2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Jetzt geht es um die Bratwurst

Test auf der KiWo Jetzt geht es um die Bratwurst

Sie ist der gute, schnelle Snack für jeden auf der Kieler Woche: Die Bratwurst. Doch ist sie auch überall gut, wo sie schnell verfügbar ist? Wir haben mit Küchenchef Dieter Radde einen Bratwurst-Test gemacht.

Voriger Artikel
Die Kieler Nachrichten auf 100 Quadratmetern
Nächster Artikel
Fußball und Wetter im Fokus

Lässt es sich schmecken – mal mehr, mal weniger: Küchenchef Dieter Radde bewertete die Bratwurst-Stände auf der Kieler Woche.

Quelle: Niklas Wieczorek

Kiel. Sechs Kriterien sollten es sein, nach denen Dieter Radde die Würste einschätzt, wenn auch nicht in einzelnen Noten – schließlich ist Geschmack eher eine fließende Einschätzung.

  1. Wie ist der Bratgrad, ist die Wurst gut durch, der Biss passend?
  2. Wie ist der erste Eindruck? Beim ersten Bissen entscheidet sich schon einiges.
  3. Gibt es einen tieferen Geschmack? Nachdem der erste Eindruck sich gesetzt hat: Zeichnet sich ein anderer Geschmack ab?
  4. Wie wird die Wurst serviert: Kommt sie vom Grill oder aus der Pfanne – im Brötchen oder nicht, und welche Soße ist dabei?
  5. Wie ist das Preis-Leistungsverhältnis? Denn der Preis ist das eine, aber ist die Wurst ihn auch wert?
  6. Wie lange liegt die Wurst auf dem Grill: Ist sie schon eine Weile fertig und wird nur am Rand warmgehalten?

Ein Küchenchef und der schnelle Stand auf der Kieler Woche, passt das zusammen? "Natürlich", betont Dieter Radde, "auf der Kieler Woche gehört die Bratwurst, der Schwenkgrill, einfach dazu." Nur wegen des maritimen Ursprungs des Festes und der Nähe zum Wasser müsse es nicht das Fischbrötchen sein. Doch wo schmeckt es am Besten? Hier die Top 5!

Hier sehen Sie Bilder vom Bratwursttest zur Kieler Woche mit Dieter Radde.

Zur Bildergalerie

Platz 5: Thüringer Rostbratwurst

Fast am Ende der Bundesländermeile an der Kiellinie, da steht der Thüringen-Stand. Die originale Rostbrautwurst kommt aus diesem Land, glaubt man dem Volksmund. Und der freut sich natürlich auf ihren klassischen Geschmack, auch auf der Kieler Woche. Den erreicht diese Wurst im tiefen Geschmack durch ihre Kräuter, findet Dieter Radde, vor allem der Kümmel sei deutlich spürbar, auch die feste Haut im ersten Bissen, typisch thüringisch – ansonsten hat Dieter Radde die Wurst aber leider „nicht restlos überzeugt“. „Sie liegt schon sehr lange auf dem Grill“, schätzt er ein. „Die Kräuter sind zwar gut, aber die Wurst im Allgemeinen ist mittelmäßiger Standard“ – besonders für den Preis von drei Euro im Brötchen mit Senf. „Thüringen ist weit entfernt“, fasst Radde zusammen.

Platz 4: Hirsch & Eber Wild-Grill

Der Hipster in unserem Vergleich: Zwei fesche Jungs, Janis und Lars, reichen aus dem Wagen von Hirsch & Eber aus Berlin den Klassik Wild Dog. Was das ist? Eine Wild-Bratwurst im Gewand eines Hot-Dogs. Die Zutaten der Wurst: norddeutsches Fleisch vom Reh, Damwild, Bio-Schwein, gewürzt unter anderem mit Thymian und im Ciabatta-Brötchen mit Gurken, Röstzwiebeln und Preißelbeersenf garniert. Klingt modern – kommt aus einem Food Truck an den Segel- und Ruderzentren an der Kiellinie und sieht super aus. Leider bleibt dabei der echte Geschmack aber auf der Strecke, findet Dieter Radde. "Diese Wurst ist nicht optimal gebraten, nur lauwarm. Da hatte ich mir mehr von versprochen." Dazu kommt ein happiger Preis von fünf Euro, der vielleicht auch einige Käufer abschreckt. "Der Stand ist wenig besucht", so Raddes Analyse. "Wer eine echte Wildbratwurst kennt, wird hier den bekannten Geschmack vermissen", resümiert er. Aufwand und Mut des Anbieters sind zu loben, die Wurst ist es nicht.

