Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Digitale Woche Kiel 2017 Warum Schulen nicht digitaler sind
Veranstaltungen-Kiel Digitale Woche Kiel Digitale Woche Kiel 2017 Warum Schulen nicht digitaler sind
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 22.07.2017
Von Karen Schwenke
So sieht es aus, wenn alles optimal läuft: An der Kieler Vorzeigeschule für digitales Lernen, der Goethe-Gemeinschaftsschule, arbeiten alle Klassen mit WLAN, Tablets und digitalen Wandtafeln. Quelle: Thomas Eisenkraetzer

Im Kieler Ernst-Barlach-Gymnasium (EBG) wird noch mit Lehrbuch, Kopie, Kreide und Füller gearbeitet. Das liegt nicht etwa am fehlenden Willen, Wissen oder Engagement. Ginge es nach dem Wunsch der Schulleitung, hätte das digitale Zeitalter in den Klassenzimmern längst Einzug gehalten. Doch der Digitalisierungsprozess ist zäh.

Dabei ist das EBG in der Entwicklung schon weiter als viele andere Schulen. „Wir haben eine kärgliche Ausstattung“, zeigt sich der stellvertretende Schulleiter Dieter Schmarbeck bescheiden: „Einige interaktive Tafeln, Dokumentenkameras, Computer und Beamer, aber uns fehlt die komplette Infrastruktur.“ Im Herbst 2016 machte sich die Schule gezielt auf den Weg, die Digitalisierung auszubauen.

„Es war uns wichtig, dass wir Schüler, Eltern und Lehrer mit im Boot haben“, stellt Schulleiter Christian Stegmann klar. Zusammen wurde ein pädagogisches Konzept entwickelt, in dem deutlich wird, dass die Digitalisierung an dieser Schule kein Selbstzweck ist: „Die Schüler müssen einen echten Gewinn haben, der Unterricht muss besser und effizienter werden“, so Stegmann. Die Schule wolle keiner Mode hinterherlaufen, „denn so etwas verpufft und ändert sich ständig, da kann eine Schule ohnehin nicht mithalten“.

Im Dezember 2016 bewarb sich das EBG bei einer Ausschreibung des Landes als Modellschule für digitales Lernen und erhielt den Zuschlag für eine Förderung von 20.000 Euro. „Damit bauen wir jetzt ein gutes WLAN-Netz auf“, berichtet Schmarbeck. „Die Anschlüsse werden gerade gelegt.“ Das Geld reiche aber nicht für Geräte, ja nicht mal für WLAN in der ganzen Schule, sondern nur für die Oberstufenschüler im Hauptgebäude. „Mit ganz engem finanziellen Spielraum versuchen wir, so gut es geht, die digitale Bildung umzusetzen“, berichtet Lehrer Malte Klein. Dies funktioniere nur über das Prinzip: „Bring your own device“, also jeder Schüler müsse sein eigenes mobiles Endgerät mitbringen. Alles andere sei utopisch: Bei 800 Schülern und über 70 Lehrern würde die Anschaffung von Laptops am Ende bei einer Million Euro liegen, rechnen die Lehrer vor. „Die Wartung eines solchen Systems ist enorm aufwendig. Firmen, die 1000 Mitarbeiter haben, unterhalten eine ganze IT-Abteilung.“ Die Schulrealität ist davon weit entfernt: Das Schulbudget, von dem das Gymnasium nicht nur seinen IT-Bereich bezahlen müsse, sondern auch die Reinigung der Schule, die Ausstattung etwa mit Lehrbüchern, Möbeln und Reparaturen, liege bei rund 110.000 Euro pro Jahr.

Die einmalige 20.000 Euro-Förderung ist laut Schulleiter Stegmann zwar eine Chance, „aber in einem System, das immer unterfinanziert ist, können diese Gelder nur ein allererster Anfang sein. Wenn sich eine Gesellschaft für digitales Lernen entscheidet, dann muss sie auch richtig Geld in die Hand nehmen, um das zu finanzieren“. Denn neben der technischen Ausrüstung müssten auch die personellen Ressourcen bereitgestellt werden: „Das können wir als Lehrer nicht mal eben mitmachen.“ Es brauche Systemadministratoren, IT-Experten, Medienberater. „Da entsteht vielleicht eine völlig neue Profession an Schulen.“ Bisher aber hänge die digitale Entwicklung einer Schule von dem Zufall ab, ob dort Lehrer unterrichten mit dem nötigen persönlichen Können und Engagement. Die Schüler des EBG haben Glück. An ihrem Gymnasium macht sich neben der Schulleitung Malte Klein für die digitale Sache stark. Er ist nicht nur Lehrer, sondern parallel Medienberater am Institut für Qualitätsentwicklung (IQSH) und Lehrbeauftragter an der Uni Kiel. Stegmann gibt zu bedenken: „Nicht jede Schule hat einen Herrn Klein.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die „Digitale Wirtschaft“ gilt als der Arbeitsmarktsektor, dem die Zukunft gehört – auch in Kiel. Doch wie viele Arbeitsplätze entfallen bereits auf diesen Bereich? Und mit welchen Problemen haben die Unternehmen zu kämpfen?

Kristian Blasel 13.07.2017

Die runde Zahl ist auf der Zielgeraden gefallen, der Countdown läuft: Mit 200 Angeboten geht die erste Digitale Woche Kiel in die Phase der engeren Programmkoordination. Kathrin Reinicke, Kieler Wirtschaftsförderung, zeichnet dafür verantwortlich und ist von den Veranstaltungen begeistert.

Niklas Wieczorek 07.07.2017

Am Abend vor dem Programmschluss hat Oberbürgermeister Ulf Kämpfer deutlich gemacht, dass er mit der Digitalen Woche Kiel 2017 ein nachhaltiges Event schaffen will. Mindestens fünfstellig sollten die Besucherzahlen sein, sagte er am Donnerstag im Wissenschaftszentrum vor den Digital Media Women.

Niklas Wieczorek 30.06.2017
Anzeige