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Anglasen: Müssen es immer Prominente sein?

Kieler Woche 2017 Anglasen: Müssen es immer Prominente sein?

Kein Kieler Woche-Auftakt ohne Glasen, Typhon-Signal und Festempfang im Rathaus: Wer immer auf der Rathausbühne Kiels wichtigstes Volks- und Sportfest eröffnete, gehörte zur politischen, kulturellen oder sportlichen Prominenz. Künftig sollen auch Ehrengäste eingebunden werden.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel kam 2008 nach Kiel, um im Beisein des damaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und Landtagspräsident Martin Kayenburg die Kieler Woche zu eröffnen. Sie war der Einladung von CDU-Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz und Stadtpräsidentin Cathy Kietzer (SPD) gefolgt.

Quelle: Jan Köhler-Kaeß (Archiv)

Vorstadt. Robert Vollborn, stellvertretender Stadtpräsident (CDU), wollte „diese ehrenvolle Aufgabe“ auch verdienten Menschen vor Ort übergeben, um sie ins Rampenlicht zu rücken – als Zeichen der Wertschätzung. Im Hauptausschuss stellte er einen entsprechenden Antrag, der nach anfänglicher Ablehnung nur verändert durchkam.

 Bei etlichen prominenten Ehrengästen vermisst Vollborn eine Verbindung zu Kiel. Das oft genannte Argument, die Kieler Woche benötige illustre Gäste, um in den Medien besser wahrgenommen zu werden, überzeugt ihn nicht: „Die Kieler Woche ist ein – zumindest sportlich – weltweit herausragendes Ereignis, das für sich allein wirkt.“ Käme man nur über prominente Eröffnungsgäste ins Fernsehen, dann „bestünde ein grundsätzliches, dringend zu behebendes Problem“.

Drei verdiente Ehrengäste beim Anglasen

 Vollborn schlug daher vor, dass schon in der nächsten Kieler Woche bis maximal drei „lokal verdiente Personen“ beispielsweise aus dem Kreis der Feuerwehr, Rettungsdienst oder ehrenamtlichen Organisationen als hervorgehobene Ehrengäste neben einem oder anstelle eines Prominenten die Eröffnungszeremonie vornehmen.

Sie seien die Menschen, die die Festwoche ein Stück attraktiver, besser, lebenswerter, sauberer und sicherer machten, warb Vollborn für seine Idee: „Ihnen soll mit der Einladung zur Teilnahme an der Eröffnung der Kieler Woche auf unkomplizierte Weise Dank und Anerkennung gezeigt werden.“ Eine Kieler-Woche-Eröffnung ganz ohne Promis oder mit noch mehr Leuten auf der Rathausbühne konnten sich Sozialdemokraten, Grüne und die Verwaltung nicht vorstellen. Vollborns Anliegen sei aber unterstützenswert, hieß es von allen Seiten.

Antragstext wurde geändert

 Das fanden auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar, die aber Bedenken anmeldeten und von einem falschen Mittel für einen guten Zweck sprachen. Kämpfer regte an, etwa 20 Kieler-Woche-Mitarbeiter zum Eröffnungsempfang einzuladen oder zur Abschlussfeier beim Feuerwerk.

Nach einer Sitzungsunterbrechung durch die CDU wurde der Antragstext verändert: Jetzt werden Kämpfer und Tovar aufgefordert, dem Hauptausschuss ein Konzept vorzuschlagen, wie man die Bürger, die maßgeblich zum Gelingen des Festes beitragen, besonders ehren kann. Nachdem klar war, dass die Stadt weiter auf Prominenz zur Kieler-Woche-Eröffnung setzt, stimmten alle Vollborns geänderter Initiative zu.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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