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Kieler Woche 2016 Mit Talent und Glück zum Profimusiker
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07:00 21.06.2016
Von Jürgen Küppers
Schüler-Bigband trifft NDR-Profis (von links) vor ihrem Konzert: Ole Henningsen, Anna Reese, Mathis Heyer, Charlotte Grieger, Marcio Doctor, Roland Cabezas, Ingolf Burkhardt, Clemens Steinburg und Klaus Heidenreich. Quelle: Frank Peter

Ums Fachsimpeln unter Musikern geht es bei dem Treffen kurz vor dem Auftritt der Jazzelite-Truppe auf der NDR-Bühne am Montagabend eher weniger. Stattdessen entwickelt sich das Gespräch fast zu einer Art Musik-Berufsberatung für die Abiturienten der Ricarda-Huch-Schule.

Schnell wird dabei deutlich: Die landläufige Vorstellung eines sorglos-freien Musikerlebens ist Legende. „Die Bigband probt jeden Tag von 10 bis etwa 15 Uhr mit etwa einer halben Stunde Mittagspause“, berichtet NDR-Posaunist Klaus Heidenreich. Danach folgen noch ein paar Stunden individuelle Übungszeit am Instrument, manchmal auch noch am Abend Konzerte mit anderen Formationen oder die Erteilung von Unterrichtsstunden.

Sechs bis sieben Stunden verbringt auch Trompeter Ingolf Burkhardt täglich mit seinem Instrument. „Das ist schon Hochleistungssport. Gerade als Trompeter muss man körperlich topfit sein.“ Wenn es dann doch ab und zu mal vorkommt, dass das Instrument urlaubsbedingt eine Woche lang im Koffer bleibt, fühle sich das an, „als würde ich zum allerersten Mal spielen, grauenhaft“.

Wie viel Disziplin und harte Arbeit hinter einem guten Sound stecken, haben die fünf zum Gespräch geladenen Ricarda-Huch-Schüler selbst schon erfahren. Schließlich belegte die „Swinging Brass Band“ ihrer Schule im vergangenen Jahr Platz eins beim Landeswettbewerb „Jugend jazzt“. Beim Bundesfinale in Kempten vor ein paar Wochen reichte es zwar nicht für einen Podestplatz. „Aber es war trotzdem eine tolle Erfahrung“, berichtet Charlotte Grieger (19). So hatten die Wettbewerbsteilnehmer zum Beispiel Gelegenheit zum Besuch eines Konzertes der NDR Bigband im Rahmen der Kemptener Jazztage.

Ein Musikstudium plant Charlotte Grieger trotz solcher Erfahrungen und erster Erfolge als Bandtrompeterin erst einmal nicht. Genauso wie ihr Mitschüler Mathis Heyer (18): „Um es als Profi in eine so tolle Formation wie die NDR Bigband zu schaffen, muss man schon sehr viel Talent und eine große Portion Glück haben.“

„Stimmt schon“, gibt NDR-Bigband-Percussionist Marcio Doctor dem Abiturienten uneingeschränkt recht. Lange Jahre war es für den gebürtigen Argentinier mit abgeschlossenem Informatik-Studium auch nicht klar, ob er mit Bits und Bytes oder mit Congas und Bongos sein Geld verdienen würde. „Aber irgendwann siegte dann doch meine Leidenschaft für die Musik. Aber es hat lange gedauert, durch Kontakte in der deutschen Musikszene Fuß zu fassen. Und Glück hatte ich natürlich dabei auch, dass es mit einer festen Stelle geklappt hat.“

Für den NDR-Posaunisten Klaus Heidenreich dürfe hinter der Entscheidung für ein Musikstudium nicht in erster Linie die Erwartung stecken, danach eine ganz bestimmte Stelle zu bekommen: „Da muss man schon bereit sein, Kompromisse einzugehen. Auch was die finanzielle Absicherung angeht.“ Einen Kompromiss zwischen Musik und einigermaßen abgesicherter Zukunft hat Clemens Steinburg (19) schon für sich gefunden: Der Trompeter in der Schul-Bigband plant nach seinem Abi eine Ausbildung als Instrumentenbauer für Blechblasinstrumente. „Dabei habe ich zumindest weiterhin Kontakt zur Musik. Mal schauen, was sich daraus noch so alles für meine musikalische Entwicklung ergibt.“

Nach fast einer Stunde Backstage-Berufsberatung im Zelt werden die NDR-Jazzer langsam unruhig. Ihr Auftritt, unter anderem mit den aufstrebenden Gypsy-Swing-Gitarristen von Django Deluxe, steht gleich an. Und was essen müssen sie vor dem Konzert schließlich auch noch.

Die Gymnasiasten bedanken sich artig bei den auskunftsfreudigen Profis. Angesichts ihrer Berichte über nicht immer nur steil noch oben strebende Karriereschritte sind die NDR-Jazzer für die Gymnasiasten jetzt vielleicht ein bisschen herabgestiegen vom scheinbar kaum erreichbaren Podest.

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