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15:38 15.12.2016
Von Fatima Krumm
Unterwegs mit Rettungsassistent Eike Steinke (22) und Sanitätshelferin Anne Bornhöft (26). Im Bayernzelt müssen sich die beiden ihren Weg bahnen. Quelle: Sven Janssen

Seenotretter winken Eike Steinke und Anne Bornhöft heran. Eine Frau muss an Land getragen werden. „Wir haben einen Segeltörn gemacht, dabei ist sie ausgerutscht“, sagt die Begleitung der Verletzten. „Sie hat starke Schmerzen in den Beinen.“ Steinke ist Rettungsassistent, Anne Bornhöft Sanitätshelferin der Johanniter. Für den ehrenamtlichen Dienst auf der Kieler Woche reiste sie extra aus Frankfurt am Main an, wo sie seit August arbeitet. Seit zehn Jahren ist die 26-jährige Bankangestellte für die Johanniter tätig. Eike Steinke ist an acht Tagen der Kieler Woche im Einsatz. Der 22-Jährige überbrückt so die Wartezeit bis zum Beginn seines Medizinstudiums in Ungarn.

 Freitagabend laufen die beiden als eines von 14 Teams Streife an der Kiellinie, die in fünf Sektoren eingeteilt ist. Der erste Einsatz geht fix: Torsten Storm hat sich am Finger verletzt, das Pflaster ist schnell geklebt. Über Funk ist Steinke immer mit der Einsatzstelle verbunden und meldet sofort die Wundversorgung. „Für statistische Zwecke“, erklärt er. Die beiden zeigen im hinteren Teil der Förde Präsenz, laufen wachsam ab und auf, auf und ab.

Der Sanitäter als Auskunftgeber

An stark besuchten Ständen stellt sich das Duo abseits und beobachtet die Situation. „Es ist wichtig, dass die Leute sehen, dass wir da sind, sie können uns ansprechen“, erklärt Bornhöft. Nicht selten werden sie auch als Auskunftgeber gebraucht. Der Regen schüttet, die Luft ist drückend. Viel los ist am frühen Abend noch nicht.

Hier sehen Sie Bilder vom Rettungsdienst auf der Kieler Woche 2016.

 Gegen 22.30 Uhr ist das Bayernzelt bis auf den letzten Meter gefüllt. Menschen drängen sich am Eingangsgitter, die Tresenkräfte rotieren. Ruhig ist die Situation nur für die Johanniter. „Wenn ich mal Zeit habe, genieße ich auch die Musik“, erzählt Steinke über den positiven Nebeneffekt seiner Einsätze. Plötzlich werden sie gerufen.

Ein Glassplitter und Alkohol

Zügig schlängeln sich die Sanitäter zum Ausgang, ziehen dabei schon die Handschuhe an. Alwine Thieß hat Glassplitter im Fuß. „Das sind auch nicht die richtigen Schuhe“, sagt ihr Mann über die Sandalen seiner Frau. Nach einer kurzen Wundversorgung kann sie weiterlaufen. Riemchensandalen sehen auch die Sanitäter nicht als richtiges Schuhwerk an, schließlich liegen unzählige Scherben auf dem Boden.

 Zurück ins Bayernzelt: Ein Mädchen, das sich zuvor noch unter Kontrolle zu haben schien, wird von ihren Eltern hinausgetragen. Bornhöft reicht ihnen schnell einen Spuckbeutel – zur Sicherheit. Pause. Im Zelt der Johanniter liegt ein alkoholisiertes, minderjähriges Mädchen auf der Trage. Daneben wird einem jungen Mann geholfen, der sich Taschentücher zu tief in die Ohren steckte, der lauten Musik wegen.

 Weiter geht es in Richtung Malibustand. Am Aquarium entdecken die Johanniter einen Betrunkenen. Ob er mit Freunden kam, weiß er nicht mehr. Steinke und Bornhöft greifen ihm unter die Arme und geleiten ihn zur Polizei am Düsternbrooker Weg. „Es wäre wirklich verantwortungslos gewesen, ihn alleine zu lassen. Die Polizei sorgt jetzt dafür, dass ein Taxi hier durchfahren kann oder er kommt in Gewahrsam“, beschreibt die Sanitätshelferin das Prozedere.

Umgeknickt im Bayernzelt

 Um 0.42 Uhr erhält Steinke via Funk Informationen über eine verletzte Person vor der Kunsthalle. Schnellen Schrittes eilen sie los. Dort angekommen, sitzt eine junge Frau auf den Stufen. Im Bayernzelt knickte sie um, laufen kann sie nicht mehr. Bornhöft kann sie davon überzeugen, in ein Krankenhaus zu fahren. Die junge Frau hat Angst, ihre anstehende Sportprüfung nicht absolvieren zu können. Warten auf den Krankenwagen, das Protokoll ausfüllen, auf dem Rückweg noch zwei Pflaster kleben. Jeder Handgriff sitzt.

 „Ihr macht einen tollen Job, Danke, dass es Euch gibt“, sagt Jonas Niebergall dem Duo im Vorbeigehen. Genau solches Feedback macht das Schöne an der Arbeit für die beiden aus. „Die Stimmung war gut, ich hab wenig Aggressivität wahrgenommen“, resümiert Bornhöft den Abend. Gruppenführer Jan-Philipp Meyer bilanziert 60 Einsätze, fünf Personen wurden ins Krankenhaus gebracht. „Wegen des Wetters war relativ wenig los, zum Schluss wurde es dann ein bisschen mehr.“

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