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Kieler Woche 2015 Hier wird durchgefeuert
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08:00 27.06.2015
Von Paul Wagner
Sie sorgen für den nötigen Dampf: Andreas Hansen, Christian Siedler und Jesper De Wall (v.l.) befeuern das Schiff. Es wurde 1905 für 224.000 Goldmark bei der Meyer-Werft in Papenburg bestellt. Quelle: Michael Kaniecki

Im Gegensatz zu manch anderen Ausflugsschiffen geht es auf der „Bussard“ robust zu: Schlesische Kohle, Dampf und Schweiß treiben den Propeller an. Wer will, darf selbst zur Schaufel greifen.

Tief im Bauch der „Bussard“ ist es heiß. Direkt vor den beiden Brennkammern stehen Andreas Hansen und Christian Siedler und schaufeln im Takt Kohle in die Feuer. Mehr als 1000 Grad heiß lodert es hinter den massiven Stahlklappen. Der Blick der beiden Heizer geht ständig zu einem großen Druckanzeiger aus Messing über ihren Köpfen. „Zwischen zehn und elf Bar muss der Druck liegen“, erklärt Siedler. Er kennt die beiden Schreckensszenarien, die den Heizern nicht passieren dürfen: dass das Feuer ausgeht oder dass der Druck im Dampfkessel so hoch steigt, dass die Sicherheitsventile öffnen.

Der 20-jährige Student half schon als Kind auf dem „Abenteuerspielplatz ,Bussard’“ mit und schwärmt bis heute für seinen dreckigen Job: „Wir bekommen keinen Regen ab. Es ist muggelich warm hier. Man setzt kein Fett an, und wir bekommen ab und zu auch Damenbesuch.“ Die beiden Heizer lachen laut und greifen zu ihren Wasserflaschen. Etwa 1,5 Liter Wasser pro Stunde trinkt und schwitzt ein Mann am Kessel. Unterdessen staunen die Passagiere an Deck über die kräftigen Rußwolken, die die „Bussard“ über die Förde schickt. Selbst die Segler eines benachbarten Schiffs winken freundlich zurück, als der schwarze Qualm sie trifft.

Drei Tage bevor die „Bussard“ ablegen kann, heizt die Besatzung den Brenner an. Der Kessel soll sich nach Möglichkeit nur um 10 Grad Celsius pro Stunde erwärmen, weiß Christian Siedler. Sonst leide der Stahl. Während der Kieler Woche wird dann durchgefeuert. Für jede Nacht legen die Heizer noch ein paar Kohlen auf. Das reicht für ein ordentliches Feuer am nächsten Morgen. Eine halbe Tonne verbrennt die „Bussard“ bei voller Fahrt pro Stunde – 75 Tonnen braucht die Crew pro Saison.

Nur wenige Meter neben dem Kessel verwandelt die Dreifach-Expansionsmaschine den Dampfdruck in eine Drehbewegung. Massive Pleuelstangen drücken auf und nieder. Alles wirkt wie zu Zeiten der Königlichen Wasserbau-Inspektion Flensburg, für die die „Bussard“ auf die Ostsee hinausfuhr, um Seezeichen auszuwechseln.

Die gewaltige Kurbelwelle liegt offen im Boden des Maschinenraums. Zwei Maschinisten sehen den Bewegungen zu und achten darauf, dass alles rund läuft. Ab und an klingelt es kurz. „Jetzt will der Kapitän was“, erklärt Marco Josefus, Chef des Fördervereins und deutet auf den Maschinentelegrafen, der die Kommandos von der Brücke zu den Männern hinunter schickt. „Volle Kraft“, ist dort zu lesen. „Aber wenn wir nicht wollen, tut sich gar nichts“, sagt Josefus, lacht und lässt über ein Drehrad mehr Dampfdruck in die Zylinder. Sofort dreht sich die Schraube schneller.

Die Mitglieder des Fördervereins pflegen das Schiff liebevoll und erhalten den Zustand von 1905. Neu sind an Bord nur die Sicherheitseinrichtungen.

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