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Mit Gefühlen hat sie nicht gegeizt

Amy Macdonald Mit Gefühlen hat sie nicht gegeizt

Schon nach einer guten Stunde streichen Amy Macdonald und Band vorläufig die Segel und verlassen die Hörnbühne. Gerade haben sie „Life In A Beautiful Light“ gespielt, einen Uptempo-Song mit einem kurzen Slidegitarren-Solo, davor ihren sicher bekanntesten Hit, „This Is The Life“.

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Wie Amy Macdonald mit ihrem schottischen Akzent „Kieler Woche“ ausspricht, ist schon entzückend.

Quelle: Frank Peter

Kiel.  „Ist doch nur Pause!“, frotzelt dröhnend ein Hüne hinten im Publikum, das bei optimalem Kieler-Woche-Wetter zu Tausenden den ganzen Platz geflutet hat, um den schottischen Star zu sehen.

Falsch liegt der Mann nicht, denn es ist die Pause vor der Zugabe. Und die ist dann der stärkste Part des ganzen Sets. Erst macht Amy Macdonald noch ein paar Fotos von der stellenweise bereitwillig winkenden Menge und dankt für den „lovely evening“, dann singt sie „Prepare To Fall“. Eine berührende Ballade, solo zur Gitarre. Die Amy Macdonald mit ihrer Stimme spielend übertönt und zur Nebensache degradiert, so sehr wirft sie sich in das emotionale, kitschfreie Stück. Das spürt auch dieses zusammengewürfelte Publikum hier, lauter Jubel brandet vor der Bühne auf, hinten anerkennender Applaus.

„Thank you very much, it’s been amazing!“, bedankt sich Amy Macdonald beim Publikum, als die Band hinzukommt. Es folgt „Down By The Water“, einer der besten Songs vom neuen Album „Under Stars“, den die Sängerin im Interview am Nachmittag als ihren persönlichen Favoriten auf der CD bezeichnet hatte, weil sie ihn zwar schnell geschrieben habe, er dann aber doch noch mal viel Arbeit und Herzblut bei der Produktion bedeutet habe. Mit „Let’s Start A Band“ vom Debütalbum flacht das Niveau dann allerdings ab, das Lied klingt wie eine schwächere Variante von „This Is Your Life“.

Da Amy Macdonald ihre Sprechstimme im Gegensatz zu ihrem kräftigen Bruststimmen-Gesang eher leise und verhalten einsetzt, ist sie ganz hinten leider fast nie zu verstehen, wenn sie sich zwischen den Songs hin und wieder durchaus ausführlich an die Menge wendet. Eine mitunter stramm wehende Brise verweht die letzten Wortfetzen, wie übrigens auch so manchen Akkord, doch diese Soundschwankungen zählen nun mal zu den Abstrichen, die wohl oder übel bei einem Live-Konzert an der Küste gemacht werden müssen.

In das Set ist Amy Macdonald mit „Under Stars“ gestartet. Außer dem Titelsong der aktuellen CD bekommt das Publikum noch eine ganze Reihe neuer Lieder zu hören wie „Dream On“, „Leap Of Faith“ oder ihre neue Single „Automatic“. Ansonsten bietet die Sängerin einen Querschnitt durch alle Alben, spielt Pop-Hymnen wie „Pride“ oder „Spark“. „Youth Of Today“ ist eher was zum ruhigen Zuhören und bekommt erwartungsgemäß nur mäßigen Beifall. Die Ballade „4th Of July“ geht hinten im desinteressierten Gemurmel fast unter, schade drum, auch um das energisch gesungene, traurige „Run“. Wieder lernen wir: Die Kieler Woche ist nun mal ein Volksfest, und da zünden Uptempo-Stücke wie das rockige „Your Time Will Come“ oder auch das von einem Honky-Tonk-E-Piano angefeuerte „Love Love“ samt Amys instrumentalem Duell mit Gitarrist Ben Parker einfach besser. Hier wird auch mal mitgeklatscht, ob drum gebeten oder auch mal spontan. Die Motivation zum Mitsingen will Amy Macdonald trotz allen schottischen Charmes („Let me hear you, Kiel!“) und ihres Hinweises auf das schöne Wetter und dass man doch Spaß habe („me at least“), nicht so recht gelingen, mag es nun an reiner Unlust oder mangelnder Textkenntnis liegen.

Fast immer reagiert Amy Macdonald mit einem „Dankeschön!“ auf den Applaus, und wie sie mit ihrem schottischen Akzent „Kieler Woche“ ausspricht, ist schon entzückend. Vielleicht hat die Sängerin in Kiel ein paar neue Herzen erobert. Verdient hätte sie es.

„Thank you very much, it’s been amazing!“

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