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Kieler Woche 2015 Sie haben Grund zum Feuern
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11:58 26.06.2015
Von Niklas Wieczorek
Gleich knallt’s: Pyrotechniker Thomas Kürbs mit einer Bombe, die beim Abschlussfeuerwerk am Sonntag zum Einsatz kommen wird. Die „Silberweide mit rotem Zentrum“ ist eine Spezialanfertigung aus Italien, hat 250 Millimeter Durchmesser und kostet 150 Euro. Quelle: Ulf Dahl

Schon der Aufbau erfordert höchste Sicherheit: Die Pyrotechniker von Feuerwerke Mathias Kürbs staffeln gerade ihre Abschussrohre auf einem Ponton, das vor dem Munitionsdepot Jägersberg treibt. Sie sind mit zwei Transportern aus dem sächsischen Dohma angereist. Noch ruhen in den Wagen zahllose Kugeln und Zylinder, die in den Himmel geschossen werden. „Das ist rund eine Tonne Schwarzpulvermasse“, sagt Thomas Kürbs über das Feuerwerk vor Schilksee. Dass es nieselt und die Wellen gegen den Ponton schlagen, mache der Pyrotechnik nichts aus.

 Zwar werden die mit Schienen stabilisierten Glasfaserkunststoffrohre mit Schwarzpulverbomben beladen. Aber die Aufbauten deckt nachher eine Folie ab. Von einer Treibladung beschleunigt, schießen die Bomben einfach hindurch. Bei einem mittelgroßen Exemplar mit 75 Millimeter Durchmesser dauert die Flugzeit circa drei Sekunden. In der Luft zündet eine Zerlegerladung, die den Effekt freisetzt. Alle Abschussrohre sind mit einer Kette verbunden, die per Vorbrenner gezündet wird. Den bedient Kürbs von einem Schlepper neben dem Ponton. Ganz einfach per Knopfdruck, am Mastergerät des Zündsystems Pyrodigit.

 Jedes Feuerwerk wird am Computer durchgerechnet

 Doch so einfach ist die Vorbereitung nicht. Auch in der Pyrobranche läuft seit rund zwei Jahren alles computergesteuert, so Kürbs. Hinter dem Zündsystem steckt ein komplexes Programm: „Die Effekte sind allesamt implementiert“, beschreibt Kürbs. Er klickt den Ablauf des Feuerwerks am Rechner zusammen, der direkt Mengen und Abstände ausspuckt. Vor Schilksee schoss Kürbs lediglich ein Höhenfeuerwerk ab. Noch komplizierter wird es beim großen Abschlussfeuerwerk am Sonntag ab 23 Uhr, wenn außerdem zur Musik von Metallica, Mando Diao und Johannes Oerding getaktet werden muss. Selbst das könne das Computerprogramm einrechnen. Nur voranimieren könne es noch nicht, so Kürbs.

 Wie sich sein Feuerwerk optisch entfaltet, überlegt er sich daher selbst. Regeln existieren nicht. „Es entsteht alles im Kopf. Das ist kreative Ader“, sagt der Sachse. Seit 2003 arbeitet er in der Branche. Eine Ausbildung zum Pyrotechniker gibt es nicht, aber einen einwöchigen Lehrgang, bei dem sie gesetzliche Vorschriften und technische Voraussetzungen lernen. Um sich dafür anzumelden, muss man nachweislich 25 Feuerwerke begleitet haben.

 Ab morgen bekommt Thomas Kürbs außerdem Unterstützung von Schwiegervater Mathias Kürbs, Chef des Unternehmens. Das organisiert auch das Werftpark-Feuerwerk am Sonnabend ab 22.30 Uhr und den Abschluss-„Sternenzauber über Kiel“, den der Chef persönlich leitet. Mit vier zusätzlichen Kollegen beladen sie dafür zwei Pontons vor dem Marinearsenal. Schließlich hat das finale Feuerwerk die doppelte Schwarzpulvermasse. Außerdem lassen die Pyrotechniker an der Kiellinie Lautsprecher für die Musik befestigen.

 Ausnahmezustand an der Förde

 Fackelschwimmer können die Besucher von dort schon ab 22.15 Uhr sehen. Aber auch das Marinearsenal öffnet ab 21 Uhr über die Brückenstraße die Tore. Gehandicapten Menschen steht eine Loge zwischen Kunsthalle und Geomar zur Verfügung. Zahlreiche Straßen sind zwischen Schifffahrtsmuseum Richtung Kiellinie während des Spektakels gesperrt – Ausnahmezustand an der Förde.

 Spezielle Herausforderungen am Standort Kiel gebe es für die Pyrotechniker aber wenige, so Thomas Kürbs. Starker Wind sei nur für sehr hoch fliegende Feuerwerke ein Problem, denn der könnte die Effekte schnell zerpusten. Doch wenn das Abschlussfeuerwerk gelingt, ist es für die bundesweit arbeitenden Sachsen jedes Jahr Höhepunkt und eine der größten Veranstaltungen, auf denen sie feuern. Und: „Die Kieler Woche bietet einfach das genialste Rahmenprogramm“, freut sich Mitarbeiter Olaf Mohs beim Anblick der vorbeiziehenden Segelschiffe.

 Worauf sich die Beobachter am Sonntagabend freuen können? Einige Spezialeffekte aus Italien kommen zum Einsatz, so Kürbs, wie Herzbomben mit goldenem Schweif. Und alle, die in diesem Jahr befürchten, dass das Feuerwerk sich an das wenig farbenfrohe Kieler-Woche-Logo anpasst, kann der Pyrotechniker beruhigen: „Wir schießen garantiert alles bunt.“

 Von Niklas Wieczorek und Kerstin Tietgen

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