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Das Schiff der Königin

Britischer Hubschrauberträger „Ocean“ Das Schiff der Königin

Der Fokus im Tirpitzhafen liegt in diesen Tagen ganz besonders auf den Schiffen, die die britische Krone am Flaggenstock haben. Europameisterschaft, Militäreinsätze und eben der Brexit, das Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU, sind die bestimmendenThemen in den Messen an Bord der „Ocean“.

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Die Marinesoldaten sind an Deck angetreten, als der Hubschrauberträger „Ocean“ Laboe passiert. Die britische Marine dominiert in diesem Jahr im Marinestützpunkt. Mit dem 203 Meter langen Schiff kamen am Freitag rund 900 Briten nach Kiel.

Quelle: Frank Behling

Kiel. „Fußball spielt im Moment die größte Rolle“, sagt Commander Mike Thompson. „Der letzte Abend war so schrecklich, ihr habt Schwein gehabt“, ruft eine emotional immer noch aufgebrachte und heisere Offizierin aus dem Hintergrund. „Sie ist aus Wales“, grinst Thompson, der aus der Nähe von London kommt und den späten Sieg der Engländer über Wales genossen hat. An Bord der britischen Schiffe gibt es drei Fan-Lager. Engländer, Waliser und die Nordiren fiebern dort unter dem White Ensign, der britischen Kriegsflagge. Bei der Frage nach dem Europameister keimt der englische Humor auf. „Ich glaube, die Ukraine wird es nicht“, sagt Commander Jude Terry. Ihr Kamerad Thompson sieht Chancen für England gegen Deutschland und ein Elfmeterschießen im Finale. Nur Seekadett Ian Copeland aus Schottland ist gelassen und drückt seinem Crewkameraden Albi Ormeni aus Albanien die Daumen. „Wir sind seit Januar bei der Marine und haben jetzt unser dreiwöchiges Praktikum“, sagt Copeland. Sein albanischer Kamerad wird bei der Royal Navy ausgebildet.

„Die ,Ocean’ ist bei dieser Fahrt auch Schulschiff für Offizieranwärter“, sagt Thompson. „Wir aber sind auch Nato-Flaggschiff und eines von zwei Schiffen der Royal Navy, die für die Königin da sind, wenn sie ein Schiff benötigt“, erzählt er. Bei den Briten ist die „Ocean“ aber nicht nur das größte Kampfschiff. „Wir sind das Schweizer Taschenmesser der Royal Navy. Was auch gefordert wird, wir machen es“, so Thompson. Seeraumüberwachung, Verbandsführung oder Landungsoperationen gehören zum Portfolio. An Bord steht ein bunter Mix aus Kampf- und Transporthubschraubern. Die Navy-Uniform ist deshalb auch nicht allein. Viele Soldaten tragen das Outfit von Spezialeinheiten, aber auch Uniformen aus den USA, Italien und Deutschland sind zu sehen. Die „Ocean“ ist eines der Kommandoschiffe der Nato. Ein Brexit steht im militärischen Bündnis nicht zur Diskussion. „Wir sind eine Familie in der Nato“, sagt Thompson. Am Tag des Brexit-Referendums sind sie auf See. „Deshalb haben wir vor der Abfahrt bereits abgestimmt“, erklärt Thompson.

Die Freude auf die Kieler Woche ist bei den 900 Briten groß. Die 80 Kadetten dürfen es nur leicht genießen. Da Montag in Dartmouth der Unterricht weitergeht, haben sie nur eine Nacht Landgang. Heute wartet schon der Bus. 1600 Kilometer liegen dann vor ihnen. „Wir sollen ja auch etwas von Europa sehen“, sagt Kadett Harald Lewis mit einem Grinsen.

Zu übersehen ist die 203 Meter lange und zehn Decks hohe „Ocean“ in Kiel nicht. Der Koloss verdeckt an der Tirpitzmole sogar das Kieler-Woche-Flaggschiff „Berlin“ der deutschen Marine, mit 20000 Tonnen immerhin eines der größten deutschen Marineschiffe. Am Dienstag um 10 Uhr geht es wieder raus. Die nächsten Ziele der „Ocean“ liegen im Mittelmeer. Zwei Jahre soll der Hubschrauberträger noch fahren. Dann wird er von einem neuen Flugzeugträger abgelöst. Abgelöst hat die Royal Navy bei dieser Kieler Woche die US Navy. Erstmals seit Jahren sind mit den fünf britischen Schiffen mehr Soldaten aus dem Königreich in Kiel als aus den Staaten.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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