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Kieler Woche 2016 Kluger Kopf und großes Herz
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22:29 19.06.2016
Von Kai-Peter Boysen
Überzeugende Show des dreifachen Echo-Gewinners: Joris’ Auftritt auf der Hörnbühne geriet zu einem umjubelten Erfolg.

Kurz nach sieben betritt der dreifache Echo-Gewinner dieses Jahres die Bühne, nachdem seine Band, in blaues Licht getaucht, die ersten erwärmenden Klänge gen Hörn gesendet hat. Mit einem gezupften Gitarrenintro leitet Joris den Opener „Schnee“ ein. „Das Feuer brennt tief in mir, die Zukunft liegt hinter mir“, so die erste Zeile, die schon von einigen Lippen mitformuliert wird. Ein leichtes Kratzen hier, ein bisschen Kopfstimme da, der Junge weiß, wie es zeitgemäß zu klingen hat. Und doch stellt sich schnell heraus, dass er nicht einer von den austauschbaren Mikroständern ist – da steht einer, der weiß, was er will, nämlich seine Songs authentisch präsentieren. Schon beim solo gesungenen Intro von „Feuerwerk“ öffnet er sein Herz. Mit federnden Schritten tänzelt er über die Bühne, singt, kratzt, und ohne die fetten Chöre auf dem Tonträger klingen die Songs gleich viel organischer und rauer.

Wir haben Joris am Nachmittag zum Schnellschuss-Interview getroffen. Das Video sehen Sie hier.

Bei „Korken“ wird es dann richtig groovy, zu Moog-Keyboardsound und viel Swing nutzt Joris mit Bassist Tobi die Möglichkeit, auf der Rampe ins Publikum zu tänzeln. „Ich mach’ schon über 20 Jahre Musik, neunzehneinhalb davon hat es fast keinen interessiert. Doch seit anderthalb Jahren hab ich sehr viel Glück in meinem Leben“, erzählt Joris zwischendrin. Nur Glück ist es sicher nicht, das ihn auf die größeren Bühnen gehievt hat, sondern auch viel Talent und die Ausdauer, sein Ding durchzuziehen. Er hat eine tolle Band um sich, doch er ist der Punkt, um den sich alles dreht und der das Tempo vorgibt.

Der Sänger Joris überzeugte auf der Hörnbühne bei der Kieler Woche 2016 mit ungekünstelter Leichtigkeit.

Es geht viel um Verlust und Trennungsschmerz – wie schön und achtsam man dies in eine Komposition hüllen kann, zeigt er am Piano in „Bittersüß“ oder später in der Akustik-Version von „Bis ans Ende der Welt“. Natürlich hat dieser Abend auch viele Pop-Bombast-Einlagen mit „O-o-o-o-ohs“ nebst satten Gitarrenakkorden in hohen Lagen, vielen Keyboardflächen und allem, was der Hallregler für die Stimme aufbieten kann, doch dem wohnt eine ungekünstelte Leichtigkeit inne, die absolut überzeugt. Und „Kiel, seid Ihr noch am Start?“ kann man entweder in die Menge brüllen oder halt melodisch in den Gesang einflechten. Ganz groß ist der hymnische Titelsong „Hoffnungslos hoffnungsvoll“ mit schleppendem Schlagzeug und der Spannung aus den Sechzehntel-Bassnoten.

Zugabe-Rufen bedarf es nicht – auch Joris sieht es ein, so singen „die Kieler Woche“ und er den Überhit „Herz über Kopf“ gemeinsam, und begleitet vom Gesang der Fans verlässt ein sehr vielversprechender Musiker, Sänger und Songwriter die Bühne.

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