12 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Am stillen Örtchen

Junge Bühne Kiel Am stillen Örtchen

Für die Kieler Woche wurde für die Junge Bühne extra ein neuer Toilettenwagen gebaut, der auch nach dem „Bergfest“ am Mittwoch noch sehr sauber ist. Ich habe mich mit Waldtraud Petersen (58) und ihrer Kollegin Miriam Schütz (28) unterhalten. Sie sind unsere „Klodamen“, so nennen sie sich selbst.

Voriger Artikel
"Ich kränke lieber die Leute"
Nächster Artikel
Ein kreativer Spielplatz

Waltraudt (li.) und Miriam sind die "Klodamen" an der Jungen Bühne Kiel.

Quelle: Clemens Steinberg

Kiel. Waldtraud ist seit den Anfängen vor zehn Jahren Teil des Junge Bühne Teams, seit sieben kümmert sie sich um das Klohäuschen. Damit habe sie wegen ihrer Freundin angefangen, die dieses Jahr leider nicht da ist. In Vertretung - die Tochter der Freundin - Miriam. Sie und Waldtraud sind aber auch miteinander befreundet, manchmal passt Waldtraud auf ihre Kinder auf. Auch jetzt in der Kieler Woche, damit Miriam mit ihrem Mann ein bisschen freie Zeit hat. Miriam hat drei Söhne (sieben, vier und drei Jahre alt) die auch öfter im Ratsdienergarten anzutreffen sind. Der Älteste hat sich letztes Jahr ein Team-T-Shirt gewünscht, dieses Jahr in Sondergröße auch eins bekommen.

Auch Waldtrauds vier Kinder (18, 19, 20 und 22 Jahre alt) sind, mit verschiedenen Aufgaben betraut, bei der Jungen Bühne anzutreffen. Dazu gehören noch einige andere Familienmitglieder, im Team spricht man manchmal scherzhaft von der „Junge Bühne Mafia“.

Beide arbeiten gerne am Toilettenhäuschen, es sei eben eine Arbeit die gemacht werden muss. Außerdem bekräftigen beide, dass die Kunden die zur Jungen Bühne kommen, immer sehr höflich und nett seien. Vor allem Miriam, die früher in der Sparkassen-Arena als Klodame gearbeitet hat, weiß, dass man doch deutlich merkt, ob es Alkohol-Ausschank gibt: „Klar, Betrunkene geben oft mehr in die Kasse, machen aber auch mehr Dreck. Sie pinkeln und machen daneben. Das hatte ich oft früher, das haben die einfach in die Ecke gemacht. Die Leute sind hier reinlich, wir wischen trotzdem alle zehn Minuten durch. Das gehört sich so.“

Waldtraud berichtet mir, dass aber trotz Nüchternheit die meisten Gäste mehr als die verlangten 50 Cent geben würden. Für Miriam ist die Kieler Woche richtig Urlaub: „Ich bin gerne hier, das ist was ganz anderes als mit drei Kindern zu Hause. Auch wenn hier viel los ist, das ist wirklich Luxus. Total entspannend und ruhig.“

Auch die Konzerte mögen sie, „natürlich ist immer was dabei, was man nicht so gerne mag“, sagt Waldtraud, „aber das meiste gefällt doch.“ Miriam freut sich darüber, dass hier auch Kinder auftreten. „Klar haben einige schief gesungen. Aber es sind Kinder, von klein bis groß und das haben sie richtig gut gemacht.“

Matchboxstories auf der Jungen Bühne Kiel.

Zur Bildergalerie

Ich frage, was ihnen an dem Job „Klodame“ so gut gefällt. Waldtraut meint, Toiletten seien generell nicht so „ihr Ding“ aber für die Junge Bühne würde sie es gerne machen. Man würde die Leute vor der Toilette auch anders kennenlernen.

Miriam sagt: „Ich mag den Job, man hat immer Publikumsverkehr, man kann sich immer unterhalten. Diese positive Resonanz tut gut, wenn die Leute sagen, dass es so sauber ist. Dann habe ich das Gefühl, dass ich einen richtig guten Job mache, das ist schön.“

Paint auf der Jungen Bühne Kiel.

Zur Bildergalerie

Am Ende frage ich sie noch, was sie den jungen Menschen die hierher kommen, wünschen. Waldtraud wünscht, dass es aufhört zu regnen und dass alle so bleiben, wie sie sind. Miriam, dass alle Spaß haben und mal Auszeit von Gesellschaftszwängen und Druck haben.

Ich verabschiede mich und die beiden haben schon wieder ihren Mopp in der Hand, zehn Minuten sind um, jetzt wird wieder gewischt.

Von Hille Norden

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kieler Woche 2015 - Junge Bühne Mediacamp 2/3