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Zwölfer mit einem Hauch America’s Cup

Kieler Woche 2015 - Segeln Zwölfer mit einem Hauch America’s Cup

Sie sind die Stars der Kieler Innenförde, die 12mR-Jachten, die bis Montag ihre Kieler Woche Trophy als Vorbereitung auf die Europameisterschaften in der Flensburger Förde ausgetragen haben.

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Die frisch restaurierte „Vim“ ist zum ersten Mal in der Ostsee zu sehen und gehört zu den schnellsten Booten der Klasse.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Mit acht Booten der über 100 Jahre alten Vermessungsklasse waren auf dem Wasser nicht nur Teilnehmer aus Deutschland, England, Dänemark Norwegen und Finnland, sondern auch jede Menge historisches Material zu sehen. Die von Grund auf liebevoll restaurierten Boote waren in ähnlicher Konstellation schon einmal aufeinander getroffen – 1939 vor Cowes an der Nordküste der Isle of Wight.

 Die schneeweiße „Vim“ war schon damals am schnellsten und berühmtesten, in diesem Jahr ist sie zum ersten Mal in Kiel zu sehen. Sie gehörte einst dem US-Millionär Harold Vanderbilt (Enkel des Eisenbahn-Königs Cornelius), der das Rennen gegen die englischen Zwölfer in den 1930er Jahren in Cowes so eindeutig gewann, dass die Amerikaner der britischen Herausforderung, den America`s Cup künftig auf dieser Bootsklasse auszutragen, zustimmten. Mit Ausnahme einer Pause nach dem Weltkrieg bis 1987 und damit so lange, wie keine andere Klasse danach, bestimmten die schnellen Jachten mit ihrem puristischen Charme den America`s Cup.

Schwache Winde um die neun Knoten forderten von den Seglern am dritten Tag der Olympischen Klassen alles ab. Die deutschen Athleten schnitten dabei gut ab: Im Nacra liegen Kohlhoff/Werner weit vorn, im Laser bestätigte Tobias Schadewaldt seine starke Form. Bei den 49ern gewannen Heil/Plößel die neunte Wettfahrt in einem verrückten Finish.

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 Nur ein einziges Mal nach 1939 sind so viele Zwölfer wieder zusammen gesegelt wie derzeit auf der Kieler Förde: beim 150-jährigen Jubiläum des America’s Cup 2001, ebenfalls in Cowes. Die Regatten in Kiel und anschließend in Flensburg sind also ein historischer Höhepunkt der Klassengeschichte. Gegenüber 1939 fehlen lediglich zwei Boote, die im Krieg bei Bombenangriffen zerstört wurden, und drei Schiffe, die aktuell noch restauriert werden, aber auch zur Ostsee-Flotte hinzustoßen sollen: „Jenetta“ (wird in der Werft von Robbe & Berking in Flensburg restauriert), „Flica II“ (liegt in einer Halle in Kiel) und „Tomahawk“, das Boot des Cup-Herausforderers Sir Thomas Sopwith, liegt in Italien. „Ich fürchte, dass sogar die Reihenfolge im Ziel nahezu unverändert gegenüber 1939 sein wird, weil alle Boote absolut originalgetreu restauriert wurden und sich deshalb auch das Geschwindigkeitspotenzial in 75 Jahren kaum verändert hat. Insofern muss man befürchten, dass ,Vim’ vor ,Trivia’ liegen wird“, orakelte Wilfried Beeck, Eigner der „Trivia“ vorab. Allerdings lag er damit deutlich daneben: Die „Vim“ mit Steuermann Patrick Howaldt landete zwar vor der „Trivia“ – allerdings hatten die Schiffe der Initiatoren von Kieler Woche Trophy und Baltic Series auf den Plätzen drei und sechs nichts mit der Spitze zu tun. Den Sieg sicherte sich Josef Martin mit der „Anitra“.

 Neben dem Ostsee-Newcomer „Vim“ ist auch die Rückkehr der finnischen „Blue Marlin“ eine Besonderheit. Nach fast zehnjähriger Restaurierung in Finnland segelt die Jacht zum ersten Mal wieder in voller Schönheit ausgerechnet in Kiel, wo sie auf der Kieler Woche 1938 die neu gebauten deutschen Konkurrenten besiegt hatte.

 Zwölfer sind übrigens nicht zwölf Meter lang. Die vor einem Jahrhundert festgelegte Vermessungsformel legt in der Metre-Rule-Klasseneinteilung die Faktoren Länge und Segelfläche fest. Die Boote sind ungefähr 20 Meter lang, und für Nichtsegler sei hier noch von einem Segler erklärt: Auf den Jachten sind mindestens 14 Mann, von denen zehn segeln und vier Spaß haben.

 Am Dienstag nimmt die Flotte Kurs auf Dyvig auf der dänischen Insel Alsen, von dort geht es nach Glücksburg, wo ab 1. Juli um die Europameisterschaft gesegelt wird.

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