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Ohne viele Worte auf der Jagd

Kieler Woche 2015 - Segeln Ohne viele Worte auf der Jagd

Fotograf Uwe Paesler und Serge Laschinski haben während der Kieler Woche viel zu tun. Die beiden sind für die Kieler Nachrichten auf der Förde unterwegs - immer auf der Suche nach dem besten Segelfoto.

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Skipper Serge Laschinski (unten, links) und Fotograf Uwe Paesler (rechts) sorgen dafür, dass Kieler-Woche-Sieger wie Carolina Werner und Max Boehme ins rechte Licht gestellt werden.

Quelle: Sonja Paar

Kiel.  Laschi gibt Gas. Das Boot knallt auf das Wasser, Gischt spritzt über die Reling und dem Skipper ins Gesicht. Der 35-Jährige fährt an Seglern vorbei, anderen Motorbooten und vielen Schlauchbooten. Sein Ziel hat er fest im Blick. Er weiß genau, wo er hin will. Das hat er vorher mit dem Fotografen an Bord besprochen. In einem Gespräch, das wohl nur die beiden verstehen: „Soll ich jetzt?“ – „Ja.“

 Blindes Verstehen ohne viele Worte ist bei der Jagd nach einem guten Regattabild wichtig, sagt Uwe Paesler. Er fotografiert seit vielen Jahren für die Kieler Nachrichten die Segelwettbewerbe vor Schilksee. Wenn ihm ein gutes Foto gelingt, weiß er, wem er das auch zu verdanken hat: „Ohne Laschi geht das nicht.“

Nach dem Klassenwechsel regieren seit Donnerstag die internationalen Klassen auf der Kieler Förde. Knapp 1300 Segler in 720 Booten der 16 Klassen kämpfen bis Sonntag um den Kieler-Woche-Sieg. Bei mäßigen Winden absolvierten die Athleten ihre ersten Wettfahrten.

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 Laschi stoppt das Boot. Er ist dort angekommen, wo er hinwollte: neben dem Schiff mit einer roten Flagge, dem Regatta-Ziel. Dann dreht er, fährt vor und zurück, dreht wieder und bleibt schließlich stehen. „So?“, lautet die Frage an Uwe Paesler. „Ja!“, ist die kurze Antwort. Paesler holt seine Kamera aus der Tasche, schaut durch die Linse, dreht an Rädchen an Kamera und Objektiv, legt die Kamera ab und schaut den Seglern entgegen. Warten ist während einer Regatta eine der Haupttätigkeiten an Bord. Dabei lernt man sich kennen.

 Seit mehr als zehn Jahren sind Paesler und Laschi, der eigentlich Serge Laschinski heißt, während der Kieler Woche ein Paar an Bord. „Wir sind schon so etwas wie eineiige Zwillinge“, sagt Paesler lachend. Damals sind sie zufällig zusammengetroffen. „Ich habe gehört, dass die Kieler Nachrichten einen Fahrer suchen und dann einfach mal nachgefragt“, erzählt Laschi. Er kommt aus Schilksee und ist seit seiner Kindheit im Segelsport aktiv. Trotzdem hat es gedauert, bis er verstanden hat, wie er das Boot positionieren muss, damit Paesler ein gutes Foto machen kann. „Wir haben uns gemeinsam Bilder angeguckt, damit ich verstehe, wie ich fahren muss“, sagt Laschi. Inzwischen achtet er sogar auf den Sonnenstand, damit der Fotograf nicht gegen das Licht fotografieren muss.

 Die Segler kommen näher. Uwe Paesler nimmt seine Kamera in die Hand. Wieder schaut er durch die Linse. Die Segler überqueren die Zieleinfahrt, die Ersten jubeln. Der Fotograf drückt ab, immer wieder. Man hört das schnelle Klicken seiner Kamera. Die Sieger sind aus seinem Sichtfeld gefahren, er springt auf die andere Seite des Motorbootes. Aber das Segel versperrt dem Fotografen die Sicht auf die Regattasieger. Laschi fährt los, langsam manövriert er das Boot zwischen all den anderen in der Zieleinfahrt. So lange bis Paesler die Segler erkennen kann. Der drückt wieder auf den Auslöser.

 Ein gutes Segelfoto ist für Uwe Paesler eines, das die Schönheit des Sports einfängt, sagt er. „Mir ist es wichtig, dass Gesichter auf dem Bild zu erkennen sind.“ Er will Emotionen zeigen. Er will auf seinen Bildern mehr zeigen, als diejenigen, die auf dem Wasser waren, selbst gesehen haben. Dafür muss er nah ran kommen. Mit Laschi schafft er das. „Laschi ist ein sehr besonnener Fahrer. Er fährt nur so nah ans Geschehen, dass er keinen behindert. Aber nah genug, damit ich gute Bilder schaffe“, erzählt der Fotograf. Inzwischen meckert er nicht mehr, sondern weiß, dass sie nicht noch näher rankommen können, wenn Laschi das sagt.

 Im Zieleinlauf wird es eng. Immer mehr Segler laufen ein. Uwe Paesler nimmt die Kamera runter und verstaut sie in der Tasche. Dann schaut er Laschi an und sagt: „Ja.“ Der nickt und gibt wieder Gas. Es geht zurück, in Richtung gelber Markierung für das nächste Rennen. Das haben die beiden ja gerade besprochen.

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