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Strategien in der Flüchtlingspolitik

Kieler-Woche-Städteforum Strategien in der Flüchtlingspolitik

Das Thema des diesjährigen Internationalen Kieler-Woche-Forums hätte aktueller nicht sein können: Etwa 30 Vertreter der Kieler Städtepartner aus elf Nationen haben am Sonnabend in der Förde Sparkasse über Strategien diskutiert, um Migranten und Flüchtlinge zu integrieren.

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Beim Städte-Forum kamen auch Flüchtlinge zu Wort: Moderator Finn Walden (links) interviewt Hussein Mumin (18, Somalia) und Cheikhouna Toure-Sarr (18, Mauretanien), die in Kiel-Gaarden leben.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Nach mehr als drei Stunden Erfahrungsaustausch schälte sich heraus: Ob Vaasa in Finnland, Coventry in Großbritannien oder Hatay in der Türkei – sie alle eint, dass sie vor allem auf Bildung, Vermittlung von Sprachkenntnissen und Arbeitsmarktmaßnahmen setzen.

Während das polnische Gdynia noch keine Integrationsstrukturen angesichts der niedrigen Anzahl von Zuwanderern aufgebaut hat, stellte der rasante Anstieg der Flüchtlingszahlen im vergangenen Jahr nicht nur Kiel, sondern auch die meisten Städtepartner vor einen organisatorischen Kraftakt. Malmö passierten fast 90 Prozent aller 163 000 Flüchtlinge, die nach Schweden kamen – mit der Folge, dass rund um den Bahnhof eine große Zeltstadt entstand. Die Abfertigung, der Transport, vor allem aber die Unterbringung bereitet bis heute auch anderen Städten wie Göteborg große Probleme. „Wir müssen schnell neue Wohnungen bauen“, hieß es von vielen Rednern.

Spenden aus Kiel halfen Hatay

Die größte Herausforderung hat Hatay nahe der syrischen Grenze zu bewältigen, wo sich derzeit bis zu 500.000 geduldete Kriegsflüchtlinge außerhalb der Camps aufhalten. Es gebe für sie keine formalen Integrationsbemühungen, sagte Ömar Faruk Celebi und berichtet vom Erfolg der „informellen Vorgehensweise“ und dem starken Einsatz der ehrenamtlichen Helfer. Die Stadt sei dankbar für die 126.000 Euro Spendenhilfe aus Kiel. Mit der Summe baute Hatay in der Nähe eine Schule für fast 200 syrische Flüchtlingskinder. Sie werden von 13 syrischen Lehrern und zwei türkischen unterrichtet. „Wir können voneinander lernen und Fortschritte erzielen“, ist Celebi überzeugt.

Eine Einschätzung, die Kiels Bildungsdezernentin Renate Treutel, Sozialstadtrat Gerwin Stöcken und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar teilen, auch wenn es überall große Unterschiede gebe. Eine weitere Erkenntnis: Wer ganz schnell viele Flüchtlinge unterbringen musste, dem halfen in der Notsituation neben vorhandenen Strukturen oft nur Flexibilität, Kreativität und großes Engagement der Helfer. „Wir haben mit dem Thema den Nerv der Zeit getroffen“, sagte Stöcken. Am Sonntag besichtigen die Städtedelegationen die Flüchtlingsunterkünfte in Holtenau und der Wik.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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