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"Jeder hier hat Potenzial"

Junge Bühne Kiel "Jeder hier hat Potenzial"

 „Wo ist Burkhardt?“, die am häufigsten gehörte Frage im Junge Bühne Team. Die Tür zu seinem Büro geht ständig auf, alle wollen irgendetwas. Die einen suchen Stifte, die anderen Anweisungen.

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Burkhardt Richard, Geschäftsführer des Kieler Jugendring, wollte der Stadt etwas hinterlassen, das bleibt.

Quelle: KaiKoPhoto

Kiel. Burkhard Richardt, einprägsamer Name, einprägsamer Typ. Groß, weißes Haar, hellblaue Augen und 51 Jahre alt. Eine angenehme Stimme, in der er in einem gleichmäßigen Sprachfluss über die Junge Bühne redet. Er wiederholt die Adjektive, die besonders treffend beschreiben, was er sagen möchte. Wir sitzen in seinem Container, er kann das Gelände von hier einsehen, das Gelände ihn. Wir sitzen in dem „Büro“ auf der kleinen grauen Couch.

Die Junge Bühne war die Umsetzung eines Vorhabens. „Als ich 1986 nach Kiel gekommen bin, um hier an der Uni zu studieren, habe ich mir fest vorgenommen etwas Nachhaltiges für Kiel zu schaffen. Ich hatte die Vision, nach Kiel zu kommen und etwas auf die Beine zu stellen, etwas von Bedeutung. Ich wusste überhaupt nicht was, aber ich hatte den Wunsch etwas für die Stadt zu hinterlassen, das bleibt. Etwas, das beständig ist, das für die Jugend auch einen nachhaltigen Nutzen hat.“

Und genau zu dem ist die Junge Bühne, die 2005 ins Leben gerufen wurde, geworden. Beständig ist die Junge Bühne und mittlerweile sehr etabliert. Aber was ist ihr nachhaltiger Nutzen für die Jugend? Was ist die Vision der Jungen Bühne?

Die Junge Bühne Kiel wird in diesem Jahr zehn Jahre alt.

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„Die Junge Bühne haben wir in Kooperation mit dem Kieler Jugendring und den Mädchen- und Jugendtreffs der Landeshauptstadt Kiel aufgebaut.“ Burkhardt ist Geschäftsführer des Kieler Jugendring. „Wir wollten ein Angebot für Jugendliche schaffen. Die Junge Bühne hat zwei Säulen, einmal die Alkoholprävention und die Jugendbeteiligung. Vor allem letzteres nehmen wir sehr ernst, es ist einfach bei uns mitzuarbeiten. Wir freuen uns über alle Jugendlichen, die mitmachen. Wir breiten ihnen quasi den Teppich aus, den sie bespielen können.“

Was die Vorteile der Jugendlichen seien, die hier mitarbeiten und auftreten, sollte man sie am besten selber fragen. Was er aber definitiv sagen könne, für viele, vor allem die langjährigen Mitarbeiter sei das Junge Bühne Team eine richtige Familie geworden. „Was ich mir für die Jugendlichen die hier sind, wünsche, ist dass sie die Junge Bühne hier als Plattform nutzen, um sich aktiv auszuleben. Dass sie ihren Platz in der Jungen Bühne finden, um diesen zu füllen und zu gestalten.“ Dass so viele Mitarbeiter die vorgegeben Positionen mit Persönlichkeit und Leben füllen, bedingt auch die Weiterentwicklung der Jungen Bühne. „Ein gutes Beispiel ist der Verkauf: Wo die Jugendlichen auf die Idee gekommen sind, Eis, Tee und Kakao zu verkaufen. So ist aus dem Kaffee- Stand ein Café  geworden. Letztes Jahr kam die vegane Suppe dazu. Mein Job ist dabei unter anderem, diese Ideen möglich zu machen, bei der Umsetzung zu helfen und das mit zu begleiten.“

Und je älter die Junge Bühne wird, desto mehr wird sie angenommen. Umso mehr verschiebt sich Burkhardts Aufgabenfeld von aktiv zu passiv. Jetzt ist der Rahmen sein Bereich, die Handlung der Job von Anderen. Burkhardt habe in den letzten Jahren gelernt, zu delegieren, abzugeben und einfach loszulassen. Die Jugendlichen würden hier freie Hand haben, die Junge Bühne zu gestalten.

Das sei auch bei neuen Projekten so, die unter dem Namen Junge Bühne auftreten. Der Playground der vom Kieler Woche Büro finanziert und von den Mädchen- und Jugendtreffs der Stadt Kiel initiiert wurde, bietet ein kreatives Angebot für Jugendliche zwischen zehn und siebzehn Jahren. Arne Eichberg hat diese Vision mit Leben und Künstlern gefüllt. „Es war klar, dass der Playground sein Baby ist, da hatte er alle Freiheiten. Klar war aber immer, wenn er Hilfe und Unterstützung braucht, stehe ich sofort zur Verfügung.“ Den Erfolg konnte man vergangenes Wochenende sehen und er wird sicherlich diesen Sonnabend und Sonntag von 12-18 Uhr wieder sichtbar. 

Die Ideenvielfalt und die breite Fächerung von Visionen liegen in der guten Durchmischung des Teams. „Wir haben Jugendliche aus allen sozialen Schichten. Es ist wichtig, dass wir hier nicht nur Abiturienten und Studierende haben. Es ist hier alles. Wir sind eine Art Treffpunkt, wir nehmen alle mit ins Boot und alle sind gleich wichtig. Hier hat jeder die gleiche Stimme. Jeder kann seine Ideen einbringen. Jeder wird ernstgenommen. Das ist der Reichtum der Jungen Bühne, dass wir alle auf einer Ebene sind. Dass es hier eben keine Abstufung gibt, keine Hierarchie.“ Eines sei bei allen Teammitgliedern noch gleich: „Jeder, der hierher kommt, hat Potenzial. Ich versuche alle Qualitäten, die diese Menschen mitbringen zu sehen und zusammenzubringen.“

Warum die Teammitglieder für die Junge Bühne brennen und viel von ihrer Kraft und Energie in sie investieren, ist bei jedem unterschiedlich. Und klar ist, vor allem für das Kernteam: Die Junge Bühne kostet Zeit, die nur teilweise bezahlt ist und viele Nerven. Da wird dann für zehn Tage Familie, Schlaf und alles andere komplett zurückgestellt. Burkhardt brennt, weil er selbst einmal in den Achtzigern eine Band hatte. Eine Rockband die durch Schleswig-Holstein tourte. „Ich war der Sänger und habe das Gefühl immer noch in mir, was es bedeutet, auf der Bühne zu stehen und sich vor Zuschauern zu präsentieren. Ich wollte den Jugendlichen die Chance geben, eben dieses Gefühl auch haben zu können, indem ich ihnen hier eine Bühne bereite.“ Und ihm liegt die Kultur, die an der Jungen Bühne hochgehalten wird, am Herzen. „Kultur ist wichtig, weil sie jungen Menschen die Möglichkeit gibt, sich aktiv an der Gesellschaft zu beteiligen anstatt einfach nur rumzuhängen und durch Langeweile auf komische Ideen zu kommen.“

The Right Season auf der Jungen Bühne Kiel.

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Es gibt für ihn einen Leitsatz, sagt er mir, der sei ihm besonders wichtig. Draußen steht gerade eine Inklusionsklasse auf der Bühne und spielt einen einfachen, aber schönen Rhythmus. „Wenn man an sich selber denkt, hat man oft Probleme. Wenn man an andere denkt, hat man Aufgaben.“.

Wenn Burkhardt an die Gäste der Jungen Bühne denkt, denkt er doch erst an sich. Und zwar daran, wie er seine erste Kieler Woche erlebt hat: „Das war vor vielen Jahren im Werftpark, da spielte eine Band und ich habe im Gras gelegen und gelauscht. Das war schön und einfach frei. So erlebe ich die Junge Bühne auch, die Leute kommen, setzen sich hin und entspannen von dem ganzen Trubel hier. Sie genießen, schauen und kommen gerne wieder. Und es kommen jedes Jahr mehr wieder, insofern weiß ich, dass dies der richtige Weg ist. “

Von Hille Norden

 

 

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