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Der Mythos vom Kieler-Woche-Wetter

Kieler Woche 2015 Der Mythos vom Kieler-Woche-Wetter

„Refft die Segel!“ – Die Bilder vom Jammer der letzten Windjammerparade, die mit Sonnenschein startete und mit Wolkenbruch, Gewitter und Hagel endete, sind noch jedem vor Augen. Platzregen, Dauerregen oder feiner Nieselregen und dazu eine ordentliche Brise bei sportlichen 15 Grad Celsius: Das norddeutsche Schietwetter gehört zur Kieler Woche wie das Segeln und die Konzerte.

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Regen. Wetter. Regenschirm

Quelle: JKK/Ophüls

Aber ist das Wetter wirklich besonders schlecht zur Kieler Woche? Wie viel Wahrheit steckt hinter dem Mythos Kieler-Woche-Wetter? Oder woran liegt es, dass Regenjacken und bunte Schirme in dieser Zeit nicht wegzudenken sind?

 Tatsächlich ist das Wetter zur Kieler Woche nicht schlechter, als es für Ende Juni üblich ist. Niederschlagsmengen von durchschnittlich 2,9 Millimetern pro Quadratmeter pro Tag sind leider normal für diese Zeit. Es dürfte während der Woche also bis zu 26 Millimeter pro Quadratmeter regnen, nieseln oder schütten. Aus dem Rahmen fallen allerdings die Kieler Wochen der letzten vier Jahre. Deutlich mehr regnete es 2012 mit 42,2 Millimetern pro Quadratmeter. Am Abschluss-Sonntag wurden die Familien an der Spiellinie regelrecht nach Hause gespült. Auch die schön geschminkten Tiger- und Schmetterlingsgesichter der Kinder fielen dem unerbittlichen Platzregen zum Opfer. Durch die starken Regenfälle zum Auftakt und zum Abschluss schaffte es das Wetter, obwohl es in der Mitte der Woche besser war, in dem Jahr auf die Flop-Liste. Die schlechten Werte gleichen sich in der Gesamtstatistik der vergangenen zehn Jahre allerdings aus, so dass es während aller Kieler Wochen nur 30 Millimeter pro Quadratmeter mehr geregnet hat. Mit 972 Sonnenstunden statt 1005 liegt die Kieler Woche auch weniger unter dem Durchschnitt, als sich die meisten Besucher wohl vorstellen können.

 Eine ähnliche Beobachtung macht auch Dr. Karl Bumke aus der Forschungseinheit „Maritime Meteorologie“ von Geomar beim Vergleich von Solareinstrahlung, Temperatur und Niederschlag: „Viel sieht man nicht, höchstens tendenziell eine Abnahme der solaren Einstrahlung um den 25. Juni herum, die auf einen höheren Bedeckungsgrad schließen lässt, und auch im Temperaturverlauf zu entdecken ist.“ Doch das sei alles noch im Bereich der normalen Schwankungen, und so lautet Bumkes Fazit: „Das Wetter ist in der Kieler Woche genauso gut, oder einige würden auch sagen, schlecht wie sonst auch.“

 Bleibt Segel- und Musikfans also nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass das Wetter endlich mal wieder so schön wie 2010 oder gar 2005 wird? Nein, denn zum Glück ist man das Schietwetter in Schleswig-Holstein gewohnt, und so bleibt das Motto der Kieler Woche, wie bei allen anderen Open-Air-Veranstaltungen: „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.“ Vom Südwester über Gummistiefel und Regenschirme bis hin zu provisorisch umgebauten Müllbeuteln sind die Besucher unterwegs und lassen sich das Feiern nicht verderben.

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„Baltops“
Foto: Vize-Admiral James Foggo kommt direkt von dem multinationalen Manöver «Baltops» an dem auf der Ostsee 50 Schiffe verschiedener Nato-Partner teilgenommen haben.

Vizeadmiral James Foggo ist ein Mann der wohl abgewogenen Töne. Der Befehlshaber der 6. US-Flotte aus Neapel ist seit Freitag in Kiel und leitet hier die Abschlusskonferenz des Seemanövers US Baltops. Mit einem noch nie dagewesenen Großaufgebot haben Nato-Staaten zusammen mit Schweden und Finnen zwei Wochen lang zwischen Polen und Bornholm geübt.

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