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Junge Bühne Kiel Hinter den Kulissen

Die Stadt Kiel unterstützt die Junge Bühne durch bezahlte Arbeitsstunden von Mitarbeitern der Mädchen- und Jugendtreffs Kiel. Diese bereitgestellten Stunden und die Zeit die darüber hinaus freiwillig zur Verfügung gestellt werden, füllen die sechs Sozialpädagogen mit Visionen, Wünschen, Vorstellungen und Persönlichkeit.

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Stephan Ruhnke ist seit dem Jahr 2008 bei der Jungen Bühne dabei.

Quelle: KaiKoPhoto

Kiel . Stephan Ruhnke ist seit 2008 an der Jungen Bühne und kennt noch die Anfänge, als sie noch eine vier-mal-sechs Meter große Bühne weit hinten im Ratsdienergarten war. „Ich habe mein Know-How mitgebracht. Burkhardt war der Geschäftsmanager, ich immer eher der praktische Part. Wir sind zwei sehr unterschiedliche Menschen und haben uns immer super ergänzt. Manchmal haben wir unsere Meinungsverschiedenheiten aber wir haben immer an das gleiche Ziel geglaubt.“ 

Stephan hat braungebrannte Haut, blaue Augen, schütteres Haar, das an den Schläfen weiß wird, große Zähne und ein Lächeln das Steine erweichen lässt. Wenn er nicht auf der Jungen Bühne beschäftigt ist, arbeitet er in einem familienergänzenden Jugendtreff, wo er für alle ein Papa sein muss. Jugendliche sind seine Passion, das merkt man, wenn er redet. Wenn er erzählt, wer aus seinen Treffs hier wie mitgearbeitet hat und an der Jungen Bühne gewirkt hat, beginnen seine Augen zu leuchten. Dann hebt er die Hände, unterstreicht mit Gesten, was er meint. Seine Arme sind zerschrammt, man sieht, er arbeitet hier - nicht nur pädagogisch, auch körperlich ist er hier viel gefragt. Warum er für die Junge Bühne brennt? „Ich hatte das Gefühl, dass Jugendliche immer an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, sie stehen nie im Mittelpunkt, wenn doch, dann ist es immer nur Jugendkriminalität oder Drogenkonsum. Die Idee der Jungen Bühne ist es, den Jugendlichen Kiels, eine andere Präsentation zu ermöglichen. Ich wollte etwas pädagogisches erreichen, eine Bühne die die Jugendlichen begeistert, ob sie zum Zuschauen oder zum Auftreten oder Mitarbeiten kommen. Das ist uns gelungen. Meine Vision war es der Stadt und der Bevölkerung zu zeigen, was die Jugend eigentlich kann, wie toll sie ist und ihre Wünsche zu zeigen.“

The Right Season auf der Jungen Bühne Kiel.

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Sein Kollege Tobias Blank, der seit einem Jahr die Mädchen- und Jugendtreffs leitet, sieht das ähnlich. „Wir geben jungen Menschen die Gelegenheit auf und hinter der Bühne zu sein- alles zu organisieren, auszuprobieren worauf sie Bock haben.“

Tobias hat braunes Haar, vereinzelt weiß, grünbraune Augen und einen Dreitagebart. Fleischige Ohrläppchen und gerade, weiße Zähne. Er hat etwas gemütliches und eine beruhigende Ausstrahlung. Ihm ist nicht nur die Bühne die hier Jugendlichen geboten wird wichtig sondern auch die zweite Säule der Jungen Bühne: Die Alkoholsuchtprävention. Hier sei es eben nicht egal, wie viel, was und warum Jugendliche trinken. Anders als in unserer heutigen Gesellschaft wird hier darüber geredet und nachgefragt.

