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Anastacia wagt und gewinnt

Kieler Woche 2015 Anastacia wagt und gewinnt

Sie machen es spannend: Eine herzklopfende Bass-Drum kitzelt an den Nerven der riesigen Menge, die sich am Mittwochabend vor der Hörnbühne versammelt hat, um Anastacia (46) zu erleben. Noch ein gefühlt ellenlanges, rockiges Intro, und erst, als der Spannungsbogen zu knicken droht, der erste Song, gleich mal ein dicker Hit: „Left Out-side Alone“.

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Anastacia, umrahmt von ihren Background-Sängerinnen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Lauter Jubel aus zahllosen Kehlen, obwohl es prompt zu regnen beginnt – irgendwer da oben scheint einen schrägen Humor zu haben.

Außerdem muss sich die Sängerin, bekanntlich durchaus mit kräftiger, durchsetzungsfähiger Stimme gesegnet, anfangs gegen den massiven Bandsound geradezu aufbäumen und dringt trotzdem kaum durch. Fünf, sechs Songs dauert es, bis der Mann am Mischpult nachjustiert hat und Anastacia gebührend nach vorn geholt hat, wo sie hingehört.

 „Es regnet nicht“, scherzt der Star, während im Rund immer mehr Schirme aufploppen und Kapuzen hochgezogen werden. „Das ist gut für die Haut, gut für die Bäume. Und die Damen haben hoffentlich wasserfestes Make-up aufgelegt.“ Der nächste Titel, „Staring At The Sun“, bringt noch nicht den erhofften Durchbruch, aber zu „Sick And Tired“ lugt ein Sonnenstrahl durchs dunkle Gewölk, die Sängerin zeigt nach oben, und der Regen lässt tatsächlich nach.

 Recht abwechlungsreich und unterhaltsam ist Anastacias Set. „Pieces Of A Dream“ wartet beim E-Piano-Solo mit Latin-Jazz-Akkorden auf. Ein Part mit kleinem Besteck ist dabei, nur mit einem die Jazzbesen streichenden Drummer und Akustikgitarrist, um in einer gelungen abgespeckten Manier das ursprünglich mit Eros Ramazotti (Anastacia: „very super sexy“) im Duett gesungene „I Belong To You“ zu bringen. Den Eros-Part übernimmt eine der beiden Background-Sängerinnen. Sie habe sich den italienischen Sänger leider nicht leisten können, hatte Anastacia zuvor gewitzelt. Mut beweist sie mit einem ergreifenden Balladen-Doppel („Heavy On My Heart“ und „Stay“), zwei Lieder, in denen sie ihre Krebserkrankung verarbeitet.

 Kurze Umzugspause, dann kehrt Anastacia im Rock-Dress zurück. Das nächste Wagnis steht an: zwei Lieder von ihrem Album „It’s A Man’s World“, auf dem sie Rock-Klassiker gecovert hat. Zunächst „Back In Black“ von AC/DC, deren wohl ultimativer Ur-Version die Sängerin aber leider nicht viel Neues hinzufügen kann außer den Funkrock-Charakter zu betonen, den das schwer und mächtig groovende Stück aber tief im Innern sowieso schon hat. Auch „Sweet Child Of Mine“ von Guns N’ Roses wird ein wenig Richtung moderner Rhythm & Blues geschoben, aber einfallsreich ist die Variante auch dieses Songs nicht wirklich. Die Menge feiert den rockigen Ausflug dennoch kräftig ab, einer zeigt die Metal-Pommesgabel.

 Der Star gibt sich nahbar, wendet sich immer wieder ans Publikum, animiert die Menge zum Mitsingen oder Mitklatschen, allerdings waren ihre Tanzeinlagen früher intensiver. Später dreht Anastacia dann noch ein Selfie-Video für ihre Facebook-Seite, mit der jubelnden Menge im Hintergrund. Jeder, der das sehe, werde nach Kiel kommen wollen, sagt sie. Na, denn man to!

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