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Kieler Woche 2015 Sieben Burschen für ein Prosit
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11:51 26.06.2015
Von Kerstin Tietgen
Riesen Stimmung im Bayernzelt: Wenn die Blechblos'n aufspielen, wird auf den Bänken getanzt. Und da spielt es keine Rolle, ob sie den bayrischen Einmarsch geben oder zu Rockmusik und Partyhits wechseln. Quelle: Sven Janssen

Vorher stimmen sie das Publikum vorsichtig auf den Abend ein: „Stell dir vor, wo das hinführen würde, wenn wir schon um halb sieben mit dem Hauptprogramm anfangen würden“, erklärt Manfred „Manni“ Popfinger. Die Frage beantwortet sich eine halbe Stunde später beim Einmarsch der Band von selbst. Mit Trommeln und Blasinstrumenten marschieren sie vom Biergarten durch ein Spalier aus auf Bierbänken tanzenden Menschen und und klettern dazu. Die Menge tobt, der erste Gast fällt vor lauter Euphorie von der Bierbank: aufstehen, abklopfen, weitergrölen. Rund 18000 Menschen bespaßt die Dachauer Band so während der Kieler Woche.

Hier sehen Sie Bilder von den Blechblos'n im Bayernzelt auf der Kieler Woche 2015.

Pausen werden vom Publikum nicht lange geduldet. Nach einigen Minuten branden die Gesänge und lautstarken Forderungen nach Unterhaltung auf, bis Blechblos’n wieder die Bühne betreten. Rund fünfeinhalb Stunden geht das so. Und das an jedem Abend. Die Vorbereitungen für diesen Marathon starten im Winter. „Wir arbeiten neue Shows aus, besprechen unser Repertoire und proben die Lieder“, verrät Bandmanager Reinhard Unsin beim obligatorischen Weißbier vor der Show.

Das Repertoire umfasst immerhin 300 Songs: von Klassikern über Volkslieder bis zu aktuellen Charthits ist alles dabei. Für jeden Abend haben sie ein anderes Programm vorbereitet. In den knappen Unterbrechungen verkleiden sich die sieben Multitalente, um mal im Dirndl, mal als Bobfahrer wieder die Bühne zu entern. Mit Polonäse und anderen Mitmach-Spielchen heizen sie der Menge ein: „Jetzt geben wir dem Nachbarn a Bussi. Tja, da kann man scho amal Pech haben“, scherzt Roland Schleifer.

Vor der Reise nach Kiel gibt es Pflichturlaub für alle. Günter Höchtl war an der italienischen Küste, Reinhard Unsin am Garda-See. Um sich fit zu halten, haben sie einen ganz besonderes Rezept: „Weißbier und Fischbrötchen“. Vor allem das Weißbier scheint auf beiden Seiten der Bühne ein entscheidender Treibstoff zu sein. Immer wieder heißt es: „Ein Prosit der Gemütlichkeit“. Da ist es schon von Vorteil, dass das Bier hier in großen Maßkrügen serviert wird. Hin und wieder trinke er allerdings ein alkoholfreies Bier, gibt „Manni“ Popfinger zu. Um sich tagsüber zu erholen, erkunden die Burschen die Steilküste Schwedeneck mit ihren Mountainbikes, lassen sich auf dem Gosch-Schiff mit Fischsuppe bewirten oder kiten.

Trotz des straffen Programms genießt die bayrische Band ihre Zeit in Kiel. „Das offene Zelt mit Blick auf das Wasser und die Schiffe vermittelt so eine Leichtigkeit“, schwärmt „Manni“ Popfinger. Auch das Kieler Publikum trägt dazu bei: „Die Stimmung ist noch besser als auf dem Oktoberfest“, freut sich Unsin. Da müsse die Band zwischenzeitlich schon einmal eine Ballade spielen, weil der Wirt Angst um seine Biertischgarnitur hat. Die nachgesagte norddeutsche Kühle kann Popfinger nicht bestätigen: „Wir fühlen uns hier sehr willkommen und gemocht“. Inzwischen haben sie Freundschaften geschlossen. Eike Sieponen ist seit dem ersten Konzert dabei: „Sie sind einfach charmant, modern und überhaupt nicht unangenehm.“, verrät sie nachdem er sie mit Bussi begrüßt hat.

„Zehn Jahre Kieler Woche – des passt scho“, meint Günter Höchtl mit Blick auf das nächste Jahr. Bis Sonnabend heißt es aber noch: „Nach Hause gehn’ wir nicht!“

 
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