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Kieler Woche steht unter anderem Stern

Thomas Bauchrowitz Kieler Woche steht unter anderem Stern

Nach dem Terror von Paris und Brüssel sowie den Vorfällen in der Silvesternacht hat die Polizei ihr Sicherheitskonzept für die Kieler Woche angepasst. Sie will auf Nordeuropas größtem Sommerfest deutlich mehr Präsenz zeigen. Bis zu 200 Beamte sind in der Stadt unterwegs.

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Im Büro von Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz hängen Wappen der vergangenen Kieler Wochen.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Szenen wie in der Silvesternacht in Köln oder jüngst auf einem Musikfestival in Darmstadt sollen sich nach dem Willen der Polizei auf der Kieler Woche nicht wiederholen. „Wir werden auf dem Sommerfest deutlich mehr Präsenz zeigen“, sagte der Kieler Polizeichef Thomas Bauchrowitz. Je nach Veranstaltung seien an den zehn Veranstaltungstagen bis zu 200 Beamte in der Stadt und am Wasser unterwegs. „Das sind etwa 40 Prozent mehr als in den Vorjahren.“

Die Terroranschläge in Paris und Brüssel sowie die Vorfälle in Köln in der Silvesternacht hätten maßgeblichen Einfluss auf das neue Sicherheitskonzept gehabt, sagte Bauchrowitz. „Die Kieler Woche steht dieses Mal einfach unter einem anderen Stern als sonst.“ Zwar gebe es nach wie vor keine konkrete Bedrohungslage. „Wir stellen uns aber darauf ein, dass es kurzfristige Erkenntnisse oder schwer zu verifizierende Gerüchte oder Hinweise geben wird.“ Für solche Fälle gebe es eine Zusammenarbeit mit der Stadt Kiel. Im Ergebnis könnten Veranstaltungen abgebrochen oder bereits im Vorfeld abgesagt werden.

Polizisten sollen sensibel und differnziert handeln

Vor Jahren noch habe ein „beherzter Kollege“ einen auf dem internationalen Markt entdeckten verdächtigen Koffer kurzerhand selbst geöffnet, sagte Bauchrowitz. Letztlich sei die Sache harmlos gewesen. „Heute befinden wir uns aber in einer komplett andere Lage: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Szenario einen deutlich gefährlicheren Hintergrund haben kann, ist mittlerweile viel höher.“ Die Kollegen sollten deshalb sensibel und differenziert handeln.

Die Kieler Beamten versuchten sich auf Szenarien wie beispielsweise einen terroristischen Anschlag einzustellen. „Die dadurch einsetzende Panik bei Besuchern ist natürlich aber schwer zu handeln“, sagte Bauchrowitz.

Genauso gut könne wie jüngst in Hamburg auch ein Tornado über die Kieler Woche fegen. „Das ist ein denkbares Szenario mit dem gleichen Effekt: Die Menschen müssen massenhaft in Sicherheit geschafft werden. Ob es sich dabei um einen Anschlag oder ein Unwetter handelt, ist aus Sicht der Polizeiarbeit unerheblich. Wir müssen sehen, dass keine Panik ausbricht.“ Entsprechend seien Polizei, Behörden und Rettungskräfte eingestellt. „Das kann man aber natürlich vorher nicht praktisch üben.“

Höhere Präsenz soll wahrgenommen werden

Die Besucher sollen die höhere Polizeipräsenz auf dem Sommerfest bemerken. Dazu trügen auch die neuen weißen und besser sichtbaren Polizeimützen bei, sagte Bauchrowitz. „Wir wollen damit ein sichtbares Zeichen setzen für die Besucher, damit die Menschen unbeschwert feiern können. Das muss auch in Zeiten wie diesen möglich sein.“

In der Vorbereitung auf die Kieler Woche haben die Polizisten auch mit den Kollegen in Köln und Hamburg gesprochen, um von deren Erfahrungen zu lernen. „Denn dieses Phänomen kennen wir hier im Norden nicht.“ In Köln und Hamburg waren in der Silvesternacht viele Frauen Opfer von Belästigungen oder Diebstahl geworden.

Offiziell eröffnet wird das Fest am 18. Juni Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Ministerpräsident Torsten Albig (beide SPD). Die Stadt erwartet bis zum 26. Juni rund drei Millionen Besucher.

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