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Kieler Woche 2016 Mit ruhiger Hand an der Nadel
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08:12 20.06.2016
Von Gunda Meyer
Ganz schön schmerzhaft: Henk Schiffmacher (64) tätowiert Alex Friedrich (29) sein erstes (Freundschafts-) Symbol auf den Rippenbogen. Quelle: Frank Peter

Das niederländische Schiff „Pedro Doncker“ schwankt leicht am Anleger der Blücherbrücke, die Tätowiernadel surrt, und Alexander Friedrich verzieht vor Schmerzen das Gesicht. Für den 29-jährigen Kieler ist es das erste Tattoo, das er sich von dem international bekannten Künstler stechen lässt. Er hat sich dafür eine der schmerzempfindlichsten Stellen auf dem Körper ausgesucht, auf der eine Sprechblase mit der Inschrift „Why so serious“ entstehen soll: den Rippenbogen.

 Sein Kumpel und ehemaliger Mitbewohner Sebastian Borowski (28) bekommt dasselbe Motiv auf die Wade. Die beiden Männer sind Gewinner einer Freundschaftstattoo-Verlosung, die es im Rahmen des Jägermeister-Monuments zum Thema Freundschaft gab. „Der Spruch passt zu uns, einfach das Leben nicht zu ernst nehmen“, erzählt Friedrich noch mit einem Lächeln, bevor er sich unter die Nadel legt.

Freundschaftstatattoo dauert 15 Minuten

 Von den Blicken der Schaulustigen lässt sich der 64-jährige Tattoo-Künstler nicht aus der Ruhe bringen. „Ich versuche, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, es ist wichtig, dass die Leute ruhig sind“, sagt Schiffmacher. Hanky Panky, wie ihn alle nennen, ist ein Unikat: Goldene Schneidezähne, die Statur eines Bärs und verziert mit über 120 Tattoos, die er sich auf den Reisen über die ganze Welt hat stechen lassen.

 Beim Reisen hat der ehemalige Fotojournalist auch die Leidenschaft fürs Tätowieren entdeckt. Zunächst hat er die verschiedensten Techniken der polynesischen, japanischen oder neuseeländischen Tattoo-Geschichte in Bildern festgehalten, jetzt bringt er sie auf die Haut – und das in einer rasenden Geschwindigkeit. Für das Freundschaftstattoo braucht er 15 Minuten: „Das ist alles eine Frage der Übung, andere brauchen Stunden dafür.“

Motive sind nicht unpersönlicher geworden

 Einen guten Tätowierer zeichnet für Schiffmacher aus, wenn er oder sie mit seinen Motiven eine starke Aussage auf die Haut bringt: „Die Welt ist kompliziert geworden, die Menschen lieben deshalb die einfachen Symbole am meisten.“ Er selbst liebt Seefahrer-Motive. Auch wenn Tattoos inzwischen mitten in der Gesellschaft angekommen sind, glaubt Schiffmacher nicht, dass die Motive unpersönlicher geworden sind.

 Seine Frau Louise trägt ebenfalls Tattoos auf dem ganzen Körper. „Ich hatte mit 14 mein erstes und bin mit 17 Jahren bei Henk in die Lehre gegangen“, erzählt sie. Den etwas nervösen Alexander Friedrich beruhigte sie mit den Worten „Das kratzt ein bisschen – wie eine Katze“. Der 29-Jährige empfand es als schmerzhafter: „Das reicht erst mal, ich bleibe lieber bei meinem einen Hobby, dem Autotunen.“ Für Sebastian Friedrich war es bereits das dritte Tattoo. „Henk ist ein sehr angenehmer Mann, ich habe mich wohl gefühlt und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“

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