20 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Bela B: Ritt vom Vampir zum Cowboy

Kieler Woche Bela B: Ritt vom Vampir zum Cowboy

Bela B eiferte zur Kieler Woche auf der Rathausbühne Johnny Cash und Elvis nach - auch wenn er glaubte, auf der "Kieler Messe" zu sein.

Voriger Artikel
Mark Forster: Groß, aber arg kurz
Nächster Artikel
Viel Nostalgie mit Gustav Peter Wöhler

Bela B auf der Rathausbühne in Kiel bei der Kieler Messe, äh, Woche.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Wer solche Wandlungen vollzieht, vom nach dem Dracula-Darsteller Bela Lugosi selbstbenannten Punk zum Country-Cowboy à la Johnny Cash, darf auch schon mal vergessen, wo er gerade der sinkenden Sonne entgegenreitet: auf der Kieler Woche, nicht auf der „Kieler Messe“, wie Bela B hartnäckig behauptet. Aber immerhin erinnert das Kieler Rathaus ihn an das in Berlin-Spandau.
 
Von den alten Ärzte-Zeiten ist nur das Schwarz geblieben. Mr. Cash lässt wie gesagt grüßen, wenn „BB“ sich nicht nur äußerlich, sondern auch vom gemeinsam mit der Band Smokestack Lightnin’ und Sängerin Peta Devlin zelebrierten Sound her als „Man in Black“ präsentiert. Aus dem lugt manchmal noch der Vampir-Fan, etwa in „Teufels Küche“, einer dunklen Ballade vom 2014er Album „Bye“, meist aber doch eher ein verspäteter Elvis mit keck blondierter Tolle.
 
Alle drei Rollen des Bela B kommen auf der Rathausbühne gut an, sehen wir mal als eingefleischte Lokalpatrioten vom Fauxpas mit „Messe“ statt „Woche“ ebenso ab wie von unterirdischen Texten etwa in „Sentimental“, wo Belas (un-) lyrisches Ich auf „einem Spermafleck“ auf dem Polster seiner Love-Limousine sitzend einer vergangenen Liebe nachtrauert. Oder soll das Punk im Country sein? Egal, jedenfalls „too much information“. Aber gut, dass BB plus seine agil rockabilly’nde Band den Soli „Bingo“ und „Code B“, die bei den Fans eher verhalten aufgenommen wurde, nun „Byebye“ sagen und zu einem authentischen Sound finden, der party-kompatibel zwischen schummrigen Liebesballaden und frechen Uptempos wechselt.
 
Mittendrin Bela B als Cowboy-Vampir wie im Film „From Dusk Till Dawn“, mal mit schwarz lackierter Cash-Gitarre, dann mit einem Batman-Teil, das schon optisch schwer was her macht. Würde der Cowboy seinem so behalfterten Gaul, der alles andere als ein retro-hinkender Klepper ist, noch ein wenig konsequenter reiten, säße er noch sicherer in solchem neuen Sattel. „Naja, ich bekomme heute hier einiges durcheinander“, gesteht Bela B. Vielleicht kein Wunder bei so vielen Verwandlungen. Spaß macht’s trotzdem, mit ihm bei Cash & Co. locker aufzureiten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
ANZEIGE
Mehr aus Kieler Woche 2016 2/3