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Kieler Woche im freien Fall

+++ MIT VIDEO +++ Kieler Woche im freien Fall

Die Kieler Woche ist auch von oben wunderschön: Das durfte KN-Volontärin Gunda Meyer am eigenen Leibe erfahren. Sie absolvierte zum ersten Mal in ihrem Leben einen Tandemsprung beim Luftsportverein Kiel.

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KN-Volontärin Gunda Meyer im freien Fall.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Ich liebe Fliegen. Schon als Kind saß ich begeistert in der großen Charter-Maschine gen Urlaubssonne und strahlte bei Start und Landung über beide Ohren, während sich flugängstige Mitflieger schweißgebadet in ihren Sitzen festkrallten. Klar, dass meine Hand reflexartig nach oben schnellt, als es heißt: Wer springt für die Kieler Woche Tandem über dem Nordmarksportfeld?

Erste Zweifel, ob ich mir das so richtig überlegt habe, kommen erst, als ich in meinem näheren Umfeld von meinem heroischen Vorhaben erzähle und das Gefühl nicht los werde, dass sie mich für verrückt erklären: "Du fährst noch nicht einmal Achterbahn, aber stürzt dich aus dem Flugzeug?!" , "Wenn das schief geht, bist du tot" und "Besorg' dir eine Erwachsenenwindel". Danke, Freunde, ich liebe euch auch!

Nachdem ich mich von allen gebührend verabschiedet habe, schwinge ich mich ins Auto und fahre mit einer Mischung aus Vorfreude, Angst und Neugier zum Flughafen nach Holtenau.

Dort hat der Luftsportverein Kiel (LSV) seinen Sitz und von hier starten die Fallschirmspringer mit dem Flugzeug. Während der Kieler Woche starten die Springer, um im Rahmen der Balloon Sail über dem Nordmarksportfeld abzuspringen und den staunenden Besuchern ihr ungewöhnliches Hobby zu präsentieren.

Begrüßt werde ich von Markus Bartels, dem zweiten LSV-Vorsitzenden, zuständig für die Fallschirm-Sparte. Der Mann, dem ich gleich mein Leben anvertraue. Der 48-Jährige ist einer von drei ausgebildeten Tandem-Mastern beim LSV. Er strahlt Ruhe aus. Schon etwa 2200 Sprünge liegen hinter ihm, davon fast 300 als Tandem.

Nachdem ich in einen blauen Overall geschlüpft bin, weist mich Bartels ein: "Wir werden 35 Sekunden mit circa 200 Stundenkilometern fallen".  Beruhigend. Er erklärt, dass das Wichtigste die Hohlkreuzhaltung sei. "Direkt beim Absprung Hacken an den Hintern, die Hände an der Brust ins Geschirr und Kopf nach oben."

Hier sehen Sie Bilder vom Tandem-Fallschirmsprung zur Kieler Woche 2016

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Vor der Halle macht Pilot Jan Jäger die Cessna 182 Q startklar. "50:50 Chance, dass wir los können", sagt er mit Blick in den Himmel. Dort stapeln sich die Wolken. "Ich kann die Springer mit GPS zum Absprungort bringen, nur dürfen die nicht durch Wolken springen", erklärt der Berufspilot, der selbst Tandem springt. Ein Doppelsprung muss mindestens von einer Flughöhe von 3000 Metern starten, Einzelspringer können sich auch bei 1000 Metern fallen lassen.

Dann geht alles ganz schnell: Mit zwei weiteren Einzelspringern steigen wir ins Flugzeug. Jäger startet zum Absprungort. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. In 25 Minuten Flugzeit hat man viel Zeit zum Nachdenken. Ich habe Angst. "Bist du aufgeregt?", fragt Bartels mich. Ich nicke. "Das ist gut, deine Instinkte funktionieren".

Bartels ist Profi. Er lenkt mich ab, zeigt auf die wunderschöne Aussicht über die Kieler Förde, erklärt mir den Höhenmesser an seinem Arm, der ihm anzeigt, wann es Zeit ist, den Schirm zu öffnen, und dass es eine Automatik gibt, die im Notfall einspringt.

Los geht's

Stichwort öffnen. Die Tür geht auf. Mein Herz rast. Die anderen Springer steigen aus. Wir rutschen nach vorn und ich sehe die Ministadt Kiel. Noch bevor ich realisiert habe, wie hoch das ist, schiebt Bartels mich aus der Maschine. Wir legen einen Rückwärtssalto hin. Davon bekomme ich nichts mit, ich schließe die Augen und bete, dass der Tandem-Master uns heil nach unten bringt. Der Fallwind rauscht kräftig. Meine Gesichtszüge werden von ihm geformt. Die Haut flattert wie bei einer Bulldogge. Das erste, was ich sehe, als wir im Affenzahn frei fallen, ist einer der anderen Springer unter mir. Und eine wahnsinnig schöne Aussicht über Kiel. Dann ruckt es einmal kräftig. Der Schirm geht auf und es wird ganz leise. Wir schweben und ich beginne, es zu genießen.

Bartels lässt mich sogar ein wenig mitlenken. Nach ein paar Schwenks heißt es: Fertig machen zur Landung. "Beine hoch!", ruft er mir zu. Wie in der Trockenübung ziehe ich die Knie weit an, die Hände unter den Kniekehlen. "Füße hoch" ruft er einige Meter über dem Nordmarksportfeld und ich strecke meine Füße hoch. Auf dem Hosenboden rutschen wir aus, der orangefarbene Schirm fällt fast lautlos zu Boden. Acht Minuten nach Absprung ist das Spektakel vorbei.

Wie wars? Wahnsinnig schön. Ein absoluter Adrenalinkick, tolle Aussicht und bei dem Profi habe ich mich in sicheren Händen gefühlt. Nochmal springen? Auf jeden Fall!

Wer will nochmal?

Wer sich den Fallschirm-Sport einmal genauer anschauen möchte, hat heute und morgen um 17 Uhr die Möglichkeit, auf der Balloon Sail zuzuschauen. Vom 18. bis 20. Juli startet der LSV zudem ein kleines Sprungevent, auf dem man selbst als Tandem in 4000 Meter Höhe gehen und den freien Fall wagen kann. Weitere Infos unter http://www.lsv-kiel.de

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