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Sauber, dieser Einsatz

Kieler Woche 2015 Sauber, dieser Einsatz

In dem kleinen, durchsichtigen Plastikeimer war vielleicht irgendwann mal Krautsalat, ein Etikett ist abgewaschen und verblichen noch zu erkennen. Jetzt schwimmt er in der Kieler Förde. Heiko Lutz fährt mit dem kleinen, orangefarbenen Boot nah an den Eimer heran. Carsten Riechly holt den Kescher, lehnt sich über die Bordwand und lässt den Plastikmüll in das Netz schwimmen. Seit dem frühen Nachmittag sind die beiden ABK-Mitarbeiter auf dem Wasser mit dem Müllsammelschiff „Schiermoker“ unterwegs.

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Kieler Woche 2015: Kapitän Heiko Lutz (li) und Matrose Carsten Riechly auf der ABK Schiermoker.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Acht Stunden dauert die Schicht. Noch schwimmt nicht sehr viel Abfall im Wasser. „Das hängt auch mit dem Wind zusammen. Heute trägt er alles raus“, erklärt Heiko Lutz. Aber sie haben bei jedem Wetter viel zu tun.

 Seit 2004 ist der „Schiermoker“ zur Kieler Woche auf der Förde unterwegs, von der Hörn bis zum Tirpitzhafen geht die Tour. Jeden Tag fahren zwei ABK-Mitarbeiter in zwei Schichten raus. „Das ist freiwillig.“

 Aus jedem Bereich des Betriebes kann man sich melden, um mitzuhelfen“, sagt Riechly. Einzige Voraussetzung: Einer der beiden Besatzungsmitglieder muss einen Bootsführerschein haben. „Da war es in diesem Jahr schwierig, genügend Leute zu finden“, erzählt Riechly. Freiwillige gibt es insgesamt genug.

 Fünf Kubikmeter Abfall holte die Mannschaft des „Schiermokers“ im vergangenen Jahr aus der Förde. „Das meiste sind Plastikflaschen, Plastiktüten oder Luftballons“, sagt Lutz. Aber auch Einkaufswagen, Matratzen und Bierfässer haben sie schon aus dem Wasser geholt.

 Der 48-Jährige ist seit Anfang an dabei. Er hat festgestellt, dass die Menge an Müll in den vergangenen Jahren kleiner geworden ist: „Da hat sich schon einiges verändert, die Leute schmeißen viel weniger weg. Das liegt auch daran, dass es inzwischen für viele Flaschen, Dosen und Becher Pfand gibt.“ Die beiden ABK-Mitarbeiter schippern mit dem kleinen Boot weiter in einen der Bootshäfen am Hindenburgufer. Lutz fährt langsamer, es ist eng. „Hier muss man mit ein bisschen Fingerspitzengefühl fahren, damit man nirgendwo anstößt.“ Riechly sucht die Wasseroberfläche ab, aber im Hafen ist alles sauber. „Es ist aber schon vorgekommen, dass wir Müll von einem der Schiffe mitgenommen haben. Wenn man nett ins Gespräch kommt, geht das“, erzählt der 46-Jährige lachend.

 Zwei Stunden brauchen sie für die gesamte Runde, manchmal auch länger. „Morgens kann das schon mal knapp sein“, sagt Riechly. Von 6 bis 8 Uhr dauert die Frühschicht, gerade an den Wochenenden holen die ABK-Mitarbeiter zu dieser Zeit viel aus dem Wasser. Obwohl die Besatzung der Spätschicht, erst um 22 Uhr an Land geht. „Manchmal kann es richtig hektisch hier an Bord werden“, sagt Lutz.Trotzdem sind sich beide einig: „Es gibt schlimmere Arbeitsplätze auf der Kieler Woche als auf dem „Schiermoker“.“

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