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Joris verband gegensätzliche Gefühle

Kieler Woche 2015 Joris verband gegensätzliche Gefühle

Den Kieler-Woche-Regen kann man als lästigen Schauer empfinden oder als „Sommerregen“, durch den man erfrischt und befreit tanzt. Solch’ gegensätzliche Gefühle verbindet der Singer/Songwriter Joris auf der NDR-Bühne.

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Joris auf der NDR-Bühne

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Mit seinem auf Platz Drei der deutschen Album-Charts eingestiegenen Silberling „Hoffnungslos hoffnungsvoll“ trifft Joris damit nicht nur den Nerv seiner Fans, sondern auch das Herz des Kieler-Woche-Publikums.

Es ist nicht einfach, im Party-Trubel der Kieler Woche sein Publikum auch mit sensibel durchkomponierten Balladen über nicht ganz einfache Themen wie etwa den Tod zu fesseln. Joris und seiner Band gelingt das, auch wenn sie mit reichlich Bühnennebel, Lightshow sowie aufgedrehten Verstärkern ebenso den leicht verdaulichen Pop und das Publikumsbedürfnis nach rockender Party zu bedienen wissen. Wenn er sich aber ans Klavier setzt, seine Stimme leiser wird und zu erzählen beginnt von der Gefühlsverwirrung nicht nur beim Lieben, trägt Joris vor allem das Herz auf der Zunge.

„Regungslos steh’ ich hier, den Sturm in mir“, bringt er die Gegensätze, die ihn als Mensch wie als Sänger bewegen, zum klingen. Mag sein, dass dabei Klischees wie Welt- und Herzschmerz etwas zu naheliegende Worte und Bilder finden, doch hier singt jemand aus innerer Notwendigkeit. Schon das macht die üblichen Anfeuerungsrufe wie „Kiel, wo seid ihr? Werdet mal laut!“ überflüssig. Joris ist trotz seines hoffnungsvollen Erfolgs kein Pop-Sternchen, und seine Lieder funktionieren auch und gerade ohne solche Anbiederungen ans große Show Machen.

Vielmehr wirkt er manchmal fast verloren auf der Riesenbühne zwischen all dem Geglitter und Geflitter oder im Pop-Taumel beim eingängigen „Herz über Kopf“, welchen Hit er erst ganz zum Schluss bringt. Denn vorher will er eine andere Aufmerksamkeit, möchte Herzen, nicht die tanzwütigen Beine gewinnen. Und so wirken zarte Gesten im besseren Sinne des Wortes rührend, wenn er etwa am Ende der tieftraurigen Ballade „Im Schneckenhaus“ die Hände auf die Schultern seines Keyboarders legt. Joris hat ganz offensichtlich eine Botschaft, die der Hoffnung: „Es gibt immer wieder neue Wege, keinen richtigen oder falschen, ihr müsst ihn nur mit Leben füllen“, ruft er dem Publikum zu. „Kiel! Gib nicht auf!“

Botschaft verstanden, denn die Gegensätze beflügeln das Leben, lassen es weitergehen, selbst im tiefen Herzschmerz. Und so klappt schließlich sogar das Mitsingen, bei dem auch das Publikum seine Herzen auf den Zungen trägt.

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