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Das Bett kann noch warten

Kiwo bei Nacht Das Bett kann noch warten

An der Hörn sind die Jungs der Indie-Gruppe Royal Republic noch voll in Gange, da sitzen Peggy Kraft und Cornelia Reimer entspannt mit Cider am Germaniahafen und genießen den Sonnenuntergang: Ein Streifzug auf der Kieler Woche bei Nacht.

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Lichtspiel an der Hörnbrücke, wo vor Mitternacht noch reger Betrieb herrscht.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. „Wir haben einen ganzen Marsch hinter uns, jetzt ruhen wir uns mal aus“, erzählen die beiden. Weiter oben liegen betrunkene Jugendliche auf dem Boden, ein Smartphone ebenfalls. Welches Mädel nun am Boden zerstört sein wird, wenn es den Verlust bemerkt, ist fraglich. Das Gruppenfoto auf dem Bildschirm ist groß.

Streifzug über die Kieler Woche, dann, wenn Mitternacht naht und die Betreiber ihre Stände schließen. Hier schallt die Musik, fünf Meter weiter sitzt die Crew des Weserkahns „Franzius“ an Deck und schält Kartoffeln. „Zehn Kilo für das Gulasch morgen“, sagt Hobbykoch Georg Vetter. Auf dem Segeltörn am Freitag ist der Rheinländer für das Essen der 30 Trainees verantwortlich. Der Holländer Erik Klompinaker von der „Atlantis“ ist zu Besuch und hilft beim Zwiebelnschälen. „Hier kennt jeder jeden“ sagt Andreas Pape von „Franzius“, „auf jedem Schiff ist jeder willkommen.“ Seit Jahren kommen sie mit ihrem Weserkahn zur Kieler Woche und bieten Segeltörns auf die Förde an. „Das hier ist interkultureller Erfahrungsaustausch“, erzählt Pape lachend.

Kerstin Eckardt, die ihren Aufgabenbereich mit „Mädchen für alles“ definiert, genießt das Flair auf dem Schiff. „Man kann sich jetzt mal ausklinken, sonst sind wir den ganzen Tag beschäftigt.“ Abseits und doch mittendrin. Dass bis Mitternacht im Minutentakt „Einmal um die Welt“ vom Freefall-Tower dröhnt, nimmt die fleißige Crew mit Humor, schließlich fühlen sie sich auf ihrem Kahn genauso. Nach getaner Arbeit sitzen sie in gemütlicher Runde und lassen den Abend bei ein paar Drinks ausklingen.

Am Wasserrand hocken derweil drei junge Damen. Zwei versuchen zu trösten, eine ist untröstlich. Als der Fotograf das Smartphone zückt, erhellen sich die ungläubigen Gesichter. Das Smartphone ist wieder da, das Leben hat wieder einen Sinn.

Die letzten Lieder sind gespielt, die großen Scheinwerfer gehen aus. Auf dem Weg zur Kiellinie strömen die Besucher der Mark-Forster- und Disco-Boys-Konzerte in Scharen vom Platz. Sobald die Buden schließen, ist Kehraus an der Förde. Budenbesitzer fegen zusammen, Menschen gehen und wanken von dannen. Eben noch überall freudige Gesichter, sieht es nur noch traurig aus: Leere Flaschen, Müll und Erbrochenes säumen das Fördeufer von vorne bis hinten.

Die feierlustigen Menschen, denen die Party draußen noch nicht genug war, können beim Louf-Event Nummer 313 drinnen weiterfeiern. Gegen ein Uhr reihen sich Hans-Heinrich Emken und Susanne Kalina in die lange Schlange ein. „Es ist so eine schöne, warme Nacht, da gehen wir noch nicht nach Hause“, sagt Emken. Seit 19 Uhr sind sie unterwegs, der Nieselregen stört die beiden nicht. Auch für Besitzer Stefan zu Putlitz ist die Kieler Woche der Ausnahmezustand. „Wir haben 35 Beschäftige im Einsatz. Bei 2000 Toilettengängern am Tag und dem Andrang ist das nötig.“ Das Louf-Event, eigentlich eine monatliche Veranstaltung, findet zur Kieler Woche gleich fünf mal hintereinander statt. Natürlich gesittet ohne eine Terrassenparty. Wegen des Ordnungsamts.

Ein paar hundert Meter weiter, am Seiteneingang der „Pralines and Cream“-Party in der Campus-Suite Seeburg, geht es weniger ordentlich zu. Betrunkene torkeln weg, Polizisten eilen hin. Die Party ohne Ende ist auch unter der Woche gut besucht. Während die meisten Lichter zu Land derweil erloschen sind, leuchtet das prächtige „Mein Schiff 5“ den Besuchern in vollem Glanz heim. Die Straßen sind frei, nur vor den Etablissements am Wall ist kaum durchzukommen. An der Holstenbrücke bleibt dann zu entscheiden, rechts zur Bergstraße oder lieber links am Rathaus vorbei in Richtung Ruhe abzubiegen.

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Ein Artikel von
Fatima Krumm
Volontärin

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