Dieter Radde

Geboren auf Borkum, aufgewachsen auf Sylt, hat Dieter Radde die kulinarische Entwicklung im Norden von Anfang an miterlebt. Gerade auf der Ferieninsel Sylt war "die Küche schon sehr viel weiter", erinnert sich der 65-Jährige an seine Entscheidung für den Beruf als Küchenchef zurück. Den hat er 45 Jahre ausgeübt, auf Sylt, in Garmisch-Partenkirchen und München gearbeitet – und zuletzt die Küche im Hotel Stadt Kiel in Schönberg geleitet. Jetzt arbeitet er nebenbei für die Erlebnis-Ausstellung Navimenta in Schönberg, und genießt den Ruhestand – unter anderem auf der Kieler Woche. Sein Lieblingsplatz beim Volksfest? Die Hörn: Die sei Musik, Kulinarisches und Maritimes auf engstem Raum.

Platz 3: Holländische Käsewurst

Ganz was anderes: Die Käsewurst. In der Fleethörn zwischen den Kieler Nachrichten und dem Ungarn-Stand bei der Agentur Lucius liegt für drei Euro Käsewurst auf dem Schwenkgrill. Deren Bratgrad überzeugt Dieter Radde beim ersten Bissen. Man merke den guten Umsatz des Standes, die Würste seien perfekt abgestimmt. Die Käsewurst kommt im Brötchen – bei Bedarf mit Senf – daher, und hat sicherlich viele Freunde, wie Radde vermutet. Er selbst gehört nicht dazu. Dieses Produkt sei zwar sehr gut gelungen, passend serviert. Doch für den Küchenchef führt der Käsegeschmack, der deutlich überwiegt, von der eigentlichen Wurst weg: "Man isst hier nicht, was der Name verspricht", sagt er, kann kaum sicher sagen, ob er auch Rind in dieser Wurst schmeckt. Müsste die Käsewurst nicht Wurstkäse heißen?

Platz 2: Andechser Bratwurst

Die Andechser Bratwurst am Europaplatz ist die beste klassische Bratwurst, die Dieter Radde auf der Kieler Woche erschmeckt hat – soviel sei verraten. "Schön gebraten", sagt er direkt nach dem ersten Bissen, "guter Geschmack, nicht zu salzig, auch die Gewürze kommen noch schön heraus", vertieft der Küchenchef. Der Stand laufe gut, die recht lange Wurst kommt im Brötchen und mit Gratis-Senf und -Ketchup vom Rost – das rechtfertig auch den leicht höheren Preis im Vergleich von 3,50 Euro. Die Haut überzeugt Radde ebenfalls, sei nicht ganz so fest wie bei der originalen Thüringer. Er kann auch die weiteren Bissen richtig genießen. Für den Küchenchef ist dieses Produkt das beste Argument für seine kulinarische Einschätzung der Kieler Woche. "Frisch, warm, heiß."

Platz 1: Chorizo vom Argentinien-Stand

Zuletzt getestet, und damit jeglichen Hunger-Vorsprunges unverdächtig, gewinnt die Chorizo vom Argentinien-Stand das Ranking im Bratwurst-Test der Kieler Woche. Hier passt einfach alles. Dieter Radde fasst zusammen: "Diese Original-Chorizo entspricht einfach allem, was der Käufer sich wünscht." Für 3,50 Euro erhält der nämlich eine kleine längs geteilte Wurst, aufgeklappt im Brötchen, das mit Salatblatt und Tomate garniert ist. Dazu kommt die klassische Soße Chimichurri, die noch mehr Würze zur Wurst verleiht. Pikant ist die ohnehin schon: Neben etwas Chili ist auch ordentlich Knoblauch enthalten, außerdem ein wenig Weißwein als Konservierungsstoff, wie Antonio am Stand verrät. "Scharf, Knoblauch, Gewürze, saftig", diese Chorizo sei das geschmackvollste Bratwurst-Erlebnis auf der Kieler Woche, findet Dieter Radde. Falls der Knoblauch die Begleitung auf der Kieler Woche also stören sollte, scheint hier das einfachste Rezept: Eine Runde Chorizo für alle.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

ANZEIGE
Mehr aus Kieler Woche 2016 2/3