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Was macht das Digitale mit der Familie?

Denkschiff Was macht das Digitale mit der Familie?

Workshops mit Wissenschaftlern und Juniorexperten: Die Stadt lädt am Freitag, 22. September, zur Digitalen Woche auf das „Denkschiff“ ein, wo Jugendliche und Erwachsene zum Thema „Digitale Zukunft – Visionen für das Familienleben“ diskutieren.

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Marmeladenbrote, Obst und eine große Portion Digitales zum Frühstück: Der Blick in das Smartphone und das Tablet ist Standard in vielen deutschen Familien.

Quelle: Fotolia / nito

Kiel. Morgens um halb zehn am Küchentisch: Mutter, Vater, Kind sitzen beim Sonntagsfrühstück. Die Eltern wollen sich unterhalten, doch der Versuch, ein Gespräch über Schule, Liebesleben, Gott und die Welt zu beginnen, scheitert bereits am Augenkontakt. Der Sohn schaut sich die Aktivitäten der Freunde auf Snapchat an, die Tochter tippt eine Nachricht nach der anderen in ihr Smartphone – die Whatsapp-Gruppe mit Freunden will schließlich gefüttert werden.

„Diese Situation kennt jede Familie“, sagt Ulrich Bähr von der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein, „und deswegen wollen wir wissen: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf unser Familienleben aus?“ Im Rahmen der Digitalen Woche geht die Veranstaltung „Digitale Zukunft – Visionen für das Familienleben“ dieser Frage auf den Grund.

Digitalisierung auf dem Fördedampfer Laboe

Denn laut Bähr stellen sich überall in Deutschland Eltern die gleiche Frage: Was tun in solchen Situationen? Wie so oft bei Zwischenmenschlichem sehen Experten die Lösung im Reden. Miteinander reden, Groß und Klein, Perspektiven wechseln, sich aufeinander einlassen. Und nicht nur, weil es gut zu Kiel passt, sondern auch weil sich so keiner aus der Situation stehlen kann, findet das Ganze auf einem Schiff statt – dem Denkschiff: „Da kommt keiner so schnell wieder weg“, scherzt Bähr. Das Denkschiff ist der für diesen Anlass umgewidmete Fördedampfer „Laboe“. Während der Fahrt auf der Kieler Förde sollen Jugendliche und Erwachsene auf dem „Denkschiff“ gemeinsam mit Wissenschaftlern das Familienleben im Zeitalter der Digitalisierung beleuchten. „Zu diesem Thema kann jede Familie eine Geschichte erzählen“, so Bähr.

Je nach persönlichem Interesse – man könnte auch sagen, je nach persönlicher Not – wählen die Teilnehmer der Fahrt eine Arbeitsgruppe aus, in der sie mitdiskutieren, Ideen entwickeln oder sich auch einfach mal den Frust von der Seele reden können.

"Familienchats aus der Hölle"

Die Eröffnungsrede hat den Titel „Whatsapp-Familienchats aus der Hölle“, die Workshops haben Titel wie „Social Media und Familie“, „Papa hat nicht immer recht – Wissen online finden und werten“ und „Das Ende des Lagerfeuers – Familienfernsehen im Zeitalter von Netflix“. Bähr verspricht: Der Name ist Programm. „Eltern, Jugendliche und Wissenschaftler tauschen sich über ihre Erfahrungen aus, jeder erzählt, wie es ihm geht“, so Bähr. Letztendlich werde es aber nicht darum gehen, Gefühle nur zu benennen, sondern auch darum, sie zu hinterfragen. Bähr: „Als Eltern sehen Sie nur, wie ihr Kind aufs Handy blickt. Aber wieso ist es denn so schwierig für ihn oder sie, das Handy wegzulegen? Vielleicht gibt es ja einen Grund, den Sie sogar nachvollziehen können.“ Ein bisschen Wissenszuwachs, ein bisschen Lebenshilfe.

Wissenschaftler und digital natives

Zu den Experten gehören unter anderem Willem Strank, Medienwissenschaftler an der Christian-Albrechts-Universität, und Jeannette Bischkopf, Professorin für Psychologie und Gruppendynamik von der Fachhochschule Kiel. Dass die Veranstaltung hie und da an eine Therapiesitzung erinnert, kommt nicht von ungefähr. Hemmungen braucht man aber trotzdem nicht zu haben. „Denn in jedem Workshop sitzt ein Juniorexperte – und das sind die wirklich kompetenten“, sagt Bähr. Mit Juniorexperten sind ganz normale Teenager gemeint, „digital natives“, wie man sie auch nennt.

Martina Hansen, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Kiel, betont, dass es sich beim Denkschiff nicht um ein Pädagogikformat handelt. „Es geht nicht um Fragen wie: Welche Handyzeiten führe ich für meine Kinder ein? Wir wollen ganz einfach den Austausch. Digitalisierung zwischen den Generationen gedacht.“ Daher auch die symbolische Aussagekraft des Schiffs: „Alle bleiben beieinander“, so Hansen.

Die Fahrt startet am Freitag, 22. September, um 18 Uhr am Fähranleger Reventlou und endet dort um 21 Uhr. Teilnahme ab 14 Jahren, Anmeldungen unter: www.kiel.de/denkschiff

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