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Müssen deutlich sichtbar Flagge zeigen

Kieler Woche 2015 - Segeln Müssen deutlich sichtbar Flagge zeigen

Zu seiner Kieler-Woche-Premiere als Organisationsleiter stürzte Dirk Ramhorst in ein spannendes Umfeld. Nach neun Segeltagen, die den Akteuren ein volles Programm bescherten, konnte er mit Thore Hansen, Geschäftsführer der Vermarktungsagentur POS, auf eine gelungene Veranstaltung zurückblicken.

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Premiere in der Klasse der Nordischen Folkeboote: Ulf Kipcke steuerte erstmals zum Kieler-Woche-Sieg, rechts Gero Martens.

Quelle: Uwe Paesler

Kieler. Das weltgrößte Segelereignis hat aber auch ein paar Hausaufgaben zu bewältigen.

 „Ich freue mich über einen Einstand, bei dem ich auf einem reifen System in einem gut funktionierenden Team aufsetzen durfte“, sagte Ramhorst, und Hansen fügte an: „Solch ein Event zu stemmen, ist nur möglich mit den 300 Ehrenamtlern aus den Vereinen Kieler YC, NRV Hamburg, Hamburger SC und VSaW Berlin.“

Zum Abschluss der Kieler Woche konnte dank beständiger Winder nochmal viel gesegelt werden. Die Entscheidungen fielen dabei teilweise erst im letzten Rennen, bei strahlendem Sonnenschein beobachteten viele Zuschauer das Treiben auf der Förde.

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 Aus Vermarktungssicht war das Wetter zu Kieler Woche fast perfekt: „Wir hatten einen starken Auftakt, der sich bis zum Ende fortgesetzt hat. In der Audi SAP Sailing Arena liefen tolle Bilder, und die Zuschauerplätze waren immer voll besetzt. In der Medialisierung setzt die Kieler Woche die Maßstäbe“, so Hansen. Die oft leichten und drehenden Winde forderten auf dem Wasser aber umsichtiges Handeln. „Das Feedback der Segler war sehr positiv. Es ist uns gelungen, durch schnelles und individuelles Agieren auf die Windsituationen einzugehen. Wir sind mal früh gestartet, haben an anderen Tagen Geduld bewiesen und konnten damit immer segeln“, sagte Ramhorst. Der Austausch mit Nino Shmueli vom Weltseglerverband ISAF, der zur Kieler Woche als oberster Wettfahrtleiter agierte, habe gezeigt, dass die Kieler Woche insgesamt in der Wasserarbeit ein hohes Niveau erreiche. „Wir werden durch gezielte Trainings daran arbeiten, im Race Management noch ausgewogener zu sein, und wir werden möglicherweise im kommenden Jahr einen Tag vor der Kieler Woche zum Proben zusammenkommen“, so Ramhorst. Das Level zwischen olympischem und internationalem Teil sei noch zu heterogen.

 Optimierbar sei auch die Abstimmung zwischen Organisation und Jury. Zuviel Papier werde hier hin und her bewegt, die Prozesse dadurch verlangsamt. Ein elektronisches Notice-Board könnte Abhilfe schaffen. Ramhorst: „Mal sehen, was sich realisieren lässt.“ Das Ziel in Zeiten rückläufiger Meldezahlen sei, die „Attraktivität für das gesamte Event zu steigern“. „Die Kieler Woche muss ein festes Element im Kalender der Athleten sein“, so der Organisationsleiter. Rote Karten für Klassen, die nur schwach vertreten waren, gebe es jedoch nicht. „Wir haben mit den Klassenvertretern gesprochen. Deren Bekenntnisse für das kommende Jahr sind deutlich stärker als in diesem“, sagte Ramhorst. Das beziehe sich laut Hansen auch auf andere Kieler Events: „Die österreichischen 420er waren hoch zufrieden und wollen 2016 auch an Pfingsten kommen, wenn wir die deutsche Meisterschaft der 420er hier haben.“

 Mit einem liebevoll gestalteten Layout des Landprogramms sei ein hoher Wohlfühl-Faktor geschaffen worden: „Aber wir wollen uns natürlich immer steigern. Unser Ziel ist es, 4000 zufriedene Segler nach Hause zu schicken. Deshalb werden wir in einer Online-Befragung das Feedback sammeln und unsere Schlüsse ziehen“, sagte Hansen. Die Probleme in den Olympiaklassen liegen vor allem im internationalen Regatta-Kalender begründet, der 2016 durch deutlich früher liegende Welt- und Europameisterschaften zugunsten der Kieler Woche entzerrt wird. „Einige Crews werden dann allerdings schon auf dem Weg nach Rio sein. Insgesamt ist Olympia aber kein Grund, die Felder nicht wieder vergrößern zu können.“

 Um die Kieler Woche aber wieder zurück in die Erstklassigkeit zu bringen, ist vor allem sportpolitische Aktivität gefordert, so Ramhorst: „Im Offshore-Bereich ist Deutschland gut in der ISAF vertreten. Im olympischen Bereich sind wir gut vernetzt, aber mit zu wenigen offiziellen Mandaten. Deutschland hat hier keine wirkliche Stimme in der ISAF. Jetzt müssen wir die Zeit nutzen, um uns bei den Neuwahlen 2016 besser aufzustellen. Wir müssen Flagge zeigen – nicht arrogant, aber doch deutlich sichtbar.“

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