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Perestroika und Esprit

Kieler Weltwirtschaftspreis verliehen Perestroika und Esprit

Michail Gorbatschow konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht in Kiel erscheinen. Die anderen vier Preisträger des Weltwirtschaftliche Preises kamen am Sonntag persönlich ins Rathaus: Alle fünf vereint, „dass sie einen Beitrag für eine bessere Welt geleistet haben“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig in seiner Rede.

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Der Kieler Weltwirtschaftspreis wurde am Sonntag im Rathaus der Landeshauptstadt ohne Preisträger Michail Gorbatschow verliehen.

Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa (Archiv)

Kiel. Die Preisverleihung war der frühe politische Höhepunkt der Kieler Woche 2015, möglicherweise auch der gesellschaftliche – und das auch ohne den Star, den früheren sowjetischen Parteichef und letzten Präsidenten der Sowjetunion Michail Gorbatschow. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW), Die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein und die Landeshauptstadt Kiel hatten erneut Persönlichkeiten ausgewählt und nach Kiel geholt, die für bedeutende Leistungen stehen und international anerkannt sind. Die Preisträger seien „Vordenker einer marktwirtschaftlichen und weltoffenen Gesellschaft“, so das IfW.

Die beiden Reformfelder Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung), die Gorbatschow ab 1988 in der Sowjetunion vorangetrieben hatte, seien auch heute noch aktuell, sagte Prof. Dennis Snower, der Präsident des IfW: "Die Welt benötigt Glasnost in Bezug auf Kulturen, politische Systeme und Gesellschaftssysteme." Der Westen sei genauso gefordert wie Russland, China, Indien und andere Länder. Snower kritsierte, der Westen sei nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion "oft überheblich" geworden. Es gebe kaum Bestreben, sich in die Lage Russlands hineinzuversetzen. Das gelte auch umgekehrt. Alle fünf Preisträger hätten gezeigt, was "den Menschen menschlich macht: die potenzielle Fähigkeit zu Kooperation und die potenzielle Fähigkeit, gemeinsame Werte zu erkennen".

Neben Gorbatschow wurden der Vorstandschef des Weltkonzerns Generals Electric, Jeffrey Immelt, der Ökonom Christopher A. Pissarides sowie das Unternehmerpaar Kristine und Douglas Tompkins ausgezeichnet Gorbatschow erhielt den undotierten Preis unter anderem für seine Politik der Transparenz (Glasnost) und der Umgestaltung (Perestroika), die den Kalten Krieg beendete und die deutsche Wiedervereinigung ermöglichte. Innenpolitisch setzte er sich für eine bessere Arbeitsqualität in Industrie, Landwirtschaft und Verwaltung ein und bekämpfte Korruption sowie Alkoholismus. Nach dem Ende seiner Amtszeit und dem Zusammenburch der UdSSR gründete er 1992 die Gorbatschow-Stiftung für Sozialwirtschaftliche und Politologische Forschung mit dem Ziel der Völkerverständigung und der Förderung des Friedens in der Welt. Für Gorbatschow nahm als sein Repräsentant Alexander Likhotal den Preis entgegen. Er ist Präsident des Internationalen Grünen Kreuzes, einer Umweltschutzorganisation, die Gorbatschow 1993 gegründet hatte.

Der zyprisch-britische Wirtschaftswissenschaftler Christopher Antoniou Pissarides leistete wegweisende wissenschaftliche Beiträge zum Verständnis des Arbeitsmarktes – und damit zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Politik an der London School of Economics (LSE) und Professor für Europäische Studien an der University of Cyprus und forscht seit 2001 am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Gastprofessuren führten ihn unter anderem nach Harvard, Princeton, Berkeley und Yale.

Jeffrey Robert Immelt führt seit 14 Jahren General Electric. Er richtete das Unternehmen wieder auf das traditionelle Kerngeschäft mit Industrieanlagen aus, nachdem es durch eine immer größer gewordene Finanzsparte im Zuge der Finanzkrise beinahe bankrott gegangen wäre. In einem spektakulären Deal einigte sich Immelt mit der französischen Regierung auf die Übernahme der Energiesparte des Alstrom-Konzerns, die er damit seinem größten Rivalen Siemens vor der Nase wegschnappte. 2011 berief ihn US-Präsident Barack Obama zum Vorsitzenden des Beratergremiums für Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit.

Kristine und Douglas Tompkins sind ein erfolgreiches Unternehmerehepaar. Douglas Tompkins gründete die beiden Textilmarken The North Face und – zusammen mit seiner ersten Frau – Esprit. Kristine Tompkins baute die Outdoor-Firma Patagonia auf. Doch ganz besonders bemerkenswert und einzigartig sind die Leistungen der beiden auf dem Gebiet des Umweltschutzes. Sie verdienten beide ein Vermögen, verkauften ihre Firmen und setzten das Geld für den Aufbau riesiger Nationalparks und Naturreservate in Chile und Argentinien ein. Gemeinsam besitzen Kris und Doug Tompkins mehr geschütztes Land als jede andere Privatperson weltweit. Das für ihre gemeinsamen Umweltschutz-Projekte gekaufte Land erstreckt sich über fast eine Million Hektar.

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