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Meret Becker über Wetter und ihre singende Säge

Konzert auf der Krusenkoppel Meret Becker über Wetter und ihre singende Säge

Meret Becker kommt zur Kieler Woche: Das Konzertauf der Krusenkoppel ist am 21. Juni.

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Meret Becker kommt zur Kieler Woche.

Quelle: Kerstin Groth

Kiel/Berlin. Irgendwo zwischen Berlin und Kassel versandet das Gespräch im Funkloch, aber dann ist Meret Becker wieder dran. Die „einzige real existierende Fee Deutschlands“ (so ein Zitat aus der Netzwelt) sitzt mit Band im Tourbus – mit dem im Herbst erschienenen Album „Deins + Done“, der leicht verwehten Kratzstimme und dem unverwechselbaren Berliner Slang. Dabei sollte sie heute Abend in Berlin sein beim Deutschen Filmpreis, schließlich ist die Musikerin und Schauspielerin für „Lügen und andere Wahrheiten“ als beste Hauptdarstellerin nominiert. Zum sechsten Mal. Immer noch aufregend, aber sie breche auch nicht in Tränen aus, wenn es nicht klappt.

Sie singen am Sonntag Open Air in Kiel – schon mal in die Wettervorhersage geschaut?

Ich nicht, aber meine Kollegen haben mir erzählt, es wird bewölkt. Von Regen war auch die Rede …

Schreckt Sie so was vor einem Auftritt?

Nö, nicht wirklich. Ich weiß, dass die Menschen im Norden so ein Wetter viel taffer nehmen. Und ich habe einen dicken Pullover im Gepäck.

Im Mittelpunkt steht das Album „Deins + Done“. Es hat zwölf Jahre gebraucht bis dahin. Wann zieht es Sie eigentlich zur Musik?

Immer wenn es eine Idee gibt. Aber diese Platte ist ja quasi aus Versehen entstanden, fast nebenher. Als dann nach einer gewissen Zeit eine Handvoll Songs vorhanden war, habe ich gedacht: Jetzt machst du doch eine Platte daraus.

Mit welchem Gedanken hat dieses Versehen angefangen?

Das fing an mit einem Künstler-Freund. Der hat einen Poetentisch gebaut mit einem Fach, das auf ewig verschlossen werden sollte. Da sollte man einen Satz oder Text hineinlegen. So entstand der allererste Song „I Have A Dream“.

Außerdem habe Sie dabei das Gitarrespielen gelernt. Was reizt Sie daran?

Ich komme vom Klavier, die Tastatur ist schön übersichtlich und man weiß, wo welcher Ton liegt. An der Gitarre mag ich, dass ich da so ahnungslos reingreifen kann und dann passieren lustige Dinge. Und man kann sie gut mitnehmen auf Reisen.

Eigentlich sind Sie die Meisterin der singenden Säge; haben Sie damit auch angefangen, weil sie sich besser transportieren lässt?

Die singende Säge hat ihren Ursprung im Film „Kleine Haie“ von Sönke Wortmann. Da war ich eine Straßenmusikerin und habe die singende Säge ins Spiel gebracht, weil sie mir als guter Effekt erschien. Ich habe dann tatsächlich bezahlten Unterricht dafür genommen. Und nach dem Film fand meine Mutter so schade, dass die Säge wieder weg war, dass sie losgezogen ist und sie gekauft hat. Die lag dann zu meinem nächsten Geburtstag auf dem Tisch. Und seither ist sie dabei.

Sie sind Schauspielerin, Musikerin, Varieté-Künstlerin: Hat jedes Talent seine Zeit oder sind Sie jederzeit alles zusammen?

Man muss schon alles gleichzeitig am Laufen halten, damit es nicht einrostet. Aber das Hauptgewicht liegt doch auf der Musik. Zu Hause setze ich mich jeden Tag ans Klavier oder nehme die Gitarre und singe. Musik mache ich also eigentlich immer, schauspielern dagegen tut man zu Hause eher selten.

Sie nennen ihren Stil „musique en miniature“. Was meinen Sie damit?

Dass man den Klang auf sein Minimum reduziert. Außerdem meine ich eine unsportliche Art des Musizierens. Ich finde, dass ich unsportlich singe, ohne Schnörkel oder Varianten. Es liegt keine dicke Schminke darauf.

Seit neuestem sind Sie die Berliner „Tatort“-Kommissarin Nina Rothe. Wie passt die in Ihre Musiker-Laufbahn?

Gar nicht. Die hat überhaupt nichts mit Musik zu tun. Außer, dass sie gern in die Disko geht. Und sich dort die Seele aus dem Leib tanzt.

Und was mögen Sie an der Figur?

Für mich ist sie sehr Berlin-typisch – oder vielleicht überhaupt ein moderner Frauentyp, der mit den ganzen Ansprüchen kämpft, wie man zu sein hat: Mutter, sportlich-burschikos sein, flexibel, nichts verpassen wollen und trotzdem eine Familie haben, im Berufsleben stehen und sich trotzdem die Nächte um die Ohren schlagen: Dieses Überangebot an Leben, und wie sie dem nicht hinterherkommt – das ist spannend.

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