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Kieler Woche 2015 Nicht ganz der „Human of the Kiel Week“
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12:07 23.06.2015
Von Jörg Meyer
Olli Schulz klampfte sich auf der Hörnbühne etwas erschöpft durch seine Lieder: Der Kieler-Woche-Auftritt auf der Hörnbühne ist sein vorletzter, bevor die Tour zum jüngsten Album „Feelings aus der Asche“ im August weitergeht. Quelle: Frank Peter
Kiel

„Ich seh aus wie ein leerer Teller Gulasch, den man noch nicht abgeräumt hat“, entschuldigt er sich scherzend, will aber auch hier nochmal abräumen, als „Human Of The Week“, zu dem ihn ehedem das Hamburger Abendblatt kürte. Jetzt also der „Human of the Kiel Week“?
 
Nicht ganz, denn der mit etwas spärlichen „Olli! Olli!“-Rufen („Nicht so laut, ich werd’ sonst größenwahnsinnig!“) an der Hörn Begrüßte verschießt sein vom vielen Touren schon etwas feucht gewordenes Pulver vorsichtshalber gleich im ersten Lied. „So muss es beginnen“ heißt es treffend, denn zu dieser noch recht frischen Nummer werden Konfetti-Salven ins dicht gedrängte Publikum geschossen. Nach solchem Knalleffekt scheint die Luft allerdings raus, und das ist nicht nur eine „Phase“, denn schon beim gleichnamigen Lied wird trotz Aufforderung zur Tanzgymnastik nur zögernd mitgemacht. Nicht anders beim müde hip-hoppelnden „Passt schon!“.
 
Dennoch schlägt sich Schulz wacker in älteren Liedern wie der „Ankunft der Marsianer“. Solcher „Smoothie für die Ohren“ kommt allerdings trotz beherzter Einübung des „Howdy-Dowdy!“-Refrains vielleicht etwas zu „smooth“ daher. „Ist hier auch schon alles lactosefrei?“, greint Schulz, und legt fröhlich nach: „Aber Kiel ist doch das New Orleans von Deutschland, oder?“ Naja, eher nicht, jedenfalls heute nicht. Gut, dass Schulz für solche etwas mauen Lebens- und Bühnenlagen, ebenso die richtigen Songs im Gepäck hat. „Als Musik noch richtig groß war“, erinnert er sich in „meiner kleinen Hymne an die Musik“. Auch mit der kann es auf einer Bühne aber recht einsam werden – obwohl: „Solange einsam, bis du lernst, allein zu sein“, das Gefühl hat Schulz auch längst durch den Song-Wolf gedreht, ohne allzu sehr am Rad zu drehen. Denn „allein“ reimt sich halbwegs auf „frei“, und schon kommt er etwas mehr in Fahrt – als „Ich bin dein Boogie-Man“. Der trage „sein Herz in der Hand und die Zeit im Gesicht“, ein Vers über den man zumindest grübeln kann.
 
Ebenso über „der Ball ist rund, das Leben ist schwer“, wie es in „Spielerfrau“ heißt, Ollis Fußballhymne, zu der er Luftballonbälle ins Publikum pusten lässt. „Ist jetzt gleich Topfschlagen oder was?“, meint ein „bis eben noch Schulz-Fan“. Aber eben auch ein Holstein-Fan, der es übel nimmt, wenn Olli an den verpassten Aufstieg in die 2. Liga erinnert. War als Moderation gut gemeint, kommt aber schlecht an. Irgendwie ist heute der Wurm drin in dieser „Schrecklich schönen Welt“, und so sehnt sich Olli in „Bettmensch“ zwischen Daunen und Federkern. Besagter (Ex-) Fan auch: „Ab ins Bett – zum Maulhelden zeugen!“

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