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Nach Kreuzbandriss zurück auf Goldkurs

Kieler Woche 2015 - Segeln Nach Kreuzbandriss zurück auf Goldkurs

Geduld war am Dienstag vor Schilksee diejenige Charakter-Eigenschaft, die am meisten gefragt war. Denn erst am Nachmittag ging es auf das Wasser, mit viel Probieren gelangen schließlich bis zu zwei Rennen in den neun olympischen und paralympischen Klassen.

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Die 470er-Weltmeister von 2009, Sime Fantela (re.) und Igor Marenic, liegen zur Kieler Woche souverän auf dem ersten Platz.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Danach durften die Kieler Nacra17-Segler Paul Kohlhoff/Carolina Werner zum großen Jubel ansetzen. Sie müssen im heutigen Medalrace nur noch zum Start antreten. Von Goldmedaillenplatz sind sie trotz doppelter Wertung im Finale nicht mehr zu verdrängen.

Am Dienstag wurden zunächst nur auf der Seebahn und den Außenbahnen Rennen angeschossen - doch auch dort kehrte bald die Flaute ein. Am Nachmittag konnten in der Innenförde aber doch noch Wettfahrten absolviert werden. Die ersten Kieler-Woche-Sieger stehen bereits fest.

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 Die beeindruckendste Siegesserie gibt es indes im schmalen Feld der 470er-Frauen. Die Österreicherinnen Lara Vadlau/Jolanta Ogar segelten vor Kiel nur Siege ein. Die Wege zum Erfolg mögen unterschiedlich sein, der Aufstieg von Vadlau/Ogar in die Segel-Weltspitze ist aber wohl einer der ungewöhnlichsten. Aus einem Duo, das sich einst erbittert im Protestraum gegenüberstand, ein halbes Jahr später eine gemeinsame Loser-Party feierte, dann die Hürde einer Einbürgerung überwinden musste, ist die dominierende 470er-Paarung geworden, die in den vergangenen beiden Jahren Silber und Gold sowohl bei den Europa- als auch bei den Weltmeisterschaften abräumte und den Gesamt-Weltcup 2014 gewann.

 Vor vier Jahren prallten die Österreicherin Vadlau und die Polin Ogar vor Mallorca das erste Mal aufeinander. „Es war mein erster Worldcup und ich hatte mich an der Tonne reingedrängelt“, erinnert sich die heute 21-jährige Vadlau. Ihre Kontrahentin zögerte nicht lange, zückte die rote Protestflagge und warf Vadlau aus dem Rennen. Liebe auf den ersten Blick entstand damit nicht. Ein halbes Jahr später kam man sich schon näher. Bei der WM vor Perth blieben beide jeweils hinter ihren Erwartungen zurück, segelten am Finale vorbei. Bei der Verlierer-Party am Strand erkannten sie ihre gleiche Wellenlänge. „Wir haben uns sofort gut verstanden, haben ein gemeinsames Training verabredet“, sagt Vadlau und wusste danach, dass die zwölf Jahre ältere Polin die Idealpartnerin ist: „Bei der Wende war sie so schnell auf der anderen Seite, da saß ich noch in Lee. Ich wusste, die will ich in meinem Boot haben.“

 Olympia 2012 segelten beide noch mit ihren Ursprungspartnerinnen unter verschiedenen Flaggen gegeneinander. Danach aber wurde die Idee eines Nationenwechsels von Jolanta Ogar an den österreichischen Verband herangetragen. Ein Jahr bekam das neuformierte Duo Zeit, sich zu beweisen. Und das tat es mit Bravour. EM- und WM-Silber in 2013 überzeugten den Verband, unter dem Dach des OeSV folgten 2014 zwei Goldmedaillen und schließlich die Wahl zur Mannschaft des Jahres in Österreich.

 Aufzuhalten scheint das Team nur durch die Ski-Leidenschaft der jungen Steuerfrau zu sein. 2013 hat sie sich das linke Kreuzband gerissen, in diesem Winter war es beim Heli-Skiing das rechte. Doch nach acht Wochen Pause eilen die Österreicherinnen zur Kieler Woche wieder von Sieg zu Sieg. Die EM lassen sie zwar wegen des Trainingsrückstandes aus. Bis zur WM im Oktober wird sich die Weltelite aber auf ein starkes Comeback der Titelverteidigerinnen einstellen müssen. In Kiel werden sie sich vor den Finalläufen, die heute in den acht Olympiaklassen ab 11 Uhr auf den Bahnen in Hafennähe beginnen, den Triumph nicht mehr nehmen lassen. Aus deutscher Sicht haben Justus Schmidt/Max Boehme (Kiel) im 49er und Tobias Schadewaldt (Oldenburg) im Laser beste Aussichten auf Sieg.

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Foto: Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (Mitte) genießt die Fahrt mit 25 Knoten auf der „Musandam-Oman-Sail“.

Sie sind gerade auf Werbetour, die Segler der „Musandam-Oman-Sail“, mit ihrem MOD70-Trimaran aus dem Sultanat Oman. Gesehen hat das imposante Gefährt, das sich seit Beginn der Kieler Woche libellenartig über die Kieler Innenförde bewegt, inzwischen die Mehrheit der Kieler Bevölkerung.

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