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Kieler Woche 2015 Lässig swingend aufs Siegertreppchen
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12:21 27.06.2015
Von Thomas Richter
„Besucherrekord! Mehr als 10.000 Menschen haben sich heute hier versammelt“ frohlockt Moderator Andreas Schmidt gegen Ende des Classic Open Airs mit Stefan Gwildis und den Philharmonischen Orchester Kiel auf dem Rathausplatz. Quelle: Frank Peter

Woher er das weiß und wie das bei freiem Zugang aus fast allen Himmelsrichtungen eigentlich gezählt wird, sei einmal dahingestellt. Prallvoll war es auf jeden Fall. Längst ist das Crossover-Konzert für viele Kieler Woche Fans eine feste Bezugsgröße im kaum noch zu überblickenden musikalischen Angebot der Festtage. Denn das, was die Kieler Philharmoniker und ihre internationalen Gäste aus der Pop-, Rock-, oder Jazzszene seit Jahren bieten, ist fast immer erste Sahne. Und doch bekam man am vergangenen Freitag den Eindruck, ein ganz besonderes Kapitel dieser musikalischen Erfolgsgeschichte zu erleben.

Unter der behutsamen Stabführung von Kiels scheidendem 1. Kapellmeister, Leo Siberski, begann das Orchester bewusst ein wenig verhalten mit der folkloristisch angehauchten, wunderschönen Ouvertüre aus der russischen Oper Ruslan und Ludmila von Michail Glinka. Es folgte der erste Star des Abends, und der war ganze zwölf Jahre alt. Als Solist bewies der junge Geiger Benjamin Günst mit beeindruckendem, variantenreichem Spiel und verblüffender Selbstsicherheit,  warum er in seinem Fach als eines der großen Kieler Nachwuchstalente gilt.

Danach hieß es Showtime und Bühne frei für den Charmeur, Entertainer und vor allem erstklassigen Soul- und Jazzsänger Stefan Gwildis. Eigentlich ist die Kieler Woche eine Art Heimspiel für den Hamburger, der in der Vergangenheit hier regelmäßig auftrat. Der Verbund mit den Kieler Philharmonikern ist allerdings eine Premiere. Und die geriet zum Triumph. Schon mit den ersten Takten des lässig swingenden Das Lied in dir wechselten die Musiker in einen von Siberski fein austarierten Groove, dem satte Bläsern eine authentische, vollmundig-soulige aber trotzdem erdigen Patina verliehen. In dieses allumschmeichelnde, deutlich am Motown-Sound der Sechziger orientierte Klangbild fügte sich auch Gwildis' eigene Band nahtlos ein, so dass die samtig angeraute Stimme des Sängers trotz des beachtlichen personellen Aufgebots um ihn herum nahezu uneingeschränkt zur Geltung kam. Geschmeidig oder machtvoll, verspielt phrasierend oder als eindringlicher Crooner glitt Gwildis durch das abwechslungsreiche Set. In dem fehlten soulig-funkige Eigenkompositionen (Das Lied in Dir; Wer loslässt, hat die Hände frei) ebenso wenig wie die wunderschöne Vertonung des Heinz Erhardt Gedichts Der Einsame oder der luftig perlende brasilianische Samba Naja-Naja. Aber das Markenzeichen des Mannes im smarten dunklen Anzug sind nun einmal die frühen, sinnfällig auf deutsch umgetexteten Soul-Klassiker des „Great American Songbook“. Sinfonisch arrangiert vom  renommierten Chefdirigenten der NDR Bigband  Jörg Achim Keller, mit dem Gwildis jüngst das Album „Das mit dem Glücklichsein“ eingespielt hat, brachten unsterbliche Juwelen wie Sie lässt mich nicht mehr los (Me And Mrs. Jones), Lass' mal ruhig den Hut auf (Leave Your Head On) oder Wir haben noch jeden Berg geschafft (Ain't No Mountain High Enough) das Publikum bis in die hintersten Reihen in allerbeste Stimmung. Rekord oder nicht. Dem Classic Open Air 2015 gebührt in jeder Hinsicht ein Platz auf dem Siegertreppchen.

 

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