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Kieler Woche 2015 Mit allen Wassern gewaschen
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11:59 26.06.2015
Von Günter Schellhase
Janka Kingma sitzt auf dem Klüverbaum der „Joanna Saturn“. Die 34-Jährige ist fast jedes Jahr auf der Kieler Woche. Im Winter steuert sie ein Passagierschiff in die Antarktis. Quelle: Frank Peter

Die Niederländerin stammt aus Groningen. Jetzt ist sie Steuerfrau auf der „Joanna Saturna“, ein 35 Meter langer Schoner aus Finnland. Für fünf Tage hat sie angeheuert. Im Winter fährt die 34-Jährige in der gleichen Funktion auf dem Passagierschiff „Ortelius“ von Ushuaia, der südlichsten Stadt Argentiniens, in die Antarktis. Kiel mag sie, vor 20 Jahren war die schlanke Frau zum ersten Mal hier. „Die Förde ist wunderschön, natürliches Wasser ist hier überall.“ Wind und Regen gehören gehören für Janka zur Kieler Woche. „Immer, wenn wir hierher kommen, packen alle als erstes Segelanzug und Stiefel ein“, sagt sie und lacht.

 Die Steuerfrau wirkt so erfrischend und natürlich wie nur jemand sein kann, der mit und auf der See lebt. Sie lacht, gestikuliert und erzählt lebhaft. „Seit ich 15 Jahre alt bin, lebe ich mehr und mehr an Bord.“ Ihren Eltern gehört die „Aphrodite“, die sie während der Windjammerparade steuern wird. Auf der „Joanna Saturna“ ist sie gerade, weil dort eine Steuerfrau benötigt wurde. Später im Jahr geht sie auf die „Safir“ und führt den Segler auf mehreren Reisen nach Schweden. „Dazwischen mache ich erst einmal einen Monat Urlaub. Ich reise nach Portugal zum Surfen, mache dort Yoga und fahre anschließend nach Belgien“, sagt sie. Und freut sich darauf. Eine eigene Familie hat Janka nicht: „Wie denn auch, wenn ich immer unterwegs bin.“ Das stört sie aber nicht wirklich – diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sie so beobachtet.

 Nach ihren ersten Törns als junges Mädchen mit den Eltern war sie allerdings nicht so begeistert vom Segeln und wollte lieber mit Freundinnen spielen. Die Zuneigung zur See kam später. Mit 19 Jahren machte sie ihre ersten Patente. Und absolvierte sogar noch ein Geschichtsstudium. Da die meisten Traditionssegler im Winter im Hafen liegen, hatte sie viel Zeit zum Lesen. Mittlerweile ist sie seefahrtechnisch so gut ausgebildet, dass sie sogar als Steuerfrau auf den dicken Pötten fahren könnte. „Das möchte ich aber nicht, die sind mir eindeutig zu groß. Ich bin gerne mal auf kleineren Booten unterwegs, lieber auch zu zweit. Man hat seine Ruhe, ist nicht an Termine gebunden“, sagt Janka und lacht wieder.

 Aber jetzt hat sie es auch gut: Zu ihrer Funktion gehört eine eigene Kajüte, in der sie Kraft tanken kann. Aber während der Kieler Woche kommt das zu kurz. Die 34-Jährige trifft Freunde oder sitzt mit der finnischen Crew bis zum Morgen zusammen: „Die Jungs können feiern, wie Finnen eben.“ Aber auch nach einer langen Nacht muss morgens mit den Gästen an Bord jeder Handgriff sitzen. Janka hat am Steuerrad auch die Segel im Blick. „Ich gebe die Kommandos, wenn wir beispielsweise den Kurs ändern.“ Die Mannschaft ist so gut eingespielt, dass alles reibungslos abläuft.

 Ob sie irgendwann die „Aphrodite“ von ihren Eltern übernehmen will? „Denke ich nicht. Das ist ein 365-Tage-Geschäft. Dazu fehlt mir jemand, mit dem ich das zusammen mache.“ Dafür liebt Janka Kingma auch zu sehr ihre Selbstständigkeit und die vielen Angebote, auf anderen Schiffen mitzufahren.

 Richtig reich wird sie nicht, dafür hat Janka eine überaus abwechslungsreiche Zeit. „Keine Ahnung, ob ich das mein Leben lang mache. Aber ohne die See geht es nicht so gut“, sagt sie und strahlt wieder übers Gesicht. So hat sie zum Beispiel noch einen Bürojob bei einer Firma, die ISM-Standards (International Safety Management) überprüft. Hier kümmert sich die 34-Jährige um die Sicherheit der Passagiere auf Schiffen, erarbeitet zum Beispiel Standards für Mann-über-Bord-Manöver.

 Janka Kingma hat viel erlebt auf der See. Ordentlich Schräglage auf Traditionsseglern bei acht Windstärken zum Beispiel. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Reise als Steuerfrau auf dem Passagierschiff „Ortelius“ mit 170 Menschen an Bord. Es ging von Ushuaia in die Antarktis und weiter bis Neuseeland. „Südlicher kann man fast nicht fahren. Ich konnte genau beobachten, wie innerhalb von Minuten das Eis an der Bordwand zu einem dicken Panzer gefror“, erzählt sie. Diese Frau ist wirklich mit allen Wassern gewaschen...

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