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Digitale Woche Kiel 2017 Gutes Netzwerk ist wichtiger als Macht
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08:00 19.09.2017
Von Anne Holbach
Christiane Brandes-Visbeck hat ein „Digital Leadership Canvas“ entwickelt. Ihr Instrument, um das eigene Führungsverhalten zu hinterfragen, stellt sie am Mittwoch, 20. September, in einem Workshop auf der Digitalen Woche Kiel vor. Quelle: Ahoi Consulting
Kiel

Für ihr Buch „Netzwerk schlägt Hierarchie“ hat Christiane Brandes-Visbeck zahlreiche Unternehmenslenker wie Microsoft-Chefin Sabine Bendiek oder GLS-Bank-Vorstand Thomas Jorberg zu den Herausforderungen des Digital Leaderships befragt. Im Interview verrät sie, was gute Führung im digtalen Zeitalter für sie ausmacht.

Digital Leadership ist gerade ein Modebegriff. Was verbirgt sich für Sie dahinter?

Für mich bedeutet Digital Leadership, dass Chefs und ihr Team so miteinander umgehen, dass sie zukunftsfähig sind und Produkte entwickeln, die im automatisierten Markt der Zukunft bestehen können. Ein Chef ist dann nur noch jemand, der orchestriert. Es soll nicht wie ein Mikro-Manager seinen Mitarbeitern sagen, was sie zu tun haben und jeden Schritt kontrollieren. Idealerweise gibt er nur ein zu erreichendes Ziel vor. Das Team einigt sich dann eigenverantwortlich über die Aufgabenverteilung und kontrolliert sich gegenseitig. Der Chef springt nur ein, wenn er sieht, dass es Konflikte gibt oder Leute Hilfe brauchen.

Was macht einen guten Digital Leader aus?

Wir leben in einer Zeit, in der Digitalisierung unser gesamtes Leben verändert – beruflich wie privat. Deswegen ist es wichtig, dass die Menschen nicht panisch darauf reagieren oder alles Neue ablehnen, sondern dass sie mutig sind. Man kann sie aber nur dazu motivieren, in diese fremde neue Welt zu gehen, wenn sie selber etwas davon haben. Ein Digital Leader ist daher eine Person, die Werte und eine bestimmte Haltung hat. Sie muss so stark sein, dass sie für andere Leute ein Vorbild sein und sie inspirieren kann. Ein Digital Leader ist kein Boss, der alles als seine Arbeit verkauft und die Lorbeeren einheimst, sondern der im Team erfolgreich ist. Er macht die Erfolge seiner Mitarbeiter sichtbar und unterstützt sie. Als Führungskraft muss ich es also aushalten können, dass meine Leute gut sind.

Damit das funktioniert, müssten Führungskräfte freiwillig Macht abgeben. Das stelle ich mir in unserer eher hierarchisch geprägten Unternehmenslandschaft sehr schwierig vor...

Ja, wir haben in Deutschland eher eine Kultur, in der mittelgute Führungskräfte schlechte Leute fördern, damit sie nicht besser werden als sie. Wir erleben häufig mächtige Männer, die oben sitzen und viel Geld verdienen, die aber alles ablehnen, was innovativ ist – aus Angst, dass sie ihren Einfluss verlieren. Das Problem ist, dass es für viele unvorstellbar ist, dass das Aufgeben von Macht positiv sein kann. In Amerika haben Mächtige verstanden, dass sie besser steuern können, wenn sie und ihre Leistungen gut angesehen sind. Deshalb sage ich auch: Netzwerk schlägt Hierarchie.

Wie meinen Sie das?

Moderne amerikanische Chefs sind mächtig, weil sie ein großes Netzwerk haben. Sie sind einerseits angesehen wegen ihrer innovativen Art und ihrer Leistung. Andererseits weil sie offen und zugänglich für andere Menschen sind und sie fördern. Diese modernen Führungskräfte wie Facebook-Chefin Sheryl Sandberg tun zumindest so, als ob alle Menschen gleich viel wert sind und kommunizieren mit ihnen auf Augenhöhe. Das begeistert Mitarbeiter, motiviert sie und macht sie zu so etwas wie treuen Fans. Viele Unternehmen machen sich für diesen neuen Führungsstil schon stark, weil sie erkannt haben, dass ihre Teams damit erfolgreicher und schneller arbeiten. Somit ist das auch eine kapitalgetriebene Entscheidung.

Sie sind beim Netzwerk Digital Media Women aktiv. Inwiefern können gerade Frauen von einem Aufbrechen der alten Hierarchiestrukturen profitieren?

Bei der These „Netzwerk schlägt Hierarchie“ sind sehr viele Skills gefragt, die eher Frauen zugeschrieben werden wie zum Beispiel soziale Kompetenz. Frauen gelten in gemischten Teams eher als ausgleichend und übernehmen oft eine Art Kümmerer-Rolle im Team. Damit eignen sie sich gut zum Mentor. Ein Digital Leader muss aber auch disruptiv sein. Er muss also dafür sorgen, dass man sich und alles um eine herum auf den Prüfstand stellt und alles, was sich nicht bewährt haben, abschafft. Das könnten auch starre Hierarchien sein. Hierarchiefreie Strukturen sind eine Chance für alle sein, die keine Machtspiele mögen und lieber produktiv sind und etwas gestalten wollen.

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