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Kieler Woche 2012 Frühschicht mit flotten Fegern
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18:40 19.06.2012
Von Jennifer Ruske
Für KN-Reporterin Jennifer Ruske war die Frühschicht mit den Flotten Fegern des Abfallwirtschaftsbetriebes Kiel ganz schön schweißtreibend. Quelle: Volker Rebehn
Kiel

4.45 Uhr: Antreten zum Besen-Ballett. In voller Montur beginne ich zu einer für Journalisten eher unchristlichen Zeit meinen Kieler-Woche-Aushilfsjob. Kurze Einführung vom langjährigen Teamleiter Thorsten Babbe („Wie halte ich einen Besen“), und dann geht’s los. 16 Mann (und ich) machen sich ab Exer sternförmig gen Innenstadt und Asmus-Bremer-Platz auf, um dem Müll zu Leibe zu rücken. „Bevor die Geschäfte öffnen, muss die City wieder glänzen“, erklärt Axel Schneider und führt vor, wie man Papier, Kippen und Co. mit einem Besenschwung in den Rinnstein befördert. Dort werden sie von einer der vier Kleinkehrmaschinen (KKM) nur Minuten später aufgefegt.

 Auf mich wartet die erste große Herausforderung am Opernhaus. Hier sind Scherben alles, was von der Scheibe eines Buswartehäuschens übrig ist. „Das wird nicht die letzte sein“, weiß Schneider. Zu zweit kehren wir die Einzelteile zusammen, damit Alessandro Krumbein sie mit seiner Maschine aufsaugen kann. Die Maschine kämpft, und ich kämpfe auch –die Scherben damit aus den Pflasterritzen zu pulen: Fegen ist schweißtreibend.

 In flottem Tempo geht’s Richtung Rathausmarkt weiter – und ich bin ein klein wenig enttäuscht. Die Müllberge hier hatte ich mir größer vorgestellt. „Der Flaschen- und Dosenpfand sowie der Pfand auf Teller und Co. auf dem Internationalen Markt machen sich positiv bemerkbar“, erklärt Teamleiter Babbe. „Vor 20 Jahren stand man hier noch bis zu den Knöcheln in Abfall“, weiß Straßenreiniger-Urgestein Paul Bartoschek. Und noch etwas hilft dabei, das Müllaufkommen zu senken: das Kieler-Woche-Wetter. Regen am Abend ist des Müllmanns Freund. Den Abend zuvor hat‘s geregnet. Gleichwohl wird das Innenstadtteam heute Morgen rund neun Kubikmeter Abfall einsammeln. „Wir sind ja noch lange nicht durch“, warnt Babbe. Bis 14 Uhr ist offiziell Dienst. Und die Partyzonen der Innenstadt fehlen uns noch.

 Babbe hat Recht. Auf dem Asmus-Bremer-Party-Platz türmt sich der Müll: Essensreste, durchgeweichte Pappteller, abgenagte Spieße, der Brautschleier vom Junggesellenabschied gestern, Glitter, der ärgerlicherweise bei jeder Böe wieder durcheinander weht, und natürlich jede Menge Kronkorken und Kippen. Dazwischen blitzt ein Ohrring aus dem Müllberg. Mein vermeintlicher „Schatz“ entpuppt sich als Plastik. „Wir haben hier schon Handys und Portemonnaies gefunden“, erzählt Reimund Back. Auch einige „sehr innige“ Liebespaare und „sehr müde“ Discogänger sind ihnen bereits unter die Besen gekommen. Aber besser drunter als drauf: „Es gibt immer alkoholisierte Partygänger, die versuchen, auf der Kehrmaschine zu surfen“, sagt Babbe. Heute allerdings sind die Feierwütigen friedlich. Einer wird per Schubkarre an uns vorbei entsorgt, die anderen kreuzen auf eigenen Beinen fröhlich unsere Besen. Der letzte schnorrt uns um ein paar Zigaretten an. Kriegt er, aber Kippen nicht auf Boden schmeißen!

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