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Warum Schulen nicht digitaler sind

Ein Beispiel aus Kiel Warum Schulen nicht digitaler sind

Erklärtes Ziel der Kultusminister dieser Republik ist es, dass Schüler in allen Fächern lernen, kompetent mit digitalen Technologien umzugehen. Doch wollen die Schulen digitaler werden, ja selbst wenn sie vom Land gefördert werden, stehen sie vor vielen Hindernissen. Ein Beispiel aus Kiel.

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So sieht es aus, wenn alles optimal läuft: An der Kieler Vorzeigeschule für digitales Lernen, der Goethe-Gemeinschaftsschule, arbeiten alle Klassen mit WLAN, Tablets und digitalen Wandtafeln.

Quelle: Thomas Eisenkraetzer

Kiel. Im Kieler Ernst-Barlach-Gymnasium (EBG) wird noch mit Lehrbuch, Kopie, Kreide und Füller gearbeitet. Das liegt nicht etwa am fehlenden Willen, Wissen oder Engagement. Ginge es nach dem Wunsch der Schulleitung, hätte das digitale Zeitalter in den Klassenzimmern längst Einzug gehalten. Doch der Digitalisierungsprozess ist zäh.

Dabei ist das EBG in der Entwicklung schon weiter als viele andere Schulen. „Wir haben eine kärgliche Ausstattung“, zeigt sich der stellvertretende Schulleiter Dieter Schmarbeck bescheiden: „Einige interaktive Tafeln, Dokumentenkameras, Computer und Beamer, aber uns fehlt die komplette Infrastruktur.“ Im Herbst 2016 machte sich die Schule gezielt auf den Weg, die Digitalisierung auszubauen.

„Es war uns wichtig, dass wir Schüler, Eltern und Lehrer mit im Boot haben“, stellt Schulleiter Christian Stegmann klar. Zusammen wurde ein pädagogisches Konzept entwickelt, in dem deutlich wird, dass die Digitalisierung an dieser Schule kein Selbstzweck ist: „Die Schüler müssen einen echten Gewinn haben, der Unterricht muss besser und effizienter werden“, so Stegmann. Die Schule wolle keiner Mode hinterherlaufen, „denn so etwas verpufft und ändert sich ständig, da kann eine Schule ohnehin nicht mithalten“.

Im Dezember 2016 bewarb sich das EBG bei einer Ausschreibung des Landes als Modellschule für digitales Lernen und erhielt den Zuschlag für eine Förderung von 20.000 Euro. „Damit bauen wir jetzt ein gutes WLAN-Netz auf“, berichtet Schmarbeck. „Die Anschlüsse werden gerade gelegt.“ Das Geld reiche aber nicht für Geräte, ja nicht mal für WLAN in der ganzen Schule, sondern nur für die Oberstufenschüler im Hauptgebäude. „Mit ganz engem finanziellen Spielraum versuchen wir, so gut es geht, die digitale Bildung umzusetzen“, berichtet Lehrer Malte Klein. Dies funktioniere nur über das Prinzip: „Bring your own device“, also jeder Schüler müsse sein eigenes mobiles Endgerät mitbringen. Alles andere sei utopisch: Bei 800 Schülern und über 70 Lehrern würde die Anschaffung von Laptops am Ende bei einer Million Euro liegen, rechnen die Lehrer vor. „Die Wartung eines solchen Systems ist enorm aufwendig. Firmen, die 1000 Mitarbeiter haben, unterhalten eine ganze IT-Abteilung.“ Die Schulrealität ist davon weit entfernt: Das Schulbudget, von dem das Gymnasium nicht nur seinen IT-Bereich bezahlen müsse, sondern auch die Reinigung der Schule, die Ausstattung etwa mit Lehrbüchern, Möbeln und Reparaturen, liege bei rund 110.000 Euro pro Jahr.

Die einmalige 20.000 Euro-Förderung ist laut Schulleiter Stegmann zwar eine Chance, „aber in einem System, das immer unterfinanziert ist, können diese Gelder nur ein allererster Anfang sein. Wenn sich eine Gesellschaft für digitales Lernen entscheidet, dann muss sie auch richtig Geld in die Hand nehmen, um das zu finanzieren“. Denn neben der technischen Ausrüstung müssten auch die personellen Ressourcen bereitgestellt werden: „Das können wir als Lehrer nicht mal eben mitmachen.“ Es brauche Systemadministratoren, IT-Experten, Medienberater. „Da entsteht vielleicht eine völlig neue Profession an Schulen.“ Bisher aber hänge die digitale Entwicklung einer Schule von dem Zufall ab, ob dort Lehrer unterrichten mit dem nötigen persönlichen Können und Engagement. Die Schüler des EBG haben Glück. An ihrem Gymnasium macht sich neben der Schulleitung Malte Klein für die digitale Sache stark. Er ist nicht nur Lehrer, sondern parallel Medienberater am Institut für Qualitätsentwicklung (IQSH) und Lehrbeauftragter an der Uni Kiel. Stegmann gibt zu bedenken: „Nicht jede Schule hat einen Herrn Klein.“

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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