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Truppenmanöver endet in Kiel

„Baltops“ Truppenmanöver endet in Kiel

Vizeadmiral James Foggo ist ein Mann der wohl abgewogenen Töne. Der Befehlshaber der 6. US-Flotte aus Neapel ist seit Freitag in Kiel und leitet hier die Abschlusskonferenz des Seemanövers US Baltops. Mit einem noch nie dagewesenen Großaufgebot haben Nato-Staaten zusammen mit Schweden und Finnen zwei Wochen lang zwischen Polen und Bornholm geübt.

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Vize-Admiral James Foggo kommt direkt von dem multinationalen Manöver «Baltops» an dem auf der Ostsee 50 Schiffe verschiedener Nato-Partner teilgenommen haben.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. „Es war das größte Manöver in der Geschichte von US Baltops, das in diesem Jahr zum 43. Mal ausgerichtet wurde“, bilanziert Foggo. Bei dem Pressetermin auf dem US-Landungsschiff „San Antonio“ achtet er nicht nur auf Worte, sondern auch auf Gesten. So war hinter seinem Rednerpult die große Flagge der Nato auf dem US-Schiff aufgehängt. Flankiert wurde Foggo von Offizieren aus Großbritannien, Spanien und Polen.

Die USA stehen wieder enger an der Seite ihrer Partner aus Europa. Das war bereits 1971 so, als erstmals ein Baltops-Manöver startete. „Wir werden unser Engagement hier weiter ausbauen. Wir haben es in diesem Jahr gesehen, es kamen immer mehr Anfragen zur Teilnahme. Irgendwann waren es 49 Einheiten, 62 Flugzeuge und 5600 Soldaten“, sagt Foggo. Und Kiel ist für die USA der wichtigste Hafen.

Seit Mitte Mai operieren US-Einheiten in der Ostsee – auch nach der Kieler Woche wird eine Einheit in der Ostsee bleiben. Angesprochen auf die Verärgerung Russlands, reagiert Foggo offen: „Wir laden auch die russische Seite zu Gesprächen ein. Die russische Marine hat unser Manöver mit zwei Korvetten und einem Aufklärungsschiff begleitet. Die russischen Soldaten sollen ruhig sehen, was wir machen und was wir können.“

Es sei zudem viel darüber gesprochen worden, die USA würden sich mehr dem Pazifik zuwenden. „Ich kann Ihnen sagen, an diesem Baltops-Manöver waren mehr Einheiten beteiligt als am letzten großen Rimpac-Manöver im Pazifik. Von einer Verlagerung der Interessen Amerikas in den Pazifik kann also keine Rede sein“, sagt der Admiral.

Die Lage in Europa habe sich geändert. Ein kalter Krieg sei es aber nicht, sagt er. „Ich war 1985 das erste Mal hier in Kiel. Da sind wir nach Lübeck gefahren und haben die Grenze gesehen. Das war eine ganz andere Konfrontation. Heute ist Europa zusammengewachsen“, berichtet Foggo.

Das neue Europa rüstet sich jedoch wieder. Sah es bei den Baltops-Manövern nach der Wiedervereinigung so aus, als ob Seenotrettung oder Terrorbekämpfung die neuen Hauptaufgaben der Marinestreitkräfte seien, so ist 2015 das Pendel wieder zurückgeschwungen. An diesem Manöver sind erstmals seit 20 Jahren wieder drei große US-Kampfschiffe beteiligt. An Deck des Landungsschiffes „San Antonio“ stehen mehr Kampfpanzer als die Bundeswehr aktuell in Schleswig-Holstein hat. „Es waren auch B52-Bomber in die Übung eingebunden“, so Foggo. Und mit dem Zerstörer „Jason Dunham“ ist auch einer der Zerstörer beteiligt, der Teil des neuen Ballistic-Missille-Programms (BMD) gegen Interkontinental-Raketen ist. Dass gerade während des Manövers Russland den Bau neuer Interkontinentalrakten ankündigte, kommentiert er nicht. 2018 wollen die USA jedoch BMD-Raketen in Polen stationiern. „Wir stehen zu unseren Partnern in Europa“, sagt Foggo.

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