Tobias Blank, Leiter der Mädchen- und Jungentreffs Kiel. Foto: KaiKoPhoto

Der Playground, der komplett von dem Kieler Woche Büro finanziert und von Arne Eichberg mit Leben gefüllt wird, gehört mit zu dem Gesamtkonzept, die Jugend zu fördern und ihnen Alternativen zum Rausch zu bieten. Auf dem "Spielplatz für Große“ gibt es unter dem Motto „Urban Arts“ vieles auszuprobieren, wo es ansonsten für Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren kaum ein Angebot in der Fress- und Trinkmeile gibt. Das wichtigste am Playground sei, so Tobias, dass er wirklich für Jugendliche ist. „Man neigt dazu, nur zu schauen wie viele Leute da sind. Man guckt nicht, wer da ist. Wir wollen die Jugendlichen mit etwas Neuem in Berührung bringen. Ein Raum, in dem sie Gleichaltrigen begegnen und in dem sie sich ausprobieren können, ohne, dass es gleich verurteilt wird.“ Das würde hier begleitet werden, genauso wie eine Bühne und eine Fläche zum Erfahrungen sammeln bereitet werde. Was er Jugendlichen, die zum Playground kommen, empfehlen würde? „Setz dich, genieß es. Vielleicht entdeckst du zwischen Bauzäunen und Zelten etwas, von dem du sagst, dass es lohnt sich näher anzuschauen. Einen zweiten Blick oder einen dritten darauf zu werfen. Wenn nicht, komm morgen wieder. Aber lass dir die Zeit.“

Aber warum muss es unbedingt Kultur sein, um Jugendliche zu beschäftigen? „Wir können ihnen ja nicht nur sagen, was sie nicht machen sollen. Wir müssen ihnen ja auch eine Alternative bieten können. Eben zeigen können, dass es neben Fernseher und Konsum noch etwas gibt. Hier erlebt man alles hautnah, man kriegt die Stimmung mit. Hier bringen wir nahe, was schön an Kultur ist", sagt Tobias. „Kultur bereichert das Leben. Sie ist das schöne, gelebte. Sie erweitert den Horizont.“

Stephan liebt die Vielfalt die von Kultur verkörpert wird und die Möglichkeit, dadurch verbunden zu werden: „Es gibt viele unterschiedliche Kulturen und Religionen aber man kann sie alle bewundern.“

Kreativität ist hier ein geflügeltes Wort, kaum hört man es öfter. Hat Kreativität eine magische Wirkung auf Jugendliche? „Kreativität bedeutet, unerwartetes zu wagen und den geschützten Bereich zu verlassen. Das Sofa zu verlassen, auf dem ich immer so sitze. Etwas zu tun und mich darauf einzulassen. Neues zuzulassen und zu sehen: Wo habe ich ein Gefühl für Liebe? Den Gedanken freien Lauf zu lassen“, ist Tobias Begründung. Stephan fasst es etwas schlichter zusammen: „Kreativität ist die Befreiung von Ängsten.“

Ich frage Stephan, was es bedeutet hier zu arbeiten. Ich sehe ihn immer hier, Zuhause ist er während der Kieler Woche kaum. Er hat Schatten unter den Augen, ist sichtlich erschöpft, aber wenn eine Band die Bühne rockt, tanzt er in der ersten Reihe.

„Verantwortung für eine Show zu tragen, bedeutet da zu sein, zu 100 Prozent. Egal, ob du noch kannst, oder nicht. Du bist hier verantwortlich für die Leute sogar für Betrunkene, die deine Bauzäune einreißen, weil sie dein abgesperrtes Gelände überqueren wollen. Wenn du ein richtiger Veranstalter bist, willst du niemals Blaulicht sehen. Das kannst du nicht mit dem Kopf oder dem PC sondern nur mit deinem Herzen. Alle, die hierher kommen, sind deine Gäste und für alle bist du verantwortlich. Ob es der Flaschensammler ist oder der Betrunkene am Zaun. Du musst sie alle im Blick haben, auch das Team, sodass es allen gut geht und dass sie zufrieden nach Hause fahren. Das ist die Aufgabe. Ich bin genauso viel wert, wie meine Klodame, wie der Müllsammler. Wenn der Klomann, der Wachmann, der Künstler Hilfe braucht, ich bin Dienstleister für jeden hier, für das Kind, das ein Pflaster braucht, für jeden Gast. Damit sich hier jeder wohlfühlen kann. Ich bin ein Teil von jedem einzelnen hier.“

Von Hille Norden

 

 

 

 

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