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Brauchen wir einen Knigge fürs Netz?

Podiumsdiskussion Brauchen wir einen Knigge fürs Netz?

Fake News und Shitstorms: Bundesjustizministerin a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, KN-Chefredakteur Christian Longardt und NGO-Gründer Gerald Hensel diskutieren am Sonnabend, 16. September, auf einem Forum im Rahmen der Digitalen Woche Kiel zum Thema "Kommunikation in der digitalen Welt".

„Shitstorms“ und „Hate-Mobs“ in sozialen Medien: Gehen Hass und gezielte Diffamierungen im Netz leichter von der Hand gehen als im realen Alltag?

Quelle: Romolo Tavani/Fotolia

Kiel. Kommunizieren wir im Netz anders als im Alltag? Böser? Gehässiger? Fallen mit der Anonymität auch die Hemmungen? Ja, lautet die Antwort der Experten. Der Rechtschreibduden hat in diesem Jahr „Fake News“ in seine 27. Ausgabe aufgenommen, der „Shitstorm“ wurde zu einem Anglizismus des Jahres gewählt, und mit der „NoHateSpeech“-Bewegung hat der Europarat eine Kampagne gegen Hassreden im Netz gestartet. Klar ist, dass die Digitalisierung nicht nur unsere Infrastruktur, Mobilität und Technik verändert, sondern auch die Art, wie wir miteinander reden. Was früher von Angesicht zu Angesicht debattiert wurde, findet sich nun in Kommentarspalten sozialer Netzwerke wieder. Die Frage lautet: Wie viel Regulierung tut not? Wie können Presse- und Meinungsfreiheit weiterhin gewährleistet werden?

Fake News als politische Waffe

Dabei geht es nicht nur darum, wie wir kommunizieren, sondern auch worüber: Denn längst sind es nicht mehr nur Nachrichten, die in Redaktionen zusammengetragen, redigiert und auf ihre Seriosität geprüft werden, die die öffentliche Meinungsbildung prägen, sondern auch gezielte Fehlinformationen. Diskutieren werden darüber unter anderem die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der Chefredakteur der Kieler Nachrichten, Christian Longardt, und Gerald Hensel, Gründer der Nicht-Regierungsorganisation „Fearlessdemocracy.org“. Letzterer beschäftigt sich mit der Wirkungsweise der Wut-Industrie, Opferschutz und digitalen Hate-Mobs. Klar scheint, dass insbesondere soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter neue globale Kommunikations- und Informationsplattformen geschaffen haben, deren negative Folgen bislang schwer zu kontrollieren sind. Fake News dienen einerseits immer öfter der hetzerischen Meinungsmache gegen Minderheiten, andererseits zunehmend als politische Waffe, wie etwa der Ukraine-Konflikt und der Wahlkampf in den USA gezeigt haben.

Regeln und Gesetze, ohne Freiheitsrechte zu beschneiden

Politisch motivierte Propaganda, die über die sozialen Netzwerke rasend schnell Millionen Menschen erreicht, ist allerdings nur ein Teil des Problems. Ein weiterer ist der ganz allgemeine gesellschaftliche Diskurs, geführt von gewöhnlichen Nutzern. Auch hier liegt die Annahme nahe, dass Hass und gezielte Diffamierungen im Netz leichter von der Hand gehen als im realen, im nicht-virtuellen Alltag. Die Politik hat bisher keine alle Parteien zufriedenstellende Idee präsentiert. Zwar arbeiten Parlamentarier in ganz Europa an Gesetzen, die der digitalen Kommunikation Regeln und Grenzen setzen sollen, doch eine echte Lösung scheint derzeit nicht in Sicht. Die Frage lautet: Wir können Deutschland und die Europäische Union Desinformation und Hass aus den sozialen Netzwerken verbannen, ohne dabei die Freiheitsrechte der Bürger und von Redaktionen zu beschneiden? Brauchen wir etwa einen Knigge für das Internet? Veranstalter des Forums ist die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Ralf Rose von RSH moderiert die Podiumsdiskussion.

„Kommunikation in der digitalen Welt“ am Sonnabend, 16. September, 15 bis 17 Uhr, in der Halle 400, Kiel. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung ist Teil des Programms der ersten Digitalen Woche Kiel. Mehr zum Programm der Digitalen Woche unter www.digitalewochekiel.de.