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Alles nicht zu Ernst sehen

Interview mit Comiczeichner Gregor Hinz Alles nicht zu Ernst sehen

Gregor Hinz, groß und in farbverschmierter Kleidung. Der Illustrator hat kurzgeschorene Haare unter einer orangenen Mütze, blaue Augen und einen Bart. Im linken Ohrläppchen hat er drei Löcher, dicht nebeneinander. Er ist 33 Jahre alt, spricht mit angenehmer Stimme und vielen Pausen. 

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Illustrator Gregor Hinz gibt Jugendlichen Workshops im Comic zeichnen.

Quelle: Clemens Steinberg

Kiel. Er lacht viel, nimmt weder meine Fragen noch seine Antworten allzu ernst. Er arbeitet auf dem Playground auf der KiWo und gibt Jugendlichen Workshops im Comic zeichnen.

Was machst Du genau?

G: Ich bin Illustrator und Komikzeichner

Illustrator…magst du den Begriff?

G: Nicht speziell…

Wie würdest du dich denn eher nennen?

G: Ich sage schon, dass ich Illustrator bin, aber ich habe es schon lieber wenn die Leute mich Gregor nennen.

Machst du das hauptberuflich?

G: Ich muss noch ein bisschen Grafik Design machen, damit habe ich nämlich angefangen. Jetzt verschiebt sich das alles ein wenig, sodass ich mehr Comics zeichnen kann.

Das heißt Grafik Design ist so ein bisschen dein Standbein?

G: Tatsächlich verdiene ich jetzt auch schon mehr mit Comic Zeichnen.

Du bist jetzt also auf dem Weg zu deinem Traumberuf?

G: Ja genau, das wird auch nicht aufhören. Mit Comic Zeichnen kann man eh nicht so gutes Geld verdienen, da muss man weiter ackern.

Ist ja allgemein so, dass man mit Kunst kaum Geld verdienen kann. Woran liegt das, ist Kunst wenig wert?

G: Eventuell… es gibt ja auch teure Kunst, es gibt ja genug Leute die damit auch ihr Geld verdienen. Nö, ich glaube, dass kann man so nicht sagen. Vielleicht junge Kunst, die muss sich eben noch ein bisschen etablieren.

Nico Chavez auf der Jungen Bühne Kiel.

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Was ist dir denn Kunst wert?

G: Ja, warte… Auch noch nicht so viel. Es gibt manchmal Bilder die ich gut finde, Originale. Die habe ich noch nicht gekauft, will ich aber. Da muss ich noch ein bisschen reinwachsen. Aber wenn man jetzt Kunst sieht wie Konzerte, da zahle ich schon mal Eintritt. Aber auch nicht so oft. Aber da würde ich auch mehr bezahlen, wenn ich die richtig gut finde.

Was du machst, also Illustrieren, Comic zeichnen, ist das Kunst?

G: Ich bin zumindest in der Künstler-Sozial-Kasse. Ich sehe das auch da nicht so eng, ob das jetzt Kunst ist, oder nicht. Vermutlich, ja.

Würdest du dich selber Künstler nennen, oder doch eher Illustrator?

G: Ich habe mich ja jetzt auch als Illustrator vorgestellt, von daher. Ich sage manchmal, dass ich Künstler bin, aber eigentlich finde ich, klingt das komisch.

Was bedeutet dir denn das Comic Zeichnen?

G: Scheinbar viel… weil ich es ja die ganze Zeit mache. Aber ich mache mir da keine Gedanken darüber. Aber ich habe mir das nicht auf die Fahne geschrieben, nur Comic Zeichner zu sein. Wenn ich dann ausversehen doch Kinderbuch-Illustrator werde, ist das in Ordnung. Aber ich treibe mich ja auch nur mit Comic Zeichnern rum und dann sind das Freunde und das alles ist mehr ein Lebensgefühl.

Gerade zeichnest du Comics, du könntest aber auch illustrieren. Das wäre dann ja immer zeichnen…

G: Ja, so eine visuelle Ausdrucksform. Ja.

Was bedeutet das für dich, zeichnen, sich visuell ausdrücken?

G: Also Geschichten zu erzählen. Ich erzähle einfach gerne Geschichten. Und das mache ich eben visuell. Ich schreibe aber auch Texte und so etwas. Comics sind ja auch eine Kombination aus Text und Bild. Insofern muss ich ja auch beides.

Warum musst du dich denn ausdrücken?

G: Klar, ich könnte die Sachen auch für mich behalten. Da bin ich auch sicher so eine kleine Rampensau. Ich will, dass die Leute sich das anschauen, oder durchlesen. Ich habe auch Theater gespielt, fand ich auch immer genial. Ego-mäßig…

Was wäre dein Leben denn ohne Ausdruck?

G: Es wäre wahrscheinlich ganz schön langweilig. Meine Brüder sind beide Beamte und im öffentlichen Dienst. Wenn ich mir das so vorstelle, dass ich dort jeden Tag hingehen müsste, dass wäre ganz schön hart.

Für wen ist der Playground?

G: Für zehn bis siebzehnjährige Jugendliche, die auch mal was von der Kieler Woche haben sollen.

Wie findest du die Idee?

G: Wenn dem so ist, dass Jugendliche in dem Alter bisher noch nicht so berücksichtigt worden sind, auf jeden Fall gut. Es ist sowieso gut, etwas für Jugendliche anzubieten.

Warum ist es denn wichtig etwas für Jugendliche anzubieten?

G: Damit die nicht Drogen nehmen und auf der Straße sitzen (lacht)

Warum brauchen Jugendliche Ausdruck?

G: Ich glaube, dass wenn Jugendliche sich ausdrücken, man die Chance hat zu sehen, was in ihnen steckt. Dann kann man das spiegeln, als Erwachsener, als Jugendlicher, als Kind. Man hat zumindest die Chance auf sie Einfluss zu nehmen. Wenn sie sich gar nicht ausdrücken, sondern nur für sich sind, kann man nicht an ihnen Teil haben.

Hier hängt ein Plakat, da steht drauf: „Welt verstehen.“ Wie verstehst du das Leben?

G: Das ist ein großes Thema, oder? (lacht).

Ja, hau rein.

G: Also, die Welt ist groß. Sehr groß. Und sehr schön. Die muss man…(Pause) Also ich versteh die ja auch nicht die Welt. (lacht) Das ist doch ein guter, zusammenhängender Satz gewesen.

Also ich habe tatsächlich Lust, das Interview genauso abzutippen. Das macht es sehr lebendig.

G: Tu das, bitte, gerne. Mit ganz vielen Pünktchen. Zwei Minuten leise, etc.

Schaust du deine Umgebung eigentlich anders an, weil du zeichnest?

G: Nee.

Ok… Du guckst die Welt nicht anders an.

G: Ich weiß nicht, wie du die Welt anguckst, ob das jetzt auch grün für dich ist, oder vielleicht mein Blau.

Was würdest du den jungen Menschen sagen, die zum Playground kommen?

G: Werdet Comic Zeichner. Aber nee… schön, dass ihr da seid, würde ich sagen. Schön, dass ihr da seid.

Das Interview führte Hille Norden.

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