgensen (Archiv)

Die Straßenlaterne ist Lichtquelle, E-Auto-Ladebuchse und WLAN-Hotspot zugleich. Außerdem überwacht sie den Verkehrsfluss: Ampeln verwenden die Daten, um je nach Verkehrslage auf Grün zu schalten. Ein Hundehalsband kann erkennen, dass der Hund krank wird. Es gleicht den Kalender des Herrchens direkt mit dem des Tierarztes ab und macht eigenständig einen Termin.

Klingt nach einer Zukunftsvision. Noch. Denn überall auf der Welt arbeiten Wissenschaftler an der perfekten, der schlauen Stadt. Einer Stadt in der alles mit allem kommuniziert und alles miteinander vernetzt ist. Die erhofften Folgen: effizienter, sicherer, grüner und bequemer soll alles werden. „Smart City“ heißt die Vision, die mit Veränderungen in allen Bereichen – Verwaltung, Arbeitsplatz, Mobilität, Umwelt – die Stadt nach und nach moderner machen soll.

Dass die Digitalisierung unsere Städte verändern wird, weiß auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Die Gestaltung des ausgelösten Wandels ist ein großes Stadtentwicklungsprojekt, das nahezu alle Bereiche des Zusammenlebens betrifft: Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Kultur und Politik.“ Ein perfektes Beispiel für Smart-Cities steht seit einigen Jahren auch in Kiel: Die Solar-Mülleimer „Big Belly Solar“ melden sich über das Mobilfunknetz beim Abfallwirtschaftsbetrieb, wenn sie geleert werden müssen. Mit der Digitalen Woche wird Kiel noch ein wenig „smarter“, etliche Veranstaltungen widmen sich dem Thema.

Estland als "Smart Country"

Im Atelierhaus im Anscharpark geht der Blick dabei nach Osten: Estland gilt in der Technik-Branche als Vorbild, wird oft sogar „Smart Country“ genannt. Am morgigen Sonntag erörtert deshalb ein Mitglied des estnischen Parlaments auf dem Podium mit Ulf Kämpfer, was sich Deutschland noch von dem baltischen Staat abschauen kann (Heiligendammer Straße 15, 13 bis 15.15 Uhr).

Im Haus Einstein gibt es am Sonntag Vernetzung zum Anfassen. Unter den ausgestellten Mini-Projekten ist auch ein Roboter, der auf Sprachsteuerung reagiert. (15 bis 18 Uhr). Im Camp 24/7 zeigt das IT-Unternehmen Addix, das auch für das #SH_WLAN verantwortlich ist, wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussieht und was die Amazon-Sprachassistentin Alexa in Zukunft alles ermöglichen wird (Donnerstag bis Sonnabend, 21. bis 23. September, 10 bis 18 Uhr).

Bei „Bauer sucht Cloud“ zeigt das Forum Moderne Landwirtschaft, was Smartphone und Computer mit Melkmaschinen und Stallpflege zu tun haben (Donnerstag, 21. September, 15 bis 18.30 Uhr, Camp 24/7). Ganz konkret wird es bei der Prototyping Week: Im Verlauf der Woche kann jeder seine eigene Idee zur Digitalisierung der Stadt Kiel bis zur Marktreife entwickeln. Professionelle Coaches und andere Interessierte helfen bei der Umsetzung (Montag bis Freitag, jeweils von 9 bis 18 Uhr, Kuhnkestraße 6, Anmeldung erforderlich).

Risiken und Nebenwirkungen

Bei so viel Vernetzung sei jedoch auch Datenschutz ein essenzielles Thema, sagt Ulf Kämpfer. „Es ist wichtig, auch über Risiken und Nebenwirkungen zu sprechen.“ Während der Digitalen Woche übernimmt diese Aufgabe das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD). In einem Vortrag wird gezeigt, wie Smartphone und PC ihre Nutzer ausspionieren (Mittwoch, 20. September, 16 bis 17 Uhr, Holstenstraße 98). Am Freitag geht es im ULD darum, was der smarte Fernseher über seinen Besitzer weiß (14 bis 15 Uhr). Bei „Entscheide Du – sonst tun es andere für Dich!“ lernen Schüler ihre Rechte im Internet kennen, das Motto des Workshops im ULD: Was geht mich Datenschutz an? (Mittwoch, Donnerstag und Freitag, 9 bis 10.30 Uhr, für aller Veranstaltungen des ULD ist eine Anmeldung erforderlich).

Ein breites Programm also, das Kiel einen Schritt näher an das Smart-City-Konzept bringen soll. Die Marschroute ist für Oberbürgermeister Kämpfer klar: „Digitalisierung sollte sich in jedem Fall am Wohl der Menschen ausrichten und zur Verbesserung der Lebensqualität führen. Wenn sie dann noch hilft, den Energieverbrauch zu senken und die Umwelt zu verbessern, dann stimmt die Richtung.“

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Professorin für Design, Leiterin des Design Research Lab an der Universität der Künste in Berlin, Aufsichtsratmitglied von SAP, Digital-Botschafterin der Bundesrepublik – es gibt kaum jemanden, der sich mit dem Thema Digitalisierung besser auskennt als Gesche Joost. Dass die gebürtige Kielerin die erste Digitale Woche in ihrer Heimat eröffnen wird, ist deshalb ein Glücksfall.

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