25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Der charmante Elefant

Kleinkunst auf der Kieler Woche Der charmante Elefant

Wenn Jochen durch die Gassen radelt, bleibt meist kein Auge trocken. In dem Elefanten steckt ein Wunderwerk an Technik. Drei Jahre hat der Puppenspieler Matthias Trautmann an seinem "Partner" gebastelt.

Voriger Artikel
Segeln, Fußball und Fechten
Nächster Artikel
Der große Kieler-Woche-Essenstest

Elefant Jochen ist bekannt wie ein bunter Hund.

Quelle: Kathrin Mansfeld

Kiel. Sie bringen noch mehr Farbe auf die Kieler Woche: Die Kleinkünstler sorgen in der Stadt und an der Kiellinie allzeit für beste Stimmung. Wenn Matthias Trautmann mit Jochen, seinem sprechenden Elefanten durch die Gassen zieht, bleibt meist kein Augen trocken. Fast drei Jahre hat der 50-Jährige an seinem „Partner“ gebastelt - mit vielen kleinen Motoren in seinem Inneren vollbringt der Elefanten wahre mimische Meisterleistungen. 

Jochen redet gern, ist interessiert, zurückhaltend, kinderlieb, bestechlich, verständnisvoll, launisch, charmant, ein bisschen untersetzt, kräftig – einfach wunderbar. Und schnell betriebsfertig: Ich muss nur die Akkus einsetzen und das Radio darauf bauen, und schon kann es losgehen“, sagt Trautmann. Er ist noch immer begeistert von seiner Kreation: "Falls es Jochen einmal nicht mehr geben sollte, dann höre ich mit dieser Art von Kleinkunst auf und mache etwas anderes“, sagte der gelernte Puppenspieler. Fast wäre das schon einmal passiert. Vor Jahren auf der Kieler Woche qualmte es aus seinem Dickhäuter heraus, weil eine Sperrholzplatte im Inneren kokelte. „Da habe ich einer Besucherin die Cola aus der Hand gerissen und in Jochen hineingekippt“, erzählte er. Auch dies und das an der filigranen Technik ist schon kaputt gegangen, konnte aber schnell wieder repariert werden.

Etwa eine halbe Stunde halten die Akkus, dann müssen Trautmann und Jochen wieder beim Rathaus sein, um Kraft zu tanken. Der Elefant ist mit Sensoren bestückt und führt ein Eigenleben. So kann er je nach Blickkontakt mit Besuchern seine Augen bewegen oder seinen Rüssel schwenken. „Das sehe ich nicht, weil ich ihm ja folge“, erzählt der Konstrukteur. Bis zu 30 Meter kann er hinter dem radelnden Dickhäuter hinterher gehen und hört noch, wie die Besucher auf seine Späße reagieren. „Die Erklärung ist einfach, natürlich habe ich ein Mikrofon eingebaut und Kopfhörer im Ohr“, sagt Trautmann. Die Kieler Woche fand er bisher super, seit mehreren Jahren kommt er immer wieder gerne in die Landeshauptstadt. Er ist einer der Kleinkünstler, die vom Kieler-Woche-Büro gebucht werden und eine Gage für vier Auftritte pro Tag erhalten. Insgesamt vier Tag ist er auf der Festmeile unterwegs.

Etwa 80 Veranstaltungen besucht das unschlagbare Duo im Jahr. Im Winter treiben sie sich meist auf „hochwertigen Weihnachtsmärkten“ herum. „Wir sind auch im Ausland wie Belgien, Österreich oder Italien“, erklärt der Puppenspieler. Italienisch spricht er nicht, hat dann aber einen Freund dabei, der in der Landessprache mit Jochen redet. Und das kommt gut an. Ob er denn jeden Tag motiviert sei, seinen Schabernack mit den Besuchern zu treiben? „Sobald ich Jochen sehe, habe ich immer gute Laune und denke, das kann ich bis zur Rente machen“, sagt Matthias Trautmann. Und wenn man die beiden einmal begleitet, kommt einem auch nichts anderes in den Sinn. Zum Glück haben Elefanten ein hohe Lebenserwartung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Günter Schellhase
Digitale Angebote

ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Kieler-Woche-Leben
Foto: Wenn er auftritt, hält das Publikum den Atem an: Djuggledy alias Jan Manske ist ein begnadeter Diabolo-Künstler

Sie sind die heimlichen Stars der Kieler Woche: Zahlreiche Kleinkünstler machen aus dem Volksfest ein wahrlich buntes Treiben. Und viele fallen jedes Jahr wieder neu auf.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Kieler Woche 2016 2/3