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"Ich mache keine Slam-Texte"

Poetry Slam Junge Bühne Kiel "Ich mache keine Slam-Texte"

Die Junge Bühne Kiel lädt am Dienstagabend gemeinsam mit unserer Zeitung zum sechsten Kieler Woche Poetry Slam ein. KN-Mediacamp-Teilnehmerin Hille Norden hat im Vorfeld mit Slammer Robin Reithmayr (Mriri) gesprochen.

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Slammer Robin Reithmayr (Mriri) ist am Dienstagabend auch auf der Jungen Bühne Kiel.

Quelle: Clemens Steinberg

Kiel. Mriri - er trägt einen grauen Pullover, Jeans. Das blonde Haar kurzgeschoren, einen Dreitagebart und ein Tunnel im linken Ohr. In der Hand eine Limonade, blaue Augen, strahlt er eine österreichische Zufriedenheit aus. Sein Gesicht lächelt die ganze Zeit. Wir sitzen im Media-Container, die Fenster sind offen, unten spielt eine Trash-Metal-Band. Sie sind gut und laut. Mriri  lässt sich weder durch den Krach oder die Bahnhofs-Atmosphäre im Container noch durch meine Fragen aus der Ruhe bringen. Er spricht leise und langsam. Die vielen Pausen, die er mitten im Satz macht, braucht sein subtiler Humor, um zu wirken.  

H: Magst du mir sagen, wie du heißt?

M: Robin Reithmayr

H: Reithmayer…

M: Aber ich habe einen Künstlername. Mriri.

H: Schreib mal.

M: M R I R I. Das steht für ein Geräusch

Mriri schaut mich an und macht ein Geräusch, das entweder nach einem Delphin, oder der Mischung aus traurigem Vogel und schnurrender Katze klingt.

H: Wie kommt das, zeichnet dich das irgendwie aus?

M: Du meinst, ob ich eine Schreckerfahrung hatte, oder so?

H: Ja…

M: Nö, das ist einfach etwas, dass mein Körper machen kann. Das ist lustig.

H: Ja, ich habe auch gelacht. Wie lange machst du Poetry Slam schon?

M: zweieinhalb Jahre.

H: Warum hast du damit angefangen?

M: Keine Ahnung, warum fängt man an mit etwas, das Spaß bringt?

H: Wusstest du denn vorher schon, dass es Spaß bringt?

M: Nein, natürlich nicht. Also ist es dann eine Frage, wie ich dazu gekommen bin?

H: Ja, genau.

M: Ach so. Zu Fuß.

H: Ok, krasser Typ.

M: Nee. Ganz unspektakulär halt, davon gehört, hingegangen, angeschaut, mitgemacht.

H: Du hast die Poeten auf der Bühne gesehen und dachtest, das kann ich auch?

M: Ich mach keine Poetry Slam Texte. Sondern lauter kurze Texte. Ganz kurze. Je nachdem wie das Zeitlimit ist, sechs bis zehn. Von daher, ich habe es einfach gesehen und dachte: „Cool, da mache ich auch mit.“ Ich habe von Anfang an lauter kleine Texte gemacht. Irgendwann habe ich dann auch angefangen, die gut zu verpacken. Seitdem läuft es.

H: Du trittst viel auf, was wäre dein Leben denn ohne Slam?

Draußen brüllt die Band, das Publikum auch, Mriri schweigt erst einmal eine Weile. Er schaut sich um, trinkt ein bisschen Limonade. Dann sieht er mich wieder an, auf seinem Pullover steht „Think Pink“, was auch immer das bedeuten soll.

M: Hm, es wäre um einiges weniger aufregend. Ohne hätte ich weniger Leute kennengelernt. Möchtest du jetzt irgendwas Pathetisches hören?

H: Ja, es kann gerne Pathos haben, muss es aber nicht.

M: Ich könnte keinen Tag ohne.

H: Du sagtest gerade, es macht das Leben aufregender? Wie denn?

M: Wie? Du machst doch auch Poetry Slam.

H: Jetzt mache ich gerade ein Interview.

M: Ich würde schreiben. Aber ich wäre eher so der Schreibtisch-Schreiber, der an seinen Roman auf irgendeinem Dachboden tüftelt.

H:  Warum ist Poetry Slam für junge Leute wichtig?

M: Ist es das? Ich glaube es wird deshalb so gut angenommen, weil sich damit jeder identifizieren kann, mit den Leuten, mit den Texten.

H: Was bewegt dich dazu, dich auf die Bühne zu stellen? Also ehrlich, du stehst vor Menschen, die du gar nicht kennst, die Punktetafeln hochhalten und dir am Ende eine Fünf reindrücken. Warum?

M: Freibier hauptsächlich.

H: Das Freibier…das heißt, du verkaufst deine Texte, dich und deine Freizeit für Freibier.

M: Hauptsächlich, ja. (lacht)

H: Also… hast du ein Alkoholproblem?

M: Nein, das nennt man anders, das ist eine aktive Slam-Karriere.

H:  Die Junge Bühne steht für Suchtprävention, es gibt also keinen Ausschank. Du kriegst Wittenseer noch und nöcher, aber kein Freibier für dich. Randalierst du dann die Bühne?

M: Glaubst du, ich trete dann noch auf? Ach, das ist ok. Das kriege ich schon hin. (lacht)

H: Ich stelle in Interviews immer gerne eine Frage: „Wie verstehst du die Welt?“

M: So rein physikalisch oder auf einer tiefgründigen Ebene?

H: Fang mal mit der physikalischen an.

M: Also es gibt die Schwerkraft. Da gibt es Strom. Feuer gibt es auch. Wie meinst du das? Ob ich gläubig bin? Ich bin nicht gläubig. Ich glaube, es gibt Kausalitäten. Und dass es eine Kausalität gab, die zu diesem Universum geführt hat. Und zu diesem Planeten und dazu, dass es den Poetry Slam gibt. Und das ist auch ganz gut so.

H: Und wie verstehst du die Welt im tiefgründigen Sinne?

M: Tiefgründig… Das ist nicht sehr tiefgründig, Logik und so. Also ich verstehe die Welt hauptsächlich durch mein Gehirn. Ich verstehe die Welt als einen Ball, auf dem es Leben gibt. Auch eine soziale Affenform, namens Menschen. Die kommuniziert miteinander durch Sprache und das ist ziemlich cool, weil Bären oder Haie oder Eidechsen das wahrscheinlich nicht machen würden. Das ist schon was cooles, dass es den Menschen gibt.

H: Sieht man die Welt anders als Slamer?

M: Klar.

(Pause)

H: Schaust du mich jetzt an und überlegst dir, wie du mich zu einem Text verarbeiten könntest?

M: Ich schreibe sehr gerne Witze. Ob ich einen Witz über dich schreiben würde? Bis jetzt warst du noch nicht so die Pointe.

Er lacht, ich brauche noch zehn Sekunden, dann lache ich auch.

H: Ich werde das genauso abtippen… Wenn du auf der Bühne stehst, was willst du den Menschen sagen. Du darfst ruhig mit Pathos antworten.

M: Finger weg von Drogen.

H: Danke. Möchtest du mir noch irgendwas sagen?

M: Dein Schuhband ist offen.

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