Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Digitale Woche Kiel 2017 Auch digital zählen weibliche Stärken
Veranstaltungen-Kiel Digitale Woche Kiel Digitale Woche Kiel 2017 Auch digital zählen weibliche Stärken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 10.08.2017
Frauen in der Digitalbranche sind noch in der Minderheit. Wegen ihrer Sozialkompetenz sind sie auf den Arbeitsmarkt aber sehr gefragt. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Grund dafür sei, dass Frauen in der Regel über mehr Empathie und soziale Fähigkeiten verfügen als Männer. "Alle Tätigkeiten, die soziale Fähigkeiten und emotionale Intelligenz erfordern, lassen sich nicht so leicht digitalisieren und automatisieren", sagt Christiane Krieger-Boden, Wirtschaftswissenschaftlerin am IfW und eine Mitautorin der Studie. Gefährdet seien dagegen Jobs, die aus standardisierten, sich wiederholenden Arbeitsschritten bestehen.

Generell sind Geringqualifizierte stärker gefährdet als Höherqualifizierte, Männer aber in beiden Fällen stärker als Frauen – so das Ergebnis der Studie. Gut ausgebildete Frauen könnten von der Digitalisierung also profitieren und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt gegenüber Männern enorm vergrößern. "Frauen sollten ihre soziale Fähigkeiten nutzen und mit digitalen Kenntnissen kombinieren. Wenn sie da gut drin sind und außerdem ihre soziale Fähigkeiten erhalten, dann können sie gute Positionen auf dem Arbeitsmarkt erreichen damit", erläutert Krieger-Boden.

Positive Haltung zu Mint-Fächern nötig

Um das zu erreichen, müssten in Deutschland aber die Ausbildung im Bereich der Digitalisierung verbessert werden – für Männer und für Frauen. Gerade Fähigkeiten in den sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) würden die Chancen auf dem digitalisierten Arbeitsmarkt verbessern. Hier sind Frauen aber immer noch deutlich unterrepräsentiert. "Generell muss man sich darum bemühen, dass Frauen und Mädchen den Mint-Fächern gegenüber aufgeschlossen sind", sagt Krieger-Boden. Schon im Kindergarten und der Grundschule müsse den Mädchen eine positive Haltung gegenüber diesen Fächern vermittelt werden.

Darin sieht auch Doris Weßels, Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Kiel, die größte Herausforderung. Im Rahmen der Initiative Diwish (Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein) setzt sie sich für die Förderung von Frauen in der Branche ein. Im Moment sei es so, dass sich Frauen manchmal sogar schämen, wenn sie Informatik studieren, sagt Weßels. Die entscheidende Frage sei daher, wie man die Wahrnehmung bei Mädchen und Frauen verändern könne. "Aus meiner Sicht muss das über Vorbilder gehen", sagt die Professorin. Frauen, die in der IT-Branche arbeiten, dort erfolgreich und glücklich sind, sollten in den Schulen davon berichten.

Verdienstmöglichkeiten sind gut, Arbeitszeiten paradiesisch

Derzeit sei es so, dass der Branche ein negatives Image anhafte. Völlig zu unrecht, wie Weßels findet. "Das Berufsfeld ist extremst vielfältig und hat auch viele kreative Komponenten." Die Kreativwirtschaft und die IT- und Medienbranche verschmelzen zudem immer mehr, was die Branche sicherlich auch für Frauen attraktiver mache.

Für viele Bereiche suchten die Personalabteilungen großer Firmen schon jetzt ausdrücklich Frauen – auch wegen ihrer sozialen Fähigkeiten. "Gerade für den direkten Umgang mit Kunden sind Frauen aus der Sicht der Personaler deshalb besser geeignet. Sie haben in der Regel eine größere Empathie, hören besser zu und verstehen, was der Kunde wirklich braucht", sagt Weßels.

Außerdem sei Geschlechterdiversität unter den Mitarbeitern für viele Unternehmen wichtig. Auch deshalb werden Frauen händeringend gesucht, erzählt Weßels. "Für Frauen sind die beruflichen Aussichten in der IT-Branche wirklich rosig. Auch weil die Frauen, die es dort gibt, von den Unternehmen auf verschiedene Arten gefördert und unterstützt werden." Zudem seien die Verdienstmöglichkeiten gut und die Arbeitszeiten geradezu paradiesisch. In Teilzeitmodellen zu arbeiten oder von zu Hause aus sei in der Branche üblich. "Man kann dort völlig flexibel arbeiten", sagt Weßels.

Von Anne-Kathrin Steinmetz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Kieler Waterkant, fast unbebaut, sodass sich Kreative an der Gestaltung austoben können? Schon ab dem 10. August soll das möglich sein – zumindest virtuell: Dann lädt die Kieler Wirtschaftsförderung (Kiwi) für drei Tage zum „Kieler Förde Minecraft Camp“.

Niklas Wieczorek 05.08.2017

Der Anfang vieler digitaler Unternehmen liegt in WG-Küchen, wo über dem Laptop getüftelt wird. Nimmt eine Idee Fahrt auf und Kunden oder Investoren sollen empfangen werden, müssen Gründer sich nach einem Firmensitz umsehen. So ein Ort der Innovationen soll bald das „Fleet7“ in Kiel sein.

Anne Holbach 03.08.2017

Sie sollen in weniger als 30 Stunden ein digitales Produkt für die Gesundheitsbranche programmieren: Etwa 100 Spezialisten haben sich bereits für den "Healthcare Hackathon" angemeldet, einer der Höhepunkte der Messe "Gesundheit morgen" am 22. und 23. September in der Sparkassen-Arena Kiel.

Niklas Wieczorek 26.07.2017