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Russische Marine darf erneut nicht kommen

Kieler Woche Russische Marine darf erneut nicht kommen

Neben dem russischen Segelschulschiff "Sedov" wird auch die russische Marine bei der Kieler Woche 2016 fehlen. Das Einlaufverbot russischer Kriegsschiffe durch das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium stößt in Kiel allerdings auf scharfe Kritik.

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 Ein Bild aus politisch entspannten Zeiten: Diese russischen Marinesoldaten der Baltischen Flotte genossen während der Kieler Woche den Landgang in der Holstenstraße.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Ich halte das für den falschen Umgang mit der derzeitigen Situation“, sagt Kiels Stadtpräsident Hans-Werner Tovar. Zu Gast im Tirpitzhafen sind mehr als 30 Einheiten aus zehn Nationen – darunter auch aus China.

Tovar hält das Russland-Verbot für das „falsche Signal“. Er war gerade erst in Moskau als Teilnehmer einer Konferenz von 300 Stadtrepräsentanten aus Deutschland und Russland. „Ich bin der festen Überzeugung, dass alle Sanktionen aufgehoben werden müssten, weil sie die Beziehungen zwischen beiden Ländern stark belasten“, sagt Tovar. Man habe sich in Moskau das Versprechen gegeben, dass das einzige, was jetzt bleibe, eine „friedliche Außenpolitik der Kommunen“ sei.

Russische Provokationen in der Ostsee

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist anderer Ansicht. „Dass die russische Marine nicht zur Kieler Woche kommen darf, ist bedauerlich, angesichts der anhaltend angespannten Beziehungen zu Russland aber auch nicht überraschend“, erklärt Kämpfer. Die Bundesregierung sei in ihrer ablehnenden Haltung sehr eindeutig. „Angesichts der jüngsten Provokationen wie den Scheinangriffen russischer Kampfflugzeuge auf Nato-Schiffe in der Ostsee im April finde ich das durchaus nachvollziehbar“, sagt der Oberbürgermeister. Der Kieler CDU-Fraktionschef Stefan Kruber sieht das ähnlich. „Auch ohne russische Marine ist die Kieler Woche eine internationale, völkerverbindende und fröhliche Veranstaltung.“

FDP-Fraktionskollegin Christina Musculus-Stahnke bedauert die Entwicklung: „Die Kieler Woche wird nun leider abermals zum Spielball der Außenpolitik, wodurch möglicherweise Chancen vertan und Fronten verhärtet werden.“ Aber: „Das ist letztlich Sache des Bundes“, findet die Liberale. In Berlin ist die Haltung klar. „Wir haben der russischen Seite signalisiert, dass andere Schiffe natürlich willkommen sind, wie etwa Forschungsschiffe oder Windjammer“, sagt eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Keine Besuche der Marine in Russland

Auch bei der Marine ist eine Änderung des Kurses nicht in Sicht. Alle Programme und Vorhaben sind eingefroren. Kontakte zwischen deutschen und russischen Marineeinheiten gebe es derzeit so gut wie keine, sagt Fregattenkapitän Achim Winkler. „Wenn man sich zufällig auf See begegnet, respektiert man sich im Rahmen der nautischen Sicherheit. Aber damit hat es sich dann auch schon.“ Der letzte Besuch eines deutschen Marineschiffes war im Herbst 2013 in St. Petersburg.

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