8 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Elvis ist zurück!
Kultur-Rausch Kiel 2014

James Brown in der Räucherei Kiel Elvis ist zurück!

Einst verließ Elvis Presley, König des Rock’n’Roll, längst ein Las-Vegas-schillerndes Pastiche seiner selbst, für immer das Gebäude - Comeback ausgeschlossen. Jetzt er wieder da: zu erleben war das am Freitagabend in der Räucherei in Kiel.

Kiel. An Elvis' statt schossen zahllose Wiedergänger aus dem Boden, ziemlich Verblüffende darunter, um ihrerseits wiederum einfach zu vergehen - Comeback ausgeschlossen. Mit dem irischen Postboten James Brown alias „The King“ wagt nun - fast 15 Jahre nach seinen über eine halbe Millionen Mal verkauften LPs Gravelands und Return To Splendor - einer aus der Heerschar der Stimmverwandten ein Comeback. Ein lautstark feierndes Publikum in der sehr gut besuchten Räucherei legt dabei die Vermutung nahe, dass das eine ziemlich gute Idee sein könnte.
James Brown war nie einer jener typischen Elvis-Impersonators, die sich in mit knallenge  Jumpsuits mit Paillettenapplikationen zwängen und sich dabei verausgaben, jemand anderes zu sein. James Brown war auch als The King immer zuallererst ein Entertainer und vermutlich der erste zumindest kommerziell erfolgreiche Elvis-Interpret, der die frappierende Stimmähnlichkeit mit dem späten Elvis für Coverversionen von Songs des kollektiven Rock- und Popgedächtnisses zu verwenden verstand, mit denen Elvis zu Lebzeiten nicht das Geringste am Hut hatte, oder haben konnte. Viele der gecoverten Songs des Abends entstanden erst nach Presleys Tod 1977, wie zum Beispiel das wunderbar angeswingte Crazy Little Thing Called Love (Queen, 1979), das giftig galoppierende Something Else (The Sex Pistols, 1979) oder das unverwüstlich breitbeinig rockende Whole Lotta Rosie (AC/DC, 1978).
Und das Konzept funktioniert nach wie vor: Mal besser wie in dem großartigen Come As You Are von Nirvana, dem das sonore Elvis-Timbre etwas bedrohlich Düsteres verleiht, mal schlechter, wenn Bob Marleys ohnehin schon nah am Pop platzierter Reggae No Woman, No Cry vollends aus dem Backbeat gezogen wird und mit Schlägen auf die 1 und 3 platt gemacht wird. Die Band, bestehend aus Torsten „Toschi“ Neumaier (Schlagzeug), Jan Ullmann (Keyboards), Stefan Noster (Bass) und Felix Rehmann (Gitarre), verrichtet grundsolide Arbeit, ohne dabei ein eigenes Profil zu entwickeln. Ein Schicksal, das sie mit so ziemlich allen anderen Coverbands des Planeten teilen dürfte. Was aber nicht schlimm ist, denn der Witz dieser Coverversionen liegt ja nicht in der exzellenten Instrumentaladaption der Originale, sondern im Wiedererkennungswert der Stimme. Und der ist in der Tat enorm. Das dunkel-knödelige, samt-seidige Timbre klingt genau wie das des späten Elvis. Dabei verfügt die Stimme von The King über Kraft, Volumen und eine ebenso sichere wie elegante Modulationsfähigkeit. Es besteht zu keiner Zeit ein Zweifel daran, dass Elvis die vielen Songs des über zweistündigen Abends vermutlich genauso so gesungen hätte.
Auch wenn The King Elvis selbst covert, bleibt die Magie der Stimme erhalten. Was dann fehlt ist das „Fremdcover“-Alleinstellungsmerkmal, das ihn von den vielen anderen Stimmillusionisten unterscheidet.
Ob das heute nun gleich ein Comeback war? Wahrscheinlich so sehr, wie das Best-Of-Album Return To Gravelands mit nur sechs neuen Cover-Songs als Comeback-Album durchgehen kann. Die Zuschauer jedenfalls sind aus dem Häuschen. Und am Ende geht es ja schließlich doch nur um das Eine, um das Ewige und Schöne, das The King zum Konzertfinale mit heiligem Ernst und Mutterwitz beschwört: „Don’t forget: long live The King!“ Und der lebt schließlich schon seit fast 40 Jahren weiter - auch ohne Comeback.

Voriger Artikel
Nächster Artikel