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Jimmy Somerville: Funky ins Finale

Kieler Woche 2015 Jimmy Somerville: Funky ins Finale

 Zur Kieler Woche 2015 ließ am Wochenende Jimmy Somerville auf der Hörnbühne den Disco-Sound der 80er/90er wiederaufleben.

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Jimmy Somerville war am Sonntagabend auf der Hörnbühne in Kiel zu sehen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „You Make Me Feel Mighty Real“, mit diesem alten Synthie-Pop-Hit von seiner ehemaligen Band Bronski Beat eröffnete Jimmy Somerville am Sonntagabend das Kieler-Woche-Finale auf der Hörnbühne, präsentiert von Radio Nora. Sein enorm kraftvoller Falsett-Gesang wirkt dabei gefühlt ebenso unwirklich oder auch „mighty real“ wie er, seine Band und beider mächtig funky Sound zurück entführen in den Disco-Sound der 80er und 90er Jahre.
 
Weil der so weit zurückliegt, sind fast alle Haare im Publikum schon etwas grau, wenn sie nicht von den Strohhüten einer bekannten Rum-Marke sommerlich erblondet sind. Ergraut ist Jimmy Somerville überhaupt nicht, er wirkt so lebendig wie direkt aus der Zeitmaschine entsprungen. Und so funkelt das Finale über der sich allmählich regnerisch grau eintrübenden Hörn umso funkyer.
 
Summer in Kiel-City ist auch angesagt in „To Love Somebody“, jenem Reggae, wo die drei Bläser (Saxofon, Posaune und Trompete) aus Jimmys Band fröhlichst karibische Urständ feiern, bevor sich der Herbst der Balladen einschleicht. „Some Wonder“ vom neuen Album „Homage“ ist eine solche, obwohl sich auch in ihr immer wieder eine imaginäre Glamour-Kugel über der Bühne spiegelt. An die, bittet Jimmy bescheiden, mögen wir auch bei „Overload“ (ebenfalls vom neuen Album) denken.
 
Freilich ist das nur der Prolog zu den Cover-Hits der Disco-Ära, die Somerville hernach einen nach dem anderen und in stetiger Steigerung – seiner unglaublichen Stimme wie der Feierlaune des Publikums – bringt. Wer zusammen mit dem wiederum erstaunlich still und erinnerungsschwanger revivalten „Smalltown Boy“ zwar schon jubelt, weil er den Hit mit seinem enervierend pumpenden Bass-Riff und dem markanten Gitarren-Thema schon am ersten Takt wiedererkennt, aber noch etwas lahm auf den Beinen ist, tanzt spätestens bei „Never Can Say Goodbye“ von den Jackson Five, respektive Jimmys Communards.
 
Gleichwohl kommt jenes „Goodbye“ schon wenige Songs später mit dem Thelma-Houston-Cover „Don’t Leave Me This Way“. „Das war unser letzter Song“, sprach Jimmy und verschwand. Doch so darf er uns nicht verlassen! Daher nur – die Disco-Lampen sind noch an, der erste Sprühregen scheint den kurzen Sommer zu verabschieden –, um die intensiv fordernden Zugabe-Rufe zu genießen. Schon stehen er und seine kongeniale Band wieder auf der Bühne und singen „I Feel Love“ mit noch einer Ecke Glitter-Funk mehr. Und wir stimmen ein in solches Finale – mit Liebesgefühl von und für Jimmy!